Poesie Lyrik

Eine strahlende Erkenntnis

Vor unendlich langen Zeiten
hast DU uns als Lichtfunken erschaffen.
DEIN Auftrag:
Erfüllet den ganzen Raum
mit MEINEM Licht.
Wir erfüllten ihn.
Es war herrlich,
in DEINEM Licht
zu strahlen und
DEINEN Auftrag auszuführen.

Dann vergaß ich DEINEN Auftrag
und fiel als funkelnder Tautropfen
auf diese Erde
mitten auf eine Sonnenblume.
Ich glänzte in der Sonne
wie eine Perle.
Und die Sonne löste mich auf
und am anderen Morgen war ich
ein Tautropfen,
den ein Spatz aufschlürfte.
Er schied mich als Abfall aus.
Ein Tier trampelte auf mir herum
und ich versickerte in der Erde.
Mit anderen Tropfen verließ ich
als Rinnsal die Finsternis
unter einer Wiese
und wieder lösten mich
die Sonnenstrahlen auf.
Als Schneeflocke erfreute ich ein kleines Mädchen.
Als Eis wurde ich von Autofahrern beschimpft.
In einer Autobatterie war ich Teil einer Säure.
In der Kläranlage kam ich schmutzig an
und verließ sie leidlich gesäubert.
Auflösung und Verdichtung folgten in einer endlosen Folge.
Schmerz und Freude lösten sich ab.
Bei einer quälenden Wanderung
durch den Bauch der Erde
meinte ich ein leichtes Schimmern zu ahnen.
Mein Funke war noch da.
Woher kam dieses Licht?
Ach wenn es doch mehr würde!
Wieder ein vollkommenes Leuchten!
IHM zur Ehre und
den Menschen ein unvergängliches Licht!

Nach und nach wurde der Funke in mir
wieder leuchtender,
je mehr ich mich nach meinem Ursprung sehnte.

Wieder einmal verließ ich mit Brüdern und Schwestern,
– Wassertropfen -,
in einem Rinnsal eine sprudelnde Bergquelle.
Wir wurden immer mehr.
Wir waren so viele
– aber ich war einsam.
Ich dachte an meinen Funken.
Er war pochend geworden
und wollte aus dem Wasser heraus,
wieder zu seinem Schöpfer.

Ein Liebesstrahl aus IHM
trennte den Tropfen,
der mit seinen Freunden ins große Meer schwamm,
von mir, dem wieder leuchtenden Feuerstrahl.

Nun erfüllen wir den Raum um uns wieder mit SEINEM LICHT.

Foto: Hermann Achenbach
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