Gnosis

Es ist in Dir

Von eigenen Erfahrungen/Gedanken über Leben und Liebe und Jakob Böhme

Von der Widersprüchlichkeit zur Liebe

Das Leben ist eine „Schule”. Ich lerne loszulassen, ich lerne, das Los zu lassen, das Schicksal zu lassen, das Schicksal, welches Unangenehmes oder Widersprüchliches in sich birgt. Ich lerne, dass es in der Polarität Widersprüchliches gibt, zwei Pole, die unvereinbar sind. Tag und Nacht widersprechen sich, Mann und Frau widersprechen sich, ebenso Wachsein und Schlafen, der Tod und das Leben oder Denken und Fühlen … Es gibt so lange Widersprüchliches, solange ich erwarte, dass das Unvereinbare hier in der Gegensätzlichkeit unserer Welt vereint werden soll, solange die Widersprüche hier aufgehoben werden sollen.

Gibt es einen anderen Ort, wo kein Widerspruch ist, dann ist dort nur Liebe. Dann habe ich den Widerspruch los gelassen. Dann stören die Widersprüche nicht mehr, dann sind sie nicht mehr hinderlich, dann sind sie nicht mehr da. Dieser Ort ist außerhalb des Ich, aber auch außerhalb der Polarität von „Liebe und Hass”. Es ist ein Ort, wo ich nicht verletzbar bin … es ist ein Ort, an dem ich trotz Widersprüchlichkeit lieben kann; dann liebt nicht das Ich, sondern das Andere in mir. Das Andere befindet sich außerhalb des Ich. Es ist das Göttliche in mir.

Glauben, Vertrauen und Hoffnung

Es wird alles einen Sinn haben, auch, wenn uns das Leben sehr oft unsinnig vorkommt. Ich glaube ganz fest daran, dass Vieles, was uns jetzt widerfährt, letztendlich zu unserem Wohl im Sinne des Lebens-Pfades ist, dass wir eventuell nur durch das scheinbar Widersinnige zu lernen im Stande sind und dadurch zur Selbsterkenntnis kommen. Ich bin voller Vertrauen, dass doch einiges gut so ist, wie es ist bzw. dass es gut werden wird, dass es unser „Gut” wird. Wir sehen das Gute jetzt noch nicht, wir sehen nur das Widersprüchliche, wir sehen nur das daraus resultierende Leiden, vielleicht im Wechsel mit etwas Freude. Aber ist das nur Leiden???

Václav Havel sagt: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas einen Sinn hat – egal wie es ausgeht.” Hoffnung ist, die Gewissheit zu haben, dass wir uns auf das Gute, auf das Allein-Gute zu bewegen, dass wir das Allein-Gute in uns finden.

Schwinge dich einen Augenblick in das, wo keine Kreatur wohnt

Manchmal wünsche ich mir, mich einfach in einen Zustand fallen zu lassen, in dem nichts ist, in dem Nichts ist.

Jakob Böhme, der Schuster und Mystiker aus Görlitz (1575 – 1624) schrieb in „Vom übersinnlichen Leben”:
Jünger: „Wie komme ich zu dem übersinnlichen Leben, wo ich Gott sehe und reden höre?”
Meister: „Wenn du dich einen Augenblick in das schwingen magst, wo keine Kreatur wohnt, dann hörst du, was Gott redet.”
Jünger: „Ist das nah oder fern?”
Meister: „Es ist in dir, und wenn du eine Stunde von all deinem Wollen und (Nach-)Sinnen schweigen magst, so wirst du unaussprechliche Worte Gottes hören … so wird in dir das ewige Hören, Sehen und Sprechen offenbar, und Gott hört und sieht durch dich. Dein eigenes Hören, Wollen Sehen hindert dich daran, Gott zu sehen und zu hören.”

Foto: Hermann Achenbach Grab Jakob Böhme
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