Selbsterfahrung

Das Erleben der Liebe

Wie war es noch einmal? Wie hatte ich es erlebt? Ich bin die Mutter, ich muss dieses und jenes noch erledigen, das Kind muss gut erzogen sein, es wächst doch ohne Vater auf; ich muss mich anstrengen, alles unter den Hut kriegen, das Kind waschen, füttern, Pampers wechseln … Hin und her, dies und das, ach ja, die Nase läuft schon wieder; irgendwie schaffe ich es nicht! Die Gefühle und Gedanken spielen ihr Spiel mit mir, ich komme nicht zur Ruhe. Bin ich eine gute Mutter oder eine schlechte? Keiner sagt es mir, ich fühle mich allein … und trotzdem muss es irgendwie weiter gehen. Ein neuer Morgen bricht an, das Kind ist wach, Gott sei Dank hat es gute Laune, es gurgelt in seinem Bettchen vor sich hin … Aber ich? Wie geht es mir? Das Rad dreht sich, krampfhafte Gedanken, deprimierende Gefühle, ein Berg von Aufgaben …und keine Ende. So geht es von morgens bis abends und immer weiter.

Was ist los mit mir? Wo bin ich? Wie finde ich die Kraft, mich selbst und meinen Schützling zu vorsorgen, so dass es ihm gut geht? Sorgen und Kümmernisse überschwemmen mich. Ich spüre, dass ich etwas Wichtiges und Notwendiges nicht tue, etwas, das ich noch nicht erfassen kann. Aber ich fühle den Mangel, empfinde Leere, ein Nichts. Wie kann der Vater nur so lange abwesend sein! Er sollte doch sein Kind lieben, so wie ich es liebe! Und so weiter … und so fort…

Aber plötzlich kam der Augenblick! Die Erwartungen verflogen, die Projektionen lösten sich auf, und mit ihnen die Schuldgefühle und Sorgen. Ich brauche doch nur mein Kind zu lieben! Ich kann mich der Liebe doch hingeben! Ich kann sie mit dem Kind teilen, kann geben und empfangen, empfangen und geben! Es ist ja ein wunderbares Geschehen – lieben zu dürfen!

Wir liegen beide im Spielzelt…ich habe ihn zum Einschlafen gebracht, er schläft sorglos und sieht so süß aus…eine Welle tiefer Liebe durchflutet mein Herz und erfüllt mich so, dass ich still, unbeweglich und unendlich glücklich bin. Mein Herz ist voller Wärme und mein Wesen ruhig. Alles ist unwichtig. Ich liebe, ich liebe mein Kind und diese Liebe ist so reich und unteilbar.

Etwas Magisches ist in unser Leben eingezogen. Natürlich muss ich meine Aufgaben wahrnehmen. Aber ich finde Zeit und Raum, in dem ich meine Liebe zum Kind nicht nur denken und fühlen kann, sondern auch erleben darf.

Detail eines Gemäldes von Bettina Runge
Kommentare

Ihr Kommentar