Bild: Im Auge des Orkans oder: die leere Mitte
2. Februar 2021 von Angela Paap

Im Auge des Orkans oder: die leere Mitte

Die Krisen der Welt sind von der Krise des Ich nicht zu trennen. Wir können uns anschauen, wer wir geworden sind. Wer können wir aber sein? Wenn wir unser heutiges Selbstbild zur Disposition stellen und mit der Frage leben können, was ein universelles Selbst sein könnte, entsteht Offenheit. Kann das Ich sich als Geburtshelfer dieses werdenden Selbstes sehen? Können wir schließlich, von einer wachsenden Einheitserfahrung geleitet, untergehen in diesem universellen Selbst? Es zeigt sich, dass Untergang und Neugeburt das Gleiche sind, in einem Prozess fortschreitender Verwandlung.

Es ist eine abenteuerliche Reise. Jedesmal, wenn wir etwas Begrenztes preisgeben und hinter uns lassen, begegnen wir in uns dem Unbegrenzten, immer klarer und vollständiger. Auf diesem Weg lernen wir, auf die eigene Wahrnehmung und unseren inneren Kompass zu vertrauen. Krisen im Äußeren werden zum Ansporn, das Geheimnis zu entschleiern, nicht um des eigenen Fortschritts willen, sondern um im Gedränge der Welt Raum für Stille und Klarheit zu schaffen – Raum für neues Handeln.

Die aktuellen Krisen der Welt sind Krisen des Ichs, mithin sind sie Bewusstseinskrisen. Wir stehen am Ende eines langen Entwicklungsweges in die größtmögliche Individualisierung. Um das „Ego“ zu überwinden, sollten wir uns jedoch nicht umdrehen, um den Entwicklungsweg wieder zurück zu gehen, sondern ihn vollenden und in unserer Mitte das Universelle wahrnehmen, das alle Gemeinschaften und alle Zusammenhänge in sich fasst. Das wahre Selbst, von dem wir hier sprechen, ist ein ewiges Fundament in uns – in jedem Menschen -, auf dem sich alle Dinge und Verhältnisse neu ordnen können.

Wer dieses Fundament in sich freilegt, gar auf diesem baut, findet Frieden. Im Auge des Orkans entsteht Freiheit.

 

Foto: Larisa Koshkina auf Pixabay

 

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