Philosophie

Frieden – nur ein Traum der Menschen?

Aus dem 5. Jh. nach Christus gibt es zum Thema Frieden eine Feststellung, die auch heute noch Gültigkeit hat: „So wie es niemanden gibt, der keine Freude haben will, so gibt es auch niemanden, der keinen Frieden haben will.” Der Autor ist Augustinus; er hat diese Bemerkung im 19. Buch seines „Gottesstaates” niedergelegt. Aber er beobachtete das Verhalten seiner Mitmenschen ganz nüchtern und stellte fest: „Viele Menschen wollen den Frieden nicht um jeden Preis, sondern nur zu ihren Bedingungen.” Also herrscht offen oder latent immer Krieg. So ist es bis heute.

Wenn wir tiefer gehen wollen zum Quell der Ursachen, müssen wir fragen:

WAS IST ÜBERHAUPT FRIEDEN

im tieferen Sinn?

Geht es nur um das gewaltlose Zusammenleben der Menschen? Die meisten
Menschen freuen sich über sog. Friedenszeiten und wissen doch, dass im Äußeren kein Dauerzustand zu erwarten ist. Die Geschichte füllt viele Bände mit ihren Dokumentationen über blutige Kriege. Wir fühlen vielleicht, wie wir bei einer solchen Betrachtung nur an der Oberfläche des Geschehens verharren.

Da gibt es seit vielen Jahren für verdienstvolle Taten den Friedensnobelpreis und es gibt die Bemühungen der Friedensforschung. Beides ist bedeutsam. Aber führen diese Wege zu einer wirklichen Lösung der Probleme?

Vertiefen wir uns einmal in den antiken Philosophen Epikur. Er verlegt den Unruhe- und Kriegszustand ursächlich in das Menscheninnere. Er spricht von der notwendigen „Windstille der Seele” (Ataraxia), wenn Frieden erreicht werden soll. Dieser Frieden stellt sich nur ein, wenn der Mensch von seinen leidenschaftlichen Ich-Motiven ablässt, auch wenn das eine Herkulesarbeit bedeutet. Zuerst einmal muss sich ein Mensch einer bestimmten Unruhe im eigenen Wesen bewusst sein. Schon das ist eine schwierige Arbeit, die jeder kennt, der ernsthaft nach tieferer Selbsterkenntnis strebt. Denn wie viel bemerken wir von den versteckten persönlichen Ich-Trieben, also der subtilen Kriegsführung, die von innen nach außen wirkt?

Epikur ging sehr weit, wenn er empfahl, sich von jeder Form der Politik fernzuhalten. Es ging ihm wohl nicht darum, den Wert der Politik für die Gesellschaft herabzusetzen. Er wollte aber deutlich machen, wie sich das Emotionale und Taktische dort einschleichen kann. Sein Ratschlag „lebe im Verborgenen” galt einer besonderen Lebenseinstellung, um innere Ruhe auch für die Umgebung und die nächsten Mitmenschen zu bewahren. Die „Stillen im Lande” werden eben von den wenigsten Menschen wahrgenommen. Sie wirken als Oasen der Stille und helfen, so manchen Sturm zu stillen, auch wenn wir das im Allgemeinen vielleicht nicht glauben. Ein solches Leben, eine so praktizierte Einstellung dient dem Frieden unter den Menschen.

Im recht verstandenen Christentum werden diese Wirkungen und Werte sehr genau artikuliert. Da sagt zum Beispiel Paulus im Brief an die Kolosser: „Der Friede Christi regiere eure Herzen” und (im Brief an die Philipper): „Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.” Natürlich müssen wir uns innerlich auf eine schwierige Tour begeben, wenn wir uns diesen höchsten Normen nähern wollen. In der Bergpredigt wird uns die Frucht einer solchen Bemühung vor Augen geführt: „Selig sind die Friedfertigen!” Wenn wir diesem Zustand nachspüren, können uns so manche Schuppen von den Augen fallen. Denn wenn einer „fertig” sein will oder vollkommen aus der Sicht des inneren Friedens, dann wird man wohl zu dem Ergebnis kommen, dass ein Mensch diesen Zustand kaum erreichen kann. Aber Paulus macht auch hier Mut und will einer verhängnisvollen Resignation vorbeugen, wenn er sagt: „Nicht, dass ich das bereits erreicht hätte, aber ich jage ihm (dem Zustand) nach” (Brief an die Korinther).

Das ist der Kardinalpunkt, um wirksam am endgültigen Frieden für alle mitzuarbeiten. Die Wissenden sagten dazu: „Vereinte Kraft wirkt stärker!”

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