Bild: Eine Geste der Versöhnung
17. November 2020 von Gudrun Wegeleben

Eine Geste der Versöhnung

Die Welt wird schon seit längerem von Attentaten islamisch geprägter Terroristen geplagt.
Lassen wir uns dadurch nur im Moment beunruhigen, solange uns diese Ereignisse nicht
persönlich betreffen oder fragen wir nach den Ursachen und Zusammenhängen?
Eines dieser letzten Attentate, bei dem in einer katholischen Basilika in Nizza zwei
Menschen grausam getötet wurden und ein Entkommener später verstarb, löste erneut
einen Schock bei den von solchen Ereignissen gebeutelten Franzosen aus. Es folgten
Untersuchungen, Sanktionen und ein mehr oder weniger großer Druck auf islamische Einrich-
tungen im Land. Darauf reagierten islamische Länder mit Empörung, die Spirale von
Wut und Hass blieb weiter in Bewegung. „Auge um Auge ,Zahn um Zahn“ sollte das
niemals enden?
Natürlich muss sich ein Rechtsstaat gegen solche grausamen Aktionen von religiösen
Fanatikern schützen, aber mit Augenmaß. Es gibt islamische Menschen, die dankbar sind,
dass sie in europäischen Demokratien Zuflucht gefunden haben vor der Gewalt in
ihren Heimatländern und die sich – so schwer es manchmal auch ist – um Integration bemühen,
ohne ihre Eigenart zu verlieren.
Eine kleine Begebenheit am Rande des Tatortes in Nizza hat mich tief erschüttert.
Zu den Menschen, die vor der Basilika in Nizza zum Gedenken an die Opfer Kerzen
anzündeten, gesellten sich auch zwei islamische Frauen mit dem oft kritisierten Kopftuch
und stellten ihre Kerzen dazu: eine zaghafte Geste der Anteilname, ein Versuch zur
Überbrückung der Gegensätze.
Vielleicht können wir viel zum friedlichen Miteinander der Kulturen beitragen, wenn
wir uns im ganz normalen Alltag von Mensch zu Mensch begegnen. Beispiele dazu gibt
es genug: Mütter aus Deutschland und dem Iran, die sich in einem überfüllten Stadtbus
gemeinsam über ihre fröhlichen Kleinkinder freuen, Eltern,die sich über die Probleme
ihrer Kinder in der Schule austauschen und auch Freundschaften unterstützen, denn
Kinder fragen in der Regel in ihren Beziehungen nicht nach der Glaubenszugehörigkeit
und der Herkunft ihrer Freunde usw.
Damit sind gewiss nicht alle Probleme aus der Welt geschafft, aber Akzeptanz und Respekt
wachsen so von „unten“ her auch ohne staatliche Eingriffe.
Der Schweizer Religionsphilosoph Armin Risi erwähnt in seinem Buch
„Der radikale Mittelweg“ ein 2007 veröffentliches Manifest islamischer
Theologen und Wissenschaftler „A Common Sense Between You and Us“, das sie
dem damaligen Papst Benedikt zukommen ließen, dass der gemeinsame Kern des Christentums
und des Islam Liebe zu Gott und damit Liebe zum Nächsten sei.
Es ist zu hoffen, dass sich viele Menschen dessen bewusst werden.

 

Foto: Ratna Fitry auf Pixabay

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