Persönlichkeiten

Die spirituelle Seite bei Johannes Kepler

In Regensburg und in Weil der Stadt gibt es zwei bemerkenswerte Museen, die dem bedeutenden Astronom und Mathematiker Johannes Kepler (1571 – 1630) gewidmet sind. Er entdeckte unter anderem die Gesetze der Planetenbewegungen und untermauerte damit das heliozentrische Weltbild des Kopernikus.

Wenn ich das Lebenswerk Keplers, das dort zusammen getragen wurde, auf mich wirken lasse, dann habe ich Eindruck, dass Kepler als einer der ersten der modernen Wissenschaft seine exakten Forschungsergebnisse immer wie eine Art von Gottesdienst erlebte.

Schon länger hat mich die Frage beschäftigt, ob es tatsächlich eine spirituelle Seite in der Naturwissenschaft gibt. Bei Kepler wird deutlich, dass er ein geistiges Sinnbild in den Erscheinungsformen der Materie sieht:

„Die Kugel stellt die Dreieinigkeit dar – der Vater: das Zentrum; der Sohn: die Oberfläche; der Geist: den Radius. Auch in den Menschen finden sich solche Prädispositionen von unendlicher Art. Die Geometrie ist einzig und ewig, ein Widerschein aus dem Geist Gottes. Dass die Menschen daran teilnehmen, ist die Ursache dafür, dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist. Kann ich Gott, den ich bei der Betrachtung des Weltalls geradezu mit Händen greife, auch in mir selbst finden? Ich fühle mich hingerissen von einem unsäglichen Entzücken über die göttliche Schau der himmlischen Harmonien… Die Zahlen, Figuren, die Gestirne, die Natur überhaupt harmonieren mit gewissen Geheimnissen der christlichen Religion.”

Weniger bekannt ist, dass Kepler zu einem führenden Vertreter der Rosenkreuzer seiner Zeit, dem Tübinger Juristen Christoph Besold, Kontakt aufgenommen hatte. Dieser gilt als Mitverfasser der klassischen Rosenkreuzer-Manifeste. In der Folgezeit entfernten sich aber bekanntlich die Naturwissenschaften immer weiter von den Geisteswissenschaften.

Erst in jüngster Zeit findet wieder eine deutliche Annäherung statt, insbesondere aus den modernen Erkenntnissen der Physik. Durch das heliozentrische Weltbild ist Gott in der Vorstellung der Menschen in den unendlich weiten Räumen des Weltalls entrückt, war der Boden bereitet für Entwicklungen wie den Rationalismus und die Säkularisierung

Nun entdecken sie ihn im Gleichklang von Physik und Esoterik wieder: Sie finden ihn im kleinsten Teil der Materie, dem Atom, als eine Schwingung – und sie beginnen ihn gleichsam als einen tonlosen Ton in sich zu finden.

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