Religionen

Der Berg predigt

Die Texte in Matthäus 5 bis 7 sind vielen im Abendland, wenn auch nicht wörtlich, so doch in groben Zügen als Bergpredigt bekannt.

Darin wird ein Sein beschrieben, das unter den sich christlich nennenden Menschen als Zustand nicht beobachtbar ist.

Womit könnte dieses Phänomen zusammenhängen?

Ich meine, es geht bei diesen Texten gar nicht um einen predigenden Menschen namens Jesus, sondern um einen Berg, der predigt, um das Symbol einer sehr, sehr hohen Schwingung, die unserem biologischen Gehirnsystem „predigt”.

Diese Predigt empfangen der Hindu und der Buddhist symbolisch auf dem Berg Meru, Mose auf dem Berg Sinai, wo er die Gesetzestafeln erhält und Mohammed auf dem Berg Hira. Auch Zarathustra empfängt die Gesetzestafeln von Ahura Mazda auf einem Berggipfel.

Warum können wir nun das in der christlichen Bergpredigt beschriebene Sein nirgends beobachten?

Weil wir im Tal sind!

Der Berg „predigt” nur zu uns, wenn wir ihn besteigen und uns lange genug auf die dünne Luft und die starke ultraviolette Strahlung eingestellt haben, so dass wir ein wenig an die Sphäre dort oben angepasst sind und es möglich wird, etwas wahrzunehmen.

Wenn wir das können, erhalten wir ein Auge, um dort oben zu sehen. Es ist das Allsehende Auge im Symbol der Freimaurer, das Auge Shivas, das Auge, das aus dem gereinigten Herzen entstanden ist, das sich nach dem Geist gesehnt hat und nun seine Tiefe ergründet.

Der Aufstieg auf den Berg des Geistes ist beschwerlich und nur gut vorbereitete Bergsteiger mit gutem Schuhwerk und festem Glauben sollten ihn besteigen. Aber oben erwartet den Bergsteiger die Sicht in eine Welt, die er irgendwann in einer anderen Gestalt als der des Körpers des Tales betreten wird.

Ehe es so weit ist, wird er den Berg wieder hinuntersteigen müssen, wie es auch Petrus, Jakobus und Johannes tun mussten (Matthäus 17). Dann zerbrechen die Gesetzestafeln der reinen Geistordnung im Wechselgesang der Dualität wieder, so berichtet uns symbolisch die Bibel, und es werden sehr harte irdische Gesetze für das Tal entwickelt.

(Und die Tafeln waren Gottes Werk, und die Schrift war Gottes Schrift, darin eingegraben. Als nun Josua das Geschrei des Volkes hörte, das jauchzte, sprach er zu Mose: Es ist ein Kriegsgeschrei im Lager! Er aber antwortete: Man singt da weder von Sieg noch Niederlage, sondern ich höre einen Wechselgesang! Als er aber nahe zum Lager kam und das Kalb und den Reigen sah, entbrannte Moses Zorn, so dass er die Tafeln wegwarf und sie unten am Berg zerschmetterte. 2.Mose32:16-19)

Die zehn Kräfte/Gesetze des Berges, die die „12 Unreinheiten” vertreiben, so lehrt das Corpus Hermeticum, werden uns jedoch einst befähigen, der Sphäre des Berges Stand zu halten.

Wenn wir also innerlich, in dem Maße, wie es unser Körper zulässt, den Berg stets erneut besteigen, lernen wir den „Herrn” dieser geistigen Sphäre immer mehr kennen und können seinem geistigen Leitprinzip immer besser folgen, auch wenn das uns bewusstseinsmäßig im Tal erst nur innerlich möglich ist, denn im Tal zerbrechen die Gesetzestafeln des Geistes äußerlich immer wieder.

Das Predigen des Berges im Judentum, im Buddhismus, Christentum, Islam und in anderen Religionen ist daher kaum so ohne weiteres in einer Welt der Ausbeutung, Gewalt und der Machtkämpfe beobachtbar, sondern es sind immer die inneren, mentalen Haltungen der jüngeren Brüder auf den Inneren Wegen, die eine Substanz für ein Sein in einer ganz anderen Welt anreichern wollen.

Wenn einstmals ausreichend Menschen diesen inneren emotional/mentalen Haltungen nachfolgen, dann kann zeitweise auch äußerlich von der anderen Welt etwas sichtbar werden. Das sind die goldenen Zeitalter, von denen uns die Mythen berichten.

Foto: Montsegur, Südfrankreich von Hermann Achenbach
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