Selbsterfahrung

Der „Lehrplan” des Lebens

Durch meinen Beruf habe ich sehr viele Schulen kennen gelernt. Einmal besuchte ich eine Schule, die wegen ihres Konzepts, ihrer Methoden und natürlich wegen der besonders guten Leistungen der Schülerinnen und Schüler einen Preis bekam. Damals dachte ich, dass ich in meiner Schulzeit auch gerne in eine derartige Schule gegangen wäre. Eine Schule, die meine Interessen gefördert hätte, mir mehr entsprochen hätte.

Nun ist mir eingefallen, dass dies doch ein wunderbares Bild für die „Schule des Lebens” ist. Ist es nicht so, dass wir uns die „Schule,” in der wir lernen sollen, nicht aussuchen können? Dass es also keine „freie Schulwahl” gibt? Es gäbe wohl andere, schönere Schulen, mit interessanteren oder auch leichteren Lernangeboten, aber aus irgendeinem Grund werden wir in diese Schule nicht aufgenommen. Stattdessen finden wir uns in einer „Schule” wieder, die uns möglicherweise überhaupt nicht gefällt. Wir zweifeln, ob uns die „Lehrer” – unsere Mitmenschen – das beibringen können, was wir lernen möchten. Auch ist der Lehrplan ganz und gar nicht der, den man sich gewählt hätte. Die „Aufgaben,” die uns gestellt werden, verstehen wir entweder nicht oder sie kommen uns zu schwer oder zu unbedeutend vor.

Lange dachte ich, ich wüsste, was ich noch zu lernen hätte. Dann aber begriff ich, dass ich mir die Lektionen nicht aussuchen konnte, dass der „Unterrichtsstoff” ein anderer war, als ich erwartet hatte, und auch, dass es Lehrer gab, die ich nicht als solche erkannte.

Als ich dies begriff, verstand ich auch, weshalb ich mit dem, was ich bisher gemacht, erlebt und erfahren hatte, so unzufrieden war. Vielleicht versuchte ich, Aufgaben zu bewältigen, die gar nicht für mich vorgesehen waren, vielleicht wartete ich ja immer noch auf die Aufgaben, die ich scheinbar bewältigen sollte … Sie kamen nicht, dafür aber andere, die ich aber nicht als meine Aufgaben erkannte.

Ich begriff: So lange ich die „Schule”, in der ich lernen soll, den „Lehrplan”, der für mich geschrieben wurde und die Aufgaben, die für mich vorgesehen sind, nicht akzeptiere, werde ich immer unzufrieden bleiben.

Von wem stammt nun aber mein Lehrplan?

Ich musste erfahren, dass der „Lehrplan” zum größten Teil von meinen Vorgänger/Innen aus Vorinkarnationen geschrieben worden ist. Ich begreife aber auch, dass ich jeden Tag an meinem Lehrplan für die Zukunft schreiben kann.

Wie schreibe ich meinen Lehrplan für die Zukunft?

Durch mein Denken, Wollen, Fühlen und Handeln.

Eine Freundin schenkte mir eine Karte.

Darauf stand:

” Gib auf dich acht

Achte auf deine Gedanken,
denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte,
denn sie werden Handlung.
Achte auf deine Handlungen,
denn sie werden Gewohnheit.
Achte auf deine Gewohnheiten,
denn sie werden Charakter.
Achte auf deinen Charakter,
denn er wird dein Schicksal”.

Aus dem Talmud.

Gemälde: Ulla Schreiber, Detail
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