Alchemie

Aufbrechen und Abbrechen als Bedingung für Neues

Der Bauer bricht die Erde auf, um Samen in sie hineinzulegen.
Knospen brechen auf und künden den Frühling an.
Der Same gedeiht nur in einer jungfräulichen Erde,
wächst zu einer Pflanze heran, blüht und trägt Früchte.
Wenn er auf nackten Stein fällt, geht er nicht auf.
Fällt er unter die Dornen, geht er zwar auf,
stirbt aber wieder, weil er kein Licht bekommt.

Wenn die Erde aufbricht und ein Vulkan Lava ausstößt, kann es eine Katastrophe sein. Doch die vulkanische Erde ist fruchtbar.

Eine Beziehung zerbricht und beendet eventuell lange Qualen. Eine neue Beziehung bietet neue Chancen.

In einer alten Beziehung können wir zu einer tieferen Ebene des Verstehens durchbrechen. Dann bricht der Zauber des Neuen in das Alte ein und verwandelt es.

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Der Tod kommt, weil der Körper alt, krank oder ausgelaugt ist. Er eröffnet dem Kern der Seele die Chance für einen neuen Beginn unter neuen Umständen.

In dem Märchen Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich heißt es: „Heinrich, der Wagen bricht.” – „Nein, Herr, der Wagen nicht, es ist ein Band von meinem Herzen, das da lag in großen Schmerzen, als ihr in dem Brunnen saßt, als ihr eine Fretsche (Frosch) wart.”
Noch einmal und noch einmal krachte es auf dem Wege, und der Königssohn meinte immer, der Wagen bräche, und es waren doch nur die Bande, die vom Herzen des treuen Heinrich absprangen, weil sein Herr erlöst und glücklich war.

Ein Bruch im Leben, in der Biographie, ist mitunter notwendig, damit wieder Fahrt ins Leben kommen kann. Wenn es nicht mehr so weiter geht wie bisher, ist Mut erforderlich, um etwas Neues zu wagen.

Ein Gebrechen deutet darauf hin, dass im Leben etwas nicht mehr im Einklang mit einer gesunden Entwicklung ist.

Eine eitrige Wunde bricht auf, wenn Fremdstoffe im Körper von Bakterien angegriffen werden und der Körper sich von beiden entledigen möchte.

Ein Erbrechen findet statt, wenn der Körper sich dessen, was zu viel ist oder nicht zu ihm gehört, entledigt.

Das Erz wird aus dem Schoß der Erde herausgebrochen. Das Feuer erhitzt das Erz, so dass das reine Metall sich von der Schlacke trennen kann. Das Feuer ist für die Geburt des reinen Metalls notwendig.

Ein Verbrechen ist die falsche Veränderung im Leben.

In allen Bereichen des Lebens kann ein Umbruch stattfinden. Der Bauer bricht eine Wiese mit dem Pflug um, wenn sie kein gutes Gras mehr liefert oder wenn er sie als Acker für Getreide oder Gemüse nutzen möchte.

Dir bricht kein Zacken aus der Krone, wenn du zugibst, dass du falsch gehandelt hast. Im Gegenteil, es ehrt dich, wenn du deinen Fehler eingestehst.

Mancher hält die Realität nicht mehr aus, wie sie ist. Er bricht mit ihr und sucht die höhere Dimension.

Etwas bricht aus mir heraus, wenn ich Neues erkannt habe und ich es anderen freudig mitteilen möchte.

Das Küken im Ei bricht durch die Schale hindurch; so geschieht es, wenn neues Seelenpotenzial erwacht und genutzt wird.

Der große Bruch mit dem Bisherigen kann eine totale Umwendung bedeuten. Neue Perspektiven und Horizonte eröffnen sich, eventuell auch andere Welten. Die Verbindung mit neuen Kräften kann eine Transformation bewirken, einen Kontakt zu neuen Himmeln, Erden und Kräftesystem herstellen, vielleicht sogar zum Göttlichen innen und außen.

Das sind meine Wünsche für das Jahr 2012. Für die, die es angeht.

Foto: Hermann Achenbach
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