7. Januar 2020 von Frank Saß

Sri Aurobindos „Savitri“

Die neue im DRP Rosenkreuz Verlag erschienene Broschüre Sri Aurobindos „Savitri“ – Eine Einführung von Georg Stollenwerk, hat mich dazu motiviert, das Buch einmal wieder in die Hand zu nehmen. „Savitri“ steht bei mir seit 1978 im Bücherschrank und ich habe seither eine große Hochachtung vor dem Werk und vor Sri Aurobindo. Damals konnte ich das Buch aber nicht wirklich lesen, es hat meine Auffassungsgabe überstiegen. Mir waren nur einige großartige Formulierungen im Gedächtnis geblieben.
„Savitri“ ist ein Gedichtsepos von ca. 24 000 Versen und nicht so einfach runter zu lesen, wie ein Roman. Das Lesen erfordert eher eine Art Meditation, man muss sich intensiv darauf konzentrieren, sich in den Sprachstil, den Satzbau einschwingen und wird kaum mehr als ein bis zwei Seiten am Stück lesen können. Doch dann versetzt es einen auf eine andere Bewusstseinsebene, ein großartiges Werk.
Ich möchte nachfolgend ein paar Verse anfügen, um einen Eindruck zu erwecken und vielleicht Appetit zu machen auf mehr. Die Zitate stammen aus dem Ersten Buch, Das Buch von den Anfängen, Dritter Gesang, Der Yoga des Königs: Der Yoga der Befreiung der Seele.

Ein Seher erwuchs, ein leuchtender Gast der Zeit.
Für ihn wich oben des Geistes Fimament,
an der Greifenfront des Tages und der Nacht
entstand im Gewölb das alles verbirgt ein Spalt;
des Wesens bewusste Enden rollten zurück:
die Grenzen kleiner Persönlichkeit versanken,
überschritten war diese Welt der starren Form:
aufs Fremde öffneten sich des Lebens Marken.
Begriffs Vereinbarungen wurden getilgt
und, streichend der Unterwerfung Klausel,
gekündigt der Seele Bund mit Naturunwissen.
Die grauen Hemmnisse wurden hinweggefegt,
zerbrochen Verstandes glänzende harte Schale;
ungeteilte Wahrheit fand mächtigen Raum;
höchste himmlische Schauung sah und wusste;
gebundener Geist ward ungebundenes Licht,
das endliche Selbst ward eins mit Unendlichkeit.
Empor zu Adlerflug schwang nun sich sein Gang.
Aus harter Lehrzeit in der Unwissenswerkstatt
Erhob ihn Weisheit in ihr Meistergewerbe
und machte ihn zum Erzsteinmetzen der Seele,
zum Bildner an des Ewigen heimlichen Haus,
zum Strebenden nach der höchsten Zeitlosigkeit:
Freiheit und Herrschaft riefen von oben ihn.

Wie er so wuchs in sein weiteres Selbst,
beschränkte menschliches immer weniger seine Bahn,
ein größeres Wesen sah nun größere Welt.
Ein furchtloser Wissenswille wagte zu tilgen
vernunftgesetzte Sicherheiten die hindern den Geistflug,
der Seele Sprung ins Unendliche.

So ward seine Seele frei von Unwissenheit
in erster spirtlicher Wandlung von Geist und Leib.
Von oben floss weite Gotterkenntnis hernieder,
von innen wuchs neue Welterkenntnis heran:
sein täglich Denken sah auf zum Wahren und Einen
üblichstes Tun entströmte innerem Licht.

Savitri – Eine Sage und ein Gleichnis ist herausgegeben vom Sri Aurobindo Ashram

 

Foto: Wikipedia

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