Religion Spiritualität

Der Zorn Gottes

Warum wird in der Bibel vom Zorn Gottes gesprochen und davon, dass Gott ein verzehrendes Feuer ist? Und auch Sri Aurobindo schreibt in seinem Text: „Die Stunde Gottes” vom Zorn Gottes.
Ist Gott nicht Liebe?
Haben wir nicht die Vorstellung vom „lieben Gott”?
Wir erwarten von Gott, dass Er uns so annimmt, wie wir sind, voller Verständniss für unsere Sorgen und Nöte, voller Verständnis für unsere Unzulänglichkeiten und unsere Charakterschwächen. Er soll uns lieben, wie wir sind und uns schützen und helfen, dass wir auch so beiben können.

Doch Gott ist die Macht, die das Universum ins Leben gerufen hat und seine Liebe trägt und nährt das All. Er hat für seine Geschöpfe einen Plan iniziiert, der sie zu seiner eigenen unermesslichen Größe hinaufführen soll.
Er hat uns geschaffen, damit wir werden wie Er – aber wir wollen kleine Wickelkinder bleiben, von unserem „lieben Gott” verhätschelt.
Wenn wir seiner Größe und Macht begegnen, ist sie für uns in unserem kleinen Ich schier unerträglich, sie droht uns hinwegzuspülen, wir ein Tsunami.
Es ist diese kompromisslose Allmacht, die in ihrer Forderung so überhaupt nicht dem entspricht, was wir gerne hätten, die keinerlei Rücksicht auf unsere persönlichen Bedürfnisse nimmt, die dann als verzehrendes Feuer oder Zorn erlebt wird.
Es ist die Tatsache, dass wir der Allliebe in keiner Weise entsprechen können, da wir nicht bereit sind, den Weg zu gehen, den Er in seiner Liebe für uns bereitet hat.
Wir erkennen im Angesicht seiner Größe unsere Abgewichenheit.

Nur wenn wir unsere kleinen Bedürfnisse loslassen können, wenn wir bereit sind, dem Ich nach in ein Nicht-sein einzutreten, wenn wir bereit sind, alles preiszugeben, was uns als Persönlichkeit ausmacht und in die innere Stille einzugehen, dann haben wir die Möglichkeit, in der Größe seiner Liebe aufzugehen, ohne darin zu verbrennen.
Dann kann sie uns zu den Höhen seiner Größe führen, so wie Er es für uns in seiner Liebe vorgesehen hat.

Foto: pixabay
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