Bild: Das Lied von Bernadette
19. Januar 2021 von Cornelia Vierkant

Das Lied von Bernadette

Diesen gleichnamigen Roman schrieb Franz Werfel. Der Schriftsteller lebte von 1890 bis 1945. Er teilt uns mit:

„Schon in den Tagen, in denen ich meine ersten Verse schrieb, hatte ich mir geschworen, immer und überall durch meine Schriften das göttliche Geheimnis und das menschlich Heilige zu verherrlichen – des Zeitalters ungeachtet – auch wenn es sich mit Gleichgültigkeit von den letzten Werten des Lebens abkehrt.“

Und so geschieht es, durch äußere Lebensumstände begünstigt, dass sein umfangreicher Roman über die kleine Bernadette entsteht. Er nennt seine Geschichte „Das Lied von Bernadett“.

Wie stellen sich die äußeren Umstände dar, die zu diesem umfangreichen Roman, der in einer Taschenbuchausgabe immerhin sechshundert Seiten zählt? Eine Erstausgabe erscheint bereits 1941 in Stockholm, und es folgt eine Verfilmung in den USA im Jahr1943.

Schauen wir uns zunächst etwas vom Leben des Schriftstellers Franz Werfels an:

Franz Werfel wurde 1890 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Prag geboren. Ab 1912 ist er als Lektor in Leipzig beim Kurt Wolff Verlag tätig. Im ersten Weltkrieg leistet er Kriegsdienst und lebt danach weiterhin in Deutschland. 1938 emigriert nach Frankreich,um weiterer Verfolgung zu entgehen. Zwei Jahre später gelingt ihm über die Iberische Halbinsel die Überfahrt in die USA, wo er 1945 in Beverly Hills stirbt.

Wie kommt es zu der Begegnung mit der Geschichte Bernadetts?

Auf der Flucht durch Frankreich, die für ihn und seine Frau oft mit Hunger verbunden war, führt ihn der Weg auch in die Stadt Lourdes, von dessen Wundergeschichte er bis dahin nur oberflächlich gehört hatte.

Da er sich aber in dieser kleinen Pyrenäenstadt mit seiner Frau für mehrere Wochen verbarg, lernt er immer mehr von der Geschichte des Bauernmädchens Bernadette Soubirous sowie den wundersamen Heilungen von Lourdes kennen. Und er legt in der Zeit dieser inneren und äußeren Bedrängnis ein Gelübde ab, das lautet:

„Werde ich herausgeführt aus dieser verzweifelten Lage und darf die rettende Küste Amerikas erreichen, – so gelobe ich-, dann will ich als Erstes vor jeder anderen Arbeit „Das Lied von Bernadette“ singen, so gut ich kann.“

In Lourdes auszuharren, war das eine; denn in der Grenzstadt Hendaye, die von deutschen Truppen besetzt war, wurden ihm lange die nötigen Visa verweigert. Andererseits begann der Dichter damit, sich mit der Geschichte der Bernadette wahrheitsgetreu auseinander zu setzen und beginnt, darüber zu schreiben.

Was ist von Bernadette Soubrious bekannt?

Bernadette Soubrious wurde am 7.1.1844 in Luordes geboren und starb am 16.4.1879.

Mit ihrer Familie lebte sie in großer Armut, war kränklich und hatte aufgrund ihres Gesundheitszustandes auch Mühe, dem Unterricht in der Schule zu folgen.

Eines Nachmittags, Bernadette war gerade 14 Jahre alt, ist sie mit ihrer Schwester zum Holz holen unterwegs. An einer Art Grotte erscheint dem Mädchen plötzlich eine weiß gekleidete Dame, die sie mit einem warmen Lächeln begrüßt und sie sanft auffordert, im Februar elfmal zur selben Stelle zu kommen.

Bernadette folgt dieser Bitte.

Im Ort ist man von diesem Ereignis, das sich schnell herum spricht, überwiegend sehr angetan. Doch die Stadtväter hegen einen besonderen Zweifel an diesem Geschehen, das Unruhe verbreitet. Mehr und mehr schließen sich die Menschen im Ort Bernadette an, wenn sie zur Grotte geht.

Der örtliche Pfarrer bittet sie eines Tages, die Dame zu fragen, welchen Namen sie trägt. Bernadette teilt dem Pfarrer mit, die Dame hätte gesagt, ihr Name sei „die unbefleckte Empfängnis“. Eine Bezeichnung mit der die Heranwachsende eigentlich nichts anzufangen weiß.

Die Dame, die Bernadette jedoch als etwas Heiliges empfindet, gibt dem Pfarrer ihrerseits den Auftrag, er möge eine Kapelle bauen lassen, was später auch geschieht.

Eines Tages bittet die weißgekleidete Dame Bernadette, sich in einer Quelle zu waschen. Verzweifelt sucht das Mädchen in der Nähe nach einer Quelle. Schließlich gräbt sie in Verzweiflung mit den Händen die Erde auf, aus der dann plötzlich Wasser zu quellen beginnt. Und es sprudelt eine Quelle.

Diese Quelle wird später die wunderspendende Heilquelle, zu der Gläubige aus nah und fern kommen, um durch die Heilkraft der Quelle zu genesen.

Bernadette selbst weiß, dass die genesungsbringende Quelle nicht für sie ist. Und die weißgekleidete Dame teilt ihr eines Tages mit:

„ Ich verspreche nicht, dich in diesem Leben glücklich zu machen, aber im anderen.“

Bereits am 4.3.1858 finden sich vor der Grotte 7000 – 8000 Menschen ein, wenn Bernadette dort hingeht.

Die Begegnungen Bernadetts mit der weißgekleideten Dame finden vor allem in der Zeit von Februar bis Juli 1858 statt.

Nach dieser Zeit scheint die Mission, der weißgekleideten Dame überwiegend beendet zu sein. Bernadette bleibt allerdings wie verwaist zurück und alles ist ihr bitter, außer es käme wieder zu einer Begegnung mit der liebevollen Erscheinung.

Ihr Asthma nimmt zu und bald wird sie, auch aufgrund der bedeutungsschweren Ereignisse in Lourdes ins nahe gelegene Kloster Nerves überstellt, wo sie am 16. April 1879 im Alter von 35 Jahren an Knochenkrebs stirbt. Solange sie lebte, sucht Bernadette allerdings die Verbindung mit der heilbringenden Dame.

Rückblickend ist bekannt, dass viele Menschen aus der Quelle von Lourdes Genesung fanden.

Abschließend noch eine Anmerkung, die Franz Werfel zu seinem Roman im Oktober 1942 schrieb:

Franz Werfel wurde gefragt, wie er als moderner Schriftsteller dazu kommt, über eine kleine Heilige aus den Pyrenäen zu schreiben und über die Folge von Erscheinungen, Wundern, Leiden, Verfolgung, Kämpfen des Glaubens und Zweifelns, die die Welt in Atem gehalten und den Ruhm der Stadt Lourdes begründet haben?

Die Antwort lautet:

„Mein Buch ist ein erfülltes Gelübde.“

Für ihn ist das Buch ein jubelnder Hymnus auf den geistigen Sinn der Welt. An einem einfachen Beispiel wird gezeigt, wie selbst mitten in unserem skeptischen Zeitalter die göttlichen Kräfte wirken und in ein unwissendes, aber geniales Geschöpf hoch über das gewöhnliche Maß hinausheben. Obwohl in der Geschichte derzeit auch Konfessionelles mitspielte, bleibt sie nicht daran gebunden, sondern geht gleichermaßen alle Menschen an, deren Herz offen ist für den Anhauch der göttlichen Kräfte in der Wirklichkeit des Lebens.

Der Roman erschien im Insel Verlag Berlin 2016 auch Suhrkamp Taschenbuch Verlag; ISBN 978-458-36128-2

Foto:  Lourdes Sanctuaire

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Alle Felder sind erforderlich.