Poesie Lyrik

Die Seele

Ein grün leuchtendes Smaragd-Sternchen strahlt in weiter nächtlicher Umgebung. Die leuchtenden Strahlen sind sehr zart und schön zu betrachten. Ich verweile einen Augenblick, und noch einen … Ich denke: „Eine neue Seele wurde geboren und zeigt sich in ihrem wunderschönen, geheimnisvollen grünen Gewand.”

Wem gehört diese Seele, die sich so fröhlich und auch etwas schüchtern zeigt? Ich denke im ersten Moment an einen Menschen, den ich sehr lieb habe und der sehr weit von mir entfernt ist. Ich freue mich, seine Seele erblicken zu dürfen und mir geht es nicht mehr um seine anderen Eigenschaften und nicht um meine schmerzhaften Erfahrungen, die ich mit ihm gemacht habe. Ich staune nur vor dieser Vision, die mir entgegen leuchtet.

Dann gehen meine Gedanken weiter und ich frage mich tastend, ob es nicht ganz anders ist, ob es mir in Wirklichkeit nicht geschenkt wurde, einen Blick in mein Innerstes zu werfen. Ist es meine Seele, die sich tastend und fragend zeigt?! Will sie mich fragen, ob ich mich an sie noch erinnern kann, ob ich mich um sie kümmere, ob ich ihr nicht schaden werde…?

Wie kommst du darauf, o Seele, dass ich dir Schaden zufügen würde?! Ich kenne meine bösen Gedanken und impulsiven Taten. Doch ich bin nicht in der Lage, dich mit meinem Finger zu berühren. Sei ruhig in deiner Schönheit und Herrlichkeit. Bleib bitte bei mir, erleuchte meinen düsteren, einsamen Weg. Nimm mich ganz auf in deine herrlichen Strahlen, lass mich dir dienen. Lass mich alles Menschliche vergessen, lass mich nicht mehr existieren, lass mich in dir aufgehen.

Ich erkenne dich in unterschiedlichem Gewand, bei Tag und Nacht, du verleihst mir die Kraft, den Weg zu gehen und du erweckst in mir die besseren Gedanken und Gefühle, die höheren Einsichten und Verlangen. Ja, ich weiß, ich versuche, sie aus eigener Kraft zu verwirklichen, ich habe keine Geduld und kein Vertrauen, selbst dich würde ich am liebsten besitzen und umfangen. Meine feste Umarmung gefällt dir nicht, du bist frei und bleibst frei. Lehre mich, wie ich dir folgen kann, ohne dich festzuhalten.

Die Seele strahlt, ein leichtes grünes Licht aus der Ferne. Nichts hat sich verändert, nur meine Sehnsucht wächst…

Foto: Ch. Achenbach
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