Poesie Lyrik

Gedanken über Liebe und Stille

Es ist Frühlingsanfang. Am Fenster sitzend schaue ich zu, wie Schneeflocken sich leise auf die Frühlingsblumen legen, auf die vielen Knospen, die sich gerade entfalten wollen, auf all das frische Grün. Die Natur ist mit einem weichen Mantel aus weißem Schnee bedeckt. Alle Geräusche haben aufgehört, ganz still ist es geworden. Wie wunderschön sanft und friedlich alles wirkt. Die Birke vor meinem Fenster steht wie bewegungslos … Doch ist sie das wirklich?

Mir fällt ein Gespräch mit Freunden über die Liebe ein. Es kam mir dabei so vor, als ob tief in jedem Herzen ein Feuer brennt; als ob eine unstillbare Sehnsucht nach Liebe existiert, ein Sehnen nach Erlösung. Und gleichzeitig scheint es mir – paradoxerweise -, als flössen die Herzen der Menschen über vor Liebe. Wir haben so viel davon und möchten sie unbedingt weiter schenken, aber wissen nicht, wie und wem. In unserem Bemühen, alles gut zu machen, scheitern wir immer wieder, denn es gibt nichts beständig Gutes in unserem Leben.

Ohne Liebe wäre die Welt ein trostloser Ort. Doch was ist die Liebe der Welt wirklich? Eigentlich haben wir alles, was wir brauchen, im Überfluss in unserem Herzen. Doch wie sehr wir uns auch bemühen, etwas Gutes zu schaffen, es bleibt nur Stückwerk, weil immer etwas fehlt.

Im Grunde unseres Herzens wissen wir: Würde diese Sehnsucht nach wahrer Liebe vollkommen gestillt, wäre alles erlöst, denn alles wird in der Liebe aufgelöst, das Gute und das Schlechte, das Hässliche und das Schöne. Die Gegensätze, die unser Leben plagen, würden verschwinden. Wir könnten glücklich und frei sein. Wie unwichtig erscheint demgegenüber das endlose Ringen um Macht und Erfolg. Die Liebe zu befreien, die wie ein Feuer in uns brennt, ist die einzige Aufgabe, die wir wirklich einmal vollkommen erfüllen müssen.

Wie unbeschreiblich gut tut es, wenn wir ab und zu in die Stille eintauchen können. Wenn unser lautes Ich wie die Birke im Schnee ruht, kann das Wahre, das Lebendige zu uns sprechen. Wie der Duft einer Rose weht ein Hauch des großen Geheimnisses aus der Stille zu uns herüber.

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