Gesellschaftsfragen

Die Krise

Angesichts der aktuellen Krise stellen sich viele Menschen die Frage:
Wie wird es mit mir, mit meiner Familie weitergehen? Wie wird es insgesamt mit der Menschheit weitergehen?
Diese Fragen sind verständlich. Aber sie befreien uns noch nicht von unseren Ängsten und Widerständen. Wenn wir die Fragen, die wir an die Vergangenheit richten, beantworten könnten, hätte sich an der aktuellen Situation nichts geändert.
Und bei den Fragen, die wir an die Zukunft richten, wird uns der Lauf der Dinge selbst schließlich die möglichen Antworten zeigen.
Viele sagen es: Jede Krise beinhaltet eine Chance. Und eine große Krise beinhaltet eine große Chance.
Nehmen wir einmal die Perspektive eines spirituellen Weges ein. Jeder hat es schon erlebt, dass seine Realität erschüttert wird, manchmal durch Kleinigkeiten, manchmal durch Schwerwiegenderes.
Wer es in solchen Momenten vermag, die aktuelle Situation annehmen, ungeschminkt, so wie sie ist, kann etwas an sich selbst verändern. Er nimmt seine Ängste an, sie gehören zu ihm. Er betrachtet seine Wünsche und Vorstellungen, seinen bisherigen Lebensstil. Auch sie sind Teil von ihm. Er erlebt, dass Vieles, was bislang für ihn von äußerster Bedeutung war, plötzlich nicht mehr möglich ist. Sein Selbstverständnis gerät ins Wanken.
Was bedeutet das? Ruhe kann eintreten, innere Stille. Ein neuer Blick auf das Leben wird möglich.
Es mag alles verloren gehen. Auch das eigene Leben mag ein Ende finden, früher, als man es gern hätte.
Wenn wir das akzeptieren, bekommen wir einen gewissen Abstand, einen ruhigeren Standort. Wir können daran gehen, uns in das Innerste unseres Wesens zu vertiefen. Es gelingt uns vermutlich nicht sofort. Ein bisschen Übung gehört dazu. Bereiten wir uns darauf vor, indem wir einen geeigneten Text lesen, vielleicht auch ein gutes Gedicht, oder indem wir einer besinnlichen Musik lauschen. Dann kann es still werden in uns.
Was kann sich bei einer solchen Besinnung zeigen? Was könnte sich melden aus der Tiefe unseres Innern? Haben wir keine Erwartungen. Wir erfahren zunächst einmal nur Dunkelheit. Vielleicht auch ein Wirrwarr an Gedanken und Empfindungen. Lassen wir sie abklingen oder vorbeiziehen. Richten wir die Aufmerksamkeit auf Tieferes, auf etwas, das wir noch nicht kennen.
Aus der inneren Stille erhebt sich das, was wir Bewusstsein nennen. Es ist wie ein Stern in der Dunkelheit. Es verbreitet eine Art Licht, Bewusstseinslicht. Wir sind uns unseres Daseins bewusst. Lassen wir das in uns wirken.
Das Bewusstsein hat eine Quelle. Auf einem spirituellen Weg nähern wir uns ihr. Und dabei können wir eine gewaltige Entdeckung machen. Die Quelle, die in mir ist, fließt zusammen mit der Quelle des Bewusstseins in anderen Menschen.
Es gibt für alle Menschen nur eine einzige Quelle des Bewusstseins. In ihr berührt sich mein Innerstes mit dem Innersten eines jeden anderen.
Wir hängen tiefer gehend zusammen, als wir es jemals für möglich hielten. Es gibt, im Hintergrund unseres Daseins, ein einziges, alles umfassendes Bewusstsein. Und aus ihm empfängt jeder, in jedem Moment, das eigene Bewusstsein.
Und weiter: Wir haben Anteil an einem einzigen, alles umfassenden Leben. Und aus ihm empfängt jeder, in jedem Moment, das eigene Leben.
Mit neuen Augen werden wir uns anschauen, wenn wir das erahnen. Wir sind In der Tiefe Brüder und Schwestern.
Tatsächlich: Die große Krise kann zur größten inneren Erfahrung beitragen, die wir machen können.

Foto: StockSnap auf Pixabay
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