Selbsterfahrung

Behüte mich vor meinen Wünschen

Zwei kleine Gegenstände liegen vor mir auf dem Tisch. Ein schwarzer Bleistift mit der Inschrift: „Protect me from what I want” und ein kleiner Zettel mit einem Buchtitel: „Wünsch es dir einfach” Mir scheint, als würde darin der gesamte Unterschied zwischen dem, was ich jetzt noch bin und dem, was einmal aus mir werden könnte, sichtbar.

Neugierig geworden, schaute ich im Internet nach Informationen zu diesem Buch. Ich schwankte: Soll ich es mir kaufen? Es gab gebrauchte Ausgaben für wenige Euros – nur so aus Spaß? Ich las im Inhaltsverzeichnis und mein Verlangen, das Buch zu kaufen und zu lesen wurde immer stärker. Wäre das nichts? Da bekomme ich Ratschläge, wie ich alles, was ich mir wünsche, bekommen kann. Ich bekomme sogar Ratschläge, was passiert, wenn zwei Menschen sich das gleiche wünschen und Warnungen vor Wünschen, die einen anderen schädigen. Das klingt doch gut – oder nicht?

Vor einiger Zeit habe ich einen sehnlichen Wunsch erfüllt bekommen. Schon lange stand er klar vor meinen Augen, in allen Details war ich mir sicher, was ich wollte. Und dann kam der Tag, an dem dieser Wunsch in Erfüllung ging. Ein Traum ging in Erfüllung. Genau das hatte ich mir gewünscht – meine Vision wurde zum Leben erweckt.

Ich schaute meinem erfüllten Wunsch immerzu ins Auge. Ich bewegte mich in seinem Tempo, schaute in seine Richtung. So lange ich den erfüllten Wunsch nur von vorne sah, waren keine Mängel, keine Einschränkung sichtbar.

Dann geschah es aber, dass ich mich nicht mit bewegte, und dann bemerkte ich es: auf dem Rücken trug er einen großen „Rucksack” und ich konnte hineinschauen. Und nun sah ich das, was ich zuvor nicht gesehen hatte. Ich sah all das, was auch zu diesem Wunsch gehört. Und ich erkannte das Kräftespiel, den „Wunscherfüller”.
Sieht es denn zunächst nicht oft so aus: man wünscht sich die Liebe ohne Abhängigkeit, gutes Essen, ohne dabei zuzunehmen, einen großen Freundeskreis, der einen aber nicht in Anspruch nimmt, wenn es nicht zu passen scheint, ein großes Haus, das aber keine Arbeit macht, einen Hund, den man nicht spazieren führen muss und und und …

Und ich erkannte die Richtigkeit des Satzes, der auf einem Bleistift geschrieben stand: Behüte mich vor meinen Wünschen – protect me from what I want. Ich frage mich, welche Instanz es ist, die mich vor meinen Wünschen schützen kann. Ich selbst kann es nicht sein, denn ich bin ja die, die sich etwas wünscht.

Und dann erinnere ich mich an einen Satz: Ich – es ist die göttliche Stimme, die in mir spricht – bin überall da, wo du – und damit wird unser Ich angesprochen – nicht bist. Offenbar ist es diese Stimme, die mich leise warnt: Hüte dich vor deinen Wünschen!

Foto: Christel Achenbach
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