13. März 2013 von Jean Pierre Weber

Das Leben – ein Fluss

Und so lang du das nicht hast,
dieses: Stirb und werde!
bist du nur ein trüber Gast
auf der dunklen Erde. (J. W. v. Goethe)
 
Unser Leben in all seinen Äußerungen unterliegt stetigen Veränderungen. Jeder weiß es eigentlich, und jeder erfährt es: Ein Mensch wird geboren, wächst heran, lebt sein Leben und stirbt irgendwann. Wir atmen sauerstoffreiche Luft ein und verbrauchte Luft wieder aus. Wir erleben Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Gesundheit und Krankheit. Wir schlafen und wachen.
 
Dieser ständige Wechsel, die permanente Veränderung, gleicht dem Fließen des Wassers in einem Strom. Doch da ist noch mehr: Wie die Tropfen des Wassers im Fluss durch die Energie der Strömung miteinander verbunden sind, so ist es auch mit den Zellen im menschlichen Körper, ja sogar mit den Menschen untereinander. Sie alle bilden einen großen Menschheitskörper, der durch eine unsichtbare Energie durchströmt und belebt wird. Und auch im ganzen Kosmos gibt es diesen Zusammenhang. Die Sonnensysteme, die Galaxien, alles wird bewegt und durchströmt von einer Energie, die wir Geist nennen können. Doch diese Erfahrung der Verbundenheit und Einheit von allem ist erst wenigen Menschen bewusst.
 
So kommt es, dass der Veränderung im Allgemeinen Widerstand entgegengebracht wird. Man will lieber bleiben, wo es schön ist, man will lieber festhalten, was man erworben hat, man will den Schwierigkeiten aus dem Wege gehen, und man will natürlich auch nicht sterben. Das Sterben ist für uns Menschen unannehmbar. Und so stellen wir uns der Strömung in den Weg. Der Strom – das Leben – fließt an uns vorbei, unseren Widerstand nicht achtend. Doch wir erleiden Schmerz. Lange kann uns Schmerz beschäftigen. Er kann sich auch verdichten zu unermesslichem Leid. Bis wir erkennen, was die Ursache ist, und mit einem Mal verstehen wir, was Goethe meinte mit seinem „Stirb und werde“: Tauch ein in den Strom des Lebens, bejahe, was er dir zeigt, bejahe, was er dir bringt und lerne daraus. Und wenn du gelernt hast, lasse alles los.
 
Ist das zu schwierig für den Menschen? Ja und nein. Das, was sich immer behaupten will, was dem Leben Widerstand bietet, ist nur das Ich, das Ego. Doch dahinter oder darunter gibt es ein ganz anderes Prinzip. Es ist das Prinzip des wahren Lebens, das Prinzip, das aus der Einheit stammt und daher die Einheit erkennen und verwirklichen kann. Dieses Prinzip ist zugleich Geist, Kraft und Licht. Es kann den Menschen in einen ganz neuen Seinszustand transmutieren.
 
Wer so eintaucht in den Strom des Lebens, weiß sich mit allem und mit allen verbunden, und in dieser Verbundenheit baut er an einem neuen Lebenszustand – für sich und für alle anderen.
 

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