Bild: Bruder Sonne, Schwester Mond
27. September 2022 von Aurora Jahn

Bruder Sonne, Schwester Mond

Ich hatte ein Video, das unter dem obigen Titel, das Leben von Franz von Assisi zeigt. Aber heute Morgen habe ich es nicht wieder-gefunden. Also greife ich auf ein Buch zurück, das von einem Griechen geschrieben wurde und „Mein Franz von Assisi“ heißt. Bruder Sonne ist Franz von Assisi und Schwester Mond ist Clara.
In dem Buch tritt der Grundkonflikt zwischen der unbändigen Kraft des Lebens und der Frage nach Sinn und letzter Wahrheit dieses Lebens auf.
Wir alle kennen die Geschichte von Franz von Assisi, den sich selbst gegenüber rücksichtsloser und Grenzen überschreitender Gottsucher.
Er war ein Mann, der von zärtlicher Liebe zu den Menschen und Mitgeschöpfen erfüllt war. Und er war eine Ausnahmeerscheinung, die auch heute noch den Menschen ein Beispiel geben kann, wie menschlich zu leben wäre.
Er nannte seinen Körper, Bruder Esel und er lebte Armut, denn er erkannte die scheinheiligen Werte allen stofflichen Erscheinungen.
Ein gutes Beispiel für die stoffliche Welt ist das heutige Assisi, das ein gewaltiges Gebäude aufweist.
Wie es in dem verschollenen Video gezeigt wird, irrt Franz in den Straßen von Assisi umher und sieht eines Tages San Damiano, das ruinenhafte Gebäude einer früheren Kirche. 1206 baut er die Anlage mit eigenen Händen wieder auf. Es dient später zu Zusammenkünften, an denen Franz zu den Menschen sprechen wird und es bleibt für ihn immer wieder ein Rückzugsort, an dem er auch den bekannten Sonnengesang schreibt.
Schwester Mond war Clara, ebenfalls aus Assisi, dem sich Franz als einzigem weiblichen Wesen gegenüber öffnet. Clara gründete 1212 den Klarissenorden. Bis 1257 bleiben die Klarissinnen in San Damiano.
Im Nachklang ist es immer die Wesenheit von Franz von Assisi, die uns innerlich ansprechen und anregen kann.
Zum Abschluss dieser Mitteilung wird der Sonnengesang von Franz von Assisi zitiert:

Der Sonnengesang
Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen,
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:
Von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne:
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.
Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft
und Wolken
und heiteres und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen
Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und
kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest:
und schön ist es und fröhlich und
kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.
Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal,
selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben,
Selig jene, die er findet in deinem heiligen Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herren
und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.

Bild von Mona El Falaky auf Pixabay

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