Selbsterfahrung

Das Netz

Vögel fliegen der Morgenröte entgegen. Sie können gar nicht schnell genug weg kommen. Mit kräftigen Flügelschlägen eilen sie davon, obwohl sie für diesen so ersehnten Moment nicht üben konnten. Ihre Muskulatur müsste eigentlich geschwächt sein, denn sie waren in einem Netz gefangen gewesen. Wer war das? Wie konnte das geschehen? Fragen, Fragen … Und keine Antwort? Grausames Schicksal, das sie urplötzlich ihrer Freiheit beraubt hatte?

Ist das nicht ein Bild für das, was wir so oft im Laufe unseres Lebens erleben?
Wir zappeln in der Enge eines Netzes. Irgend etwas oder jemand, oder wir selbst haben uns in diese Trost- und Hoffnungslosigkeit hineingebracht. Nun zappeln wir in der Verstrickung. Wir sehen nur noch die Knoten und die Querverbindungen. Das löst Panik und Fluchtgedanken aus. Das treibt uns an, zu kämpfen, obwohl die Aussichtslosigkeit, frei werden zu können, uns gleichzeitig lähmt und schwächt. Die Luft der Freiheit können wir zwar erahnen, aber die Stricke des Netzes sind so nahe an unserem Körper, dass sie uns alle Bewegungsmöglichkeit nehmen. Aber gibt es da nicht das Sprichwort: Freiheit verleiht Flügel?

„Und wenn es kommt
und wenn’s dich packt
und über dir zusammen bricht:
Streit und Neid und Hast und Last –
vergiss nie, dass du Flügel hast.”
Cäsar Fleischlen

Freiheit

Plötzlich hebt sich die Schwere des Netzes dem Licht entgegen. Ja, richtig, das LICHT! Warum hatten wir das vergessen und immer nur in Selbstmitleid in die Dunkelheit gestarrt? Doch nicht alle. Einige gaben den Glauben an die helfende Macht der Liebesstrahlung Gottes nicht auf. Sie ist immer um und in uns. Können wir uns ihr nicht im Loslassen des eigenen Wollens hingeben? Mit geöffnetem Herzen? Und siehe, Öffnungen werden sichtbar! Die engen Maschen sind auf einmal zerrissen!

Das ist die Chance! Nichts wie raus und in die Höhe! Unbeschwert atmen! Unglaublich, dieser weite, weite Blick! Ganz neue Perspektiven tun sich auf: Ich bin wieder an dem Platz, den Gott einst für mich erdacht hat. Wie schön ist es, in diesen Ursprungszustand zurückversetzt zu sein!
ICH BIN FREI

Foto: Ch. Achenbach
Kommentare

Ihr Kommentar