Wissenschaft

Das menschliche Herz – Ort der Begegnung von Wissenschaft und Religion

„Das Herz ist die Sonne des Mikrokosmos,
ein Ergebnis des Goldes, es nährt sich von ihm.
Wie die Sonne auf die Erde wirkt,
so wirkt das Herz auf den Leib.”

Paracelsus

Wir leben in einer Zeit, in der sich gnostisch-hermetisches Gedankengut, das die spirituelle Entwicklung in den letzten zwei Jahrtausenden stimuliert hat, zunehmend durch die moderne Naturwissenschaft – vor allem die Physik, aber auch die Medizin – bestätigt sieht. Die kosmische Uhr des Wassermann-Zeitalters eröffnet der Menschheit offensichtlich die Chance, den künstlich herbeigeführten Bruch zwischen Religion und Wissenschaft zu schließen und beide wieder in eine Synthese zu führen. Allen Menschen, die nach dem Sinn ihrer Existenz fragen, eröffnet sich dadurch eine neue Bewusstseinsdimension.

In sehr subtiler Weise können wir diese „Versöhnung” bei der Betrachtung der verschiedenen Aspekte des menschlichen Herzens wahrnehmen. Dieser „Ort” der Versöhnung ist bemerkenswert; denn ist es nicht eine „Herzensangelegenheit” der Menschheit, zu einer ganzheitlichen Sicht zurück zu kehren?

In den letzten zwei Jahrhunderten wurde von der materialistischen Wissenschaft das Herz als Motor, als rhythmischer Blutverteiler angesehen, der unsere physische Existenz und ihre Atmungs- und Stoffwechselfunktionen ermöglicht. Zeigten sich die „Dichtungen” (Herzklappen) oder die „Ölleitungen” (Kranzgefäße) dieser „Saug-Druck-Pumpe” als unzureichend, so wurden im technischen Zeitalter hochperfektionierte operative Ersatzteil-Operationen entwickelt oder das Organ wird schlicht ausgetauscht.

Spätestens als man bemerkte, dass Menschen nach schwerwiegenden Eingriffen am Herzen, insbesondere nach Transplantationen, deutliche Persönlichkeitsveränderungen erfuhren, sich selber und der Umgebung fremd oder auch schwermütig wurden, begann man, sich wieder auf die eigentliche zentrale Bedeutung des menschlichen Herzens zu besinnen.

Gibt nicht schon unsere Sprache Hinweise auf die enge Korrelation zwischen unserem Herzen und unserem Gemütszustand, unserer Seele? Freude lässt das „Herz im Leibe hüpfen”, in Zuneigung „verschenken wir unser Herz”, Trauer macht unser „Herz schwer”. Ein Mensch mit einem „weichen Herzen” ist mitfühlend, hingegen deutet ein „verhärtetes Herz” auf Lieblosigkeit und mangelnde Seelenwärme hin.

1996 brachten die Forschungsergebnisse von Paul Pearsell aus den USA unter dem Begriff Cardioenergetik völlig neue Perspektiven in die Bedeutungsskala des menschlichen Herzens. Das Herz, so weiß man heute durch diese Forschungen, ist der größte Produzent elektromagnetischer Energie im Körper. Unser Herz reagiert unmittelbar, das heißt autonom auf elektromagnetische Impulse aus dem Umfeld, nicht nur auf Befehl des Gehirns, sondern auch ohne dessen Wissen. Es konnte eine „subtile Energie” nachgewiesen werden, die nur vom menschlichen Herzen aufgenommen, weiter geleitet und abgestrahlt wird. Da das Herz der Energieleiter für die Körperzellen ist, können durch diese Energien merkliche Veränderungen in den Körperzellen herbei geführt werden, die man als „info-energetisches Zellgedächtnis” beschrieben hat.

Diese nur im Herzen messbare Energie wurde von den Forschern fragend in den Zusammenhang mit einer kosmisch wirksamen Kraft gestellt, dem „Prana”. Unser Herz stellt sich danach als Universalempfänger kosmischer Energien dar.

Ferner ist das Herz – wie die Forscher weiter feststellen – die wichtigste ordnende und rhythmisch wirksame Kraftstation in unserem Lebenssystem. Es benutzt seine Informationsenergie, um sich mit dem Gehirn zu verbinden. Es koordiniert seine Aktivitäten mit dem Gehirn, lässt sich aber von diesem keine Vorschriften machen.

Das Herz schwingt, denn es enthält informationstragende Energie und so „spricht” es zu unserem Bewusstsein und sendet seine Botschaften zur Umwelt aus. Es hat eine besondere Muskelarchitektur, damit der Grundton der Schwingung nicht verzerrt wird. Die Herzmuskelzellen greifen netzartig ineinander, halten sich umfangen und sind durch keine feinen Bindegewebsmembranen voneinander getrennt. Wir können lernen, diesen speziellen Herzcode zu entschlüsseln, wenn wir unser Gehirn zum Schweigen bringen, in die innere Ruhe einkehren und zu verstehen versuchen, was das Herz uns zu sagen hat, welche Erinnerungen aus den unbewussten Tiefen des Zellgedächtnisses also ans Tageslicht kommen wollen. Das Herz hat seine eigene Weisheit, die sich von dem Wissen des rationalen Verstandes unterscheidet.

Diese Erkenntnisse der modernen Cardioenergetik decken sich mit der Schau Rudolf Steiners, der vom Herzen als von einem „inneren geistigen Sinnesorgan” spricht. Auch Schriftsteller wie Saint-Exupéry vermitteln eine solche Sicht mit den Worten: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.” Wundert es dann noch, wenn nach einer Herztransplantation der Träger den fremden Herzcode mit seinem eigenen „info-energetischen Zellgedächtnis” nicht in Einklang bringen kann und sich selbst fremd wird?

Der Astronom und Hermetiker Johannes Kepler (1571-1630) spricht von der Sonne als der Trägerin des Geistfeuers. Die Sonne korrespondiert unmittelbar mit dem Herzen über die Vermittlung des Sonnenmetalls Gold. „Wie die Sonne auf die Erde wirkt, so wirkt das Herz auf den Leib”, so drückt Paracelsus diese hermetische Analogie aus. Das Herz ist der mächtigste und subtilste Botschafter des reinen geistigen Seins. Dieses vibriert in der Tiefe des Herzens – im Mittelpunkt unseres Mikrokosmos – als göttlicher Lichtfunke und ist zugleich allgegenwärtig um uns. So ist das Herz ein pulsierendes Wunder aus Licht und Energie. Es ist die Nahtstelle, an der sich das Göttlich-Geistige mit dem Menschlich-Irdischen verbinden und versöhnen will. Daraus kann und soll die Sohnschaft entstehen.

Zwischen dem Moment des Aufnehmens des Blutes aus dem Körper und dem des erneuten Auswerfens in den Körper gibt es im Herzen eine kleine Zeit des erfüllten und angespannten stillen Wartens, eine „wundersame” Ruhe. In dieser Stille, in der sich alle Informationswellen im Herzen versammeln, „pocht” auch das allgegenwärtige geistige Licht, die kosmische Weltseele an die Pforte unseres Herzens, um den innewohnenden Geistfunken, die „Rose des Herzens”, wie die Rosenkreuzer sagen, zu berühren.

Aus der Alchemie, die symbolhaft den spirituellen Transmutationsprozess aufzeigt, wissen wir, dass das „Gold” – das Geistfeuer – die niedrigen Metalle zur Vervollkommnung tingiert (berührt). Das Herz, die „Sonne” unseres Mikrokosmos, vermittelt die geistige Berührung dem Verstandesbewusstsein, also dem Gehirnsystem, und ferner dem „info-energetischen Zellgedächtnis” des gesamten Körpers. So kann, vom Herzen ausgehend, ein Transformationsprozess beginnen, der uns zum spirituellen Erwachen und damit in eine neue Bewusstseinsspirale führt.

So bestätigt sich das uralte gnostische Gesetz bis in die anatomisch-physiologische Ebene hinein: „Willst du das Gold des Geistes finden, so musst du mit dem Gold (des Herzens) beginnen.”

Der Schlüssel zur wahren Weisheit ist das „Denken mit dem Herzen.”

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