Kunst

Flammendes Mosaik

Als ich zum ersten Mal seinen Namen hörte, wusste ich noch nicht, dass ich mich intensiver mit ihm beschäftigen und ihn näher kennen lernen würde. Seitdem ist ein Jahr vergangen, und sein Name hat sich gewissermaßen in meinem Leben verankert und das, obwohl ich mich zunächst so schnell wie möglich wieder von ihm verabschieden wollte. Die Auseinandersetzung mit ihm ließ mich auch die Menschen entdecken, die er liebte und achtete. Das hat mich zu berühmten Philosophen, Psychologen und Musikern geführt, und ich konnte einen Blick auf ihre Lehren werfen. An ihm selbst scheinen sich die Geister zu scheiden. Die einen lieben und verehren ihn, andere verstehen ihn nicht und finden seine Werke zu chaotisch und ambitiös, während wieder andere ihn kaum kennen oder nie von ihm gehört haben.

Mich selbst brachte er zum Nachdenken und ich versuchte, ihn zu verstehen. Was war sein Verdienst für Gott und Menschheit? war die Frage, die sich mir stellte. In feurigen Gesprächen suchte ich lebendigen Stoff, um über ihn etwas schreiben zu können. Es hat mich ihm nicht einen einzigen Schritt näher gebracht. Dann plötzlich ergab es sich, dass ich in einer sehr besonderen Situation eines seiner Stücke hörte und derartig erfüllt war von dieser Impression, dass ich es sofort aufschreiben musste. So entstand folgende Assoziation:

„Ich liebe. Allein sein Name scheint fähig, mich mit einem frischen Wind zu berühren. Ich bewege mich in seiner Musik wie in einer grandiosen Welt, die lebt und atmet, sich unaufhörlich wandelt, mich aufnimmt und zum eigenen Wachstum drängt. Ich könnte lange verweilen in dieser hohen und reinen Energie, ich könnte in diesem Liebesmeer baden und mitwachsen. Ich fühle mich wie verliebt! Wie schön, dieses Gefühl zu erleben, ohne dabei gebunden zu sein. So scheint es mir in dieser Wunderwelt, als ob feurige Gedanken flögen und sich begegneten. Die Gedanken verbinden sich mit farbigen Tönen, werden aufs Neue geboren und verdichten sich zu Poemen, Wahrsagungen und neuen Weisheiten. Es ist, als wären sie Flammen, die sich in einem unendlichen Tanz bewegen und sich selbst erfüllen. Es scheint, als könnte ich mir unter ihrem Einfluss näher kommen. In mir ist kein Zwang und kein Zögern. Ich schäme mich nicht für dieses Gefühl der Liebe in meinem Herzen. Es ist da und ich bin ein Teil von ihm. Als ob meine Seele erfüllt sei von diesen feurigen Flammen, und ich atme mit, die Flamme, das Feuer, das Licht. Planeten werden geboren und im nächsten Augenblick verschwinden sie wieder. Die Sterne ändern ihre Form, die Meteoriten wählen sich neue Wege, der Himmel lacht und weint. Ich bin zu einer stillen Beobachterin geworden, in der dieses mächtige Geschehen, diese himmlische Transmutation eine tiefe Sehnsucht hervorruft. Ich spüre ihr nach. Ich weine. Ich bin in der Tiefe meines Herzens verletzt, bin verliebt und schmerzhaft glücklich.”

Wer ist er, der diese Kraft hat, durch Musik Gedanken, Menschen und Planeten aus dem Chaos zu erschaffen, sie im Tanz zur Bewegung zu bringen und das Wunder der Weltschöpfung zu erfühlen?

Wer ist er? Er heißt Alexander Skrjabin.

Gemälde:
Alexander Nikolajewitsch Skrjabin * 25. Dezember 1871 in Moskau; † 14. April 1915 war ein russischer Pianist und Komponist.
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