Selbsterfahrung

Die dunkelste Dunkelheit

„Die dunkelste Dunkelheit erzeugt und ermöglicht unsere lichtesten Momente.
Die Nacht gebiert den Tag.”

Diese Dunkelheit habe ich in den letzten Tagen, Wochen durchgemacht. Aber recht intensiv. Es geht nicht abrupt, sondern ganz allmählich, dass der Tag geboren wird, dass Licht in das Leben tritt.

Es ist immer wieder ein Ringen mit Dornengestrüpp auf dem Weg. Man stolpert, fällt, wird zerkratzt und steht wieder auf. In der Dunkelheit versteht man absolut nichts mehr, man kämpft, wehrt sich, ist wütend, ist traurig und schließlich „gibt man auf”, lässt los, lässt das Los, und … plötzlich spürt man wieder den Ariadne-Faden zwischen den Fingern. Die Schwärze weicht, der Albdruck schwindet, und es wird licht im Herzen.

Noch in der Dunkelheit, hörte ich bereits eine Melodie im Inneren, ein leiser Hoffnungsschimmer, ein Rufen, ein Mahnen („Erinnere dich deines Auftrages!”). Der Dauerlauf durch die Felder in tiefster Morgendämmerung, der Schnee erhellte ganz leicht den Weg, ich hielt ein wenig inne nach den anspannenden Arbeitstagen. Ein Konzert, mit einem Freund besucht, ließ die Seele spürbar entspannen, ich konnte wieder heiter sein.

Und doch fehlten mir noch mehr Gespräche mit Menschen, Reflexionen über das, was in letzter Zeit mit mir geschehen war, was mit mir los war. Die Menschen kommen erst zu mir, wenn ich sowieso wieder heiter und gelassen bin. In der Dunkelheit kann keiner mich finden, es sei denn, der mich Suchende hat eine Taschenlampe, oder ich leuchte ihm entgegen. In der Dunkelheit weise ich jede Begegnung, jede Hilfe ab, ich kapsele mich starrköpfig in der Einsamkeit ab, ich kann nicht anders, ich will nicht anders.

Bis das Eis gebrochen ist, bis das „Ich” gebrochen ist oder der Stolz. Dann kommt Hilfe wie von selbst, und man braucht sie schon nicht mehr, dann kommen Begegnungen mit Menschen, und ich bin mit mir alleine zufrieden und im Gleichmaß. Dann blicke ich zurück und denke, was war ich für ein Tor, welch ein Dummkopf. Warum so abweisend und schwierig, warum dickköpfig oder depressiv und so im All verloren. Und jetzt ist alles gut. Anscheinend kann der Mensch nur durch viele viele Erfahrungen, durch Ringen nach Erkenntnis zu diesem Guten durchbrechen, zu diesen lichtesten Momenten, die allzeit sind. Aber er kann, er vermag es!! Das Licht ruft den Menschen immer.

Foto: Silke Karwowski
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