Religionen

Der Spiegel des Bewusstseins

Auf der langen Reise zu einem verständlichen Kern des Menschseins kommt so langsam Ruhe in meine Unruhe. Die Unruhe zeigte sich als: von etwas getrieben sein, Sehnsucht nach Verständnis, Erkenntnis und Erleuchtung. Jan van Rijckenborgh nennt es das Erwachen des Geistfunkenatoms im Herzen.

Der Sinn des Menschseins ist die Erkenntnis und die Vergeistigung. Alles, was dem Menschen nicht bewusst ist, zeigt sich ihm als ein Gleichnis in Bild, Form und Erlebnis. Es ist immer mit der großen Frage beseelt: „Was will mir das Bild sagen, was will mir die Form sagen, was mein Erlebnis?”.

Das Leben ist der Spiegel des Bewusstseins. Da, wo alles bewusst vergeistigt ist, sind das Bild und das Erlebnis als Lernprogramm überflüssig, da sind sie reine Freude an der Betrachtung. Das Erwachen des Geistes im Menschen ist ein Prozess der Seele in einer materiellen Form.

Jede materielle Form unterliegt den Gesetzen von Werden, Blühen und Vergehen. Dieser Kreislauf wird uns immer wieder, Tag für Tag, Jahr für Jahr gezeigt. So erkennen wir den Jahresverlauf des Werdens, Blühens und Vergehens in den wiederkehrenden Erscheinungsbildern der Natur, bedingt durch die Sonne. Die Beobachtung zeigt, dass die Sonne im Sternzeichen Widder Impulskräfte in der Natur in Erscheinung treten lässt, im Stier in den Verwurzelungskräften der Natur wirkt, im Zwilling die Kommunikations- und Austauschkräfte belebt, im Löwen die Natur zur Blüte und im Skorpion zum Vergehen führt, bis sie neu erwacht. Es gibt den Kreislauf der 12 Wirkkräfte.

So ist es auch nur verständlich, dass der Mensch durch den Zeitpunkt seiner Geburt von bestimmten Kräften mehr programmiert ist als von anderen. Er befindet sich im Kreislauf des Lebens von Werden, Blühen und Vergehen, da er ein Teil dieser Natur ist. Auch wenn er sich von dem in ihm wirkenden Kräftespiel des Sonnensystems nicht trennen kann, kann er es doch durchleuchten und seinen Lerncharakter nutzen. Dann kann eine neue Dynamik des Kräftespiels einsetzen.

Die Erkenntnis befreit den Menschen von der emotionalen Einbindung in die Wirkkräfte. Er ist ihnen nicht mehr unbewusst ausgeliefert. Er wird durch die Erkenntnis seiner selbst reinen Herzens und findet so Seelenfrieden, denn die Erkenntnis führt in die Akzeptanz. Der Kampf gegen die Wirkkräfte wird überflüssig, weil er weiß, dass er keine Wahl hat. So ist der freie Wille nicht der Wille des Menschen, sondern der kosmische Wille, der frei ohne Widerstand durch den Menschen fließen kann. Nicht mein Wille, sondern sein Wille geschehe. Das Bewusstsein erneuert sich und wirkt an dem Geschehen mit.

Dieser Prozess der Erkenntnis hin zum Seelenfrieden durch Akzeptanz wird durch alle Religionen bildgeschichtlich dargestellt. Der Kern jeder Religion besagt das gleiche: es ist immer die Befreiung aus der Dunkelheit der Unwissenheit, hin zur wirklichen Bestimmung des Menschen als bewusstes Werkzeug der kosmischen Wirkkräfte.

Da der Mensch nur durch das Bild, die Form und das Erlebnis lernt, wurde der Befreiungsprozess hin zu seiner Bestimmung bildlich dargestellt und es entstanden die unterschiedlichen Religionen und Mythen. Der Kampf der Religionen um den wahren Glauben ist nur fehlende Erkenntnis, so wie jeder Kampf nur auf fehlendes Bewusstsein hin weist.

Foto: Hermann Achenbach
Kommentare

Ihr Kommentar