14. August 2018 von Frank Saß

Die Pyramiden von Gizeh

Wenn man Abbildungen der ägyptischen Pyramiden sieht, so sind es meistens wunderschöne Fotos, auf denen die Bauwerke im Morgenlicht aus dem Wüstensand ragen.
Mystische Bilder, die den magischen Charakter dieser großartigen Zeugnisse alter spiritueller Weisheit zu betonen versuchen.
Vor einigen Jahren habe auch ich Kairo besucht.
Ich bin nachts angekommen, und stellte am Morgen überrascht fest, dass man die Pyramiden vom Hotel aus sehen konnte.
Das Bild, das sich mir darbot, war jedoch so ganz anders als die üblichen mystisch verklärten Bilder.
Was ich sah, waren Ruinen, die ihre einstige Pracht verloren hatten, und die herausragten über eine vielbefahrene Kreuzung mit Ampeln, Straßenlaternen und Sendemasten.
Die Realität des 21. Jahrhunderts: Die Pyramiden, nicht versunken im Wüstensand der Jahrtausende, sondern untergehend, versinkend in der modernen technisch-materialistischen Kultur.
Nur noch Ruinen, Fragmente, die vom Zeitgeist der Moderne überwuchert zu werden drohen wie die mittelamerikanischen Pyramiden vom Urwald.
Ist das nicht ein treffendes Symbol für unsere Zeit, wo wirkliche Spiritualität in Materialismus und Konsumdenken unterzugehen droht?
Wohin entwickelt sich die Spiritualität in unserer Zeit?
Bekommen wir eine Smartphone-Spiritualität mit einer Weisheits-App?
Schaffen wir es noch, in die innere Stille zu gehen, um zu einer Vertiefung unseres Lebens zu kommen?
Wird Spiritualität zu einem Konsumgut, oder ist da noch die Sehnsucht nach dem ganz Anderen, nach dem Unsagbaren, dem Namenlosen?
Können wir die unermessliche Tiefe erspüren, die uns in Begriffen wie Ewigkeit und Unendlichkeit berührt?
Erahnen wir in der Tiefe des Herzens den Ruf unseres göttlichen Wesens, das da verschüttet unter Alltäglichem gefangen liegt, den Ruf in die ewige Freiheit zurückzukehren?

Foto: Frank Saß

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Alle Felder sind erforderlich.