Vortrag

Paracelsus` Antwort auf die Not der Seele

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Vortrag von Hanni Studer, Bern

Symposium: Paracelsus – Vom Sichtbaren zum Unsichtbaren

Wenn wir davon ausgehen, dass die Seele in Not ist, können wir uns fragen, weshalb dies so ist. Stellen wir uns vor Augen, dass die Seele eine Schlüsselstellung einnimmt. Sie hat im Menschen, wenn wir ihn als dreifaches Wesen von Geist, Seele und Körper betrachten, eine vermittelnde Stellung. Sie kann sich an der sichtbaren Materie oder aber am Geist orientieren. Ja, von der Orientierung der Seele hängt alles ab.

Wir können uns selber fragen: sind wir vor allem materiell ausgerichtet? Oder drängt es uns, den Geist zu suchen? Oder sind Geist, Seele und Körper in uns bereits zu einer Einheit geworden?

Wenn Paracelsus sagt „Anders bin ich – lasst euch das nicht seltsam sein”, so fühlt er sich „anders”, weil er vom ursprünglichen Geist ausgeht, also wahrhaft erleuchtet ist . Und er versucht, den geistigen – der Welt oft noch verborgenen – göttlichen Plan offen zu legen, damit die Menschen ihn begreifen und auf ihn reagieren können.

„Ich habe für gut angesehen, nicht allein den natürlichen Menschen zu beschreiben, sondern auch noch viel mehr den ewigen Menschen, den himmlischen in der neuen Geburt, damit der alte Mensch sehe und merke, w a s der Mensch sei, und lerne, sich nach demselbigen zu richten…”

Das Leben – ist es nicht eine Schule, in der wir Erfahrungen sammeln, und lernen, uns nach dem zu richten, was der Mensch seinem wahren Wesen nach ist? Deshalb ermutigt Paracelsus : „Lerne, lerne, frag und frage – und schäme dich nicht!”

Und so fragen wir noch einmal nach der Seele: Weshalb kommt sie in Not – oder weshalb ist sie in Not?

Grob gesagt, gibt es zwei verschiedene Gründe: einer kommt mehr von aussen, der andere von innen. Von innen: dies werden wir noch versuchen, mit Paracelsus‘ Worten aufzuschlüsseln. Von aussen: wir können es andeuten als kosmische Einflüsse, die uns aus unserem Sonnensystem und aus dem Universum insgesamt erreichen.

Sie beide drängen die Seele, sich zu verändern, sich zu entwickeln, letztendlich: sich zu verwandeln. Niemand kann den Energieströmen der aktuellen atmosphärischen Revolution entgehen. Die Seele ist direkt davon betroffen. Solange sich der Mensch vor allem auf die Materie abstützt oder in virtuelle Welten flüchtet, entstehen Krisen; im einzelnen und in der ganzen Welt entwickeln sich enorme Spannungen.

Weshalb? Paracelsus drückt es in De morbis invisibilis ungeschminkt so aus:
„Wir sind von Christus abgefallen und laufen den Körpern nach.”

Das führt zu Krankheiten, die in gewissem Sinne als Korrekturversuch auftreten. Sie können sich verlagern: Wenn beispielsweise Epidemien in der physischen Körperlichkeit erfolgreich bezwungen sind, aber deren wirkliche Ursache, nämlich das Missachten des geistigen Planes, nicht aufgelöst ist, nehmen im selben Verhältnis seelische Epidemien zu.

Deshalb rät Paracelsus, den Meister der Werke zu ergründen, damit er der Seele auch sichtbar wird. Wie? Wir zitieren:

„In den ewigen Dingen macht der Glaube alle Werke sichtbar. In den leiblichen, unsichtbaren Dingen macht diese sichtbar das Licht der Natur. Für die Vernunft, die aus dem Menschen der Erde kommt, sind die ewigen Dinge unergründlich. Sie kann die Kräfte des Glaubens nicht ergründen. Deshalb müssen sie auf CHRISTUS IN UNS gegründet werden.”

Mit „Glaube” ist hier ein geistiges Potential gemeint, das offenbar werden soll. Und Christus ist als kosmische Strahlung zu verstehen, die zugleich als Funke im Menschen verborgen liegt. Christus ist also der Angelpunkt, an dem die kosmischen und die individuellen Dinge aufeinander treffen, ein göttliches Energiepotential, das es freizulegen gilt.

Deshalb tragen wir ein Verlangen in uns, die Geheimnisse des Lebens begreifen zu können. In unserer Zeit der Bewusstseinsseelen-Entwicklung werden wir als Persön-lichkeitswesen dazu gedrängt, uns dessen, was wir tun – und damit unserer selbst – bewusst zu werden. In diesem oft grossen Ringen stösst die Seele an Grenzen, wird mit unzähligen Mängeln konfrontiert, mit unbeglichenen Rechnungen aus der Vergangenheit und mit der Tatsache, dass sie keinen stabilen Boden mehr unter ihren Füssen hat. Ihre Not scheint täglich zuzunehmen.

Kann nun Paracelsus tatsächlich Antwort auf diese Not geben? Gültig auch für die heutige Zeit, im 21. Jahrhundert? Ja, tatsächlich, so meinen wir. Seine Art, die Ursachen von Krankheiten zu ergründen, führt die Seele unmittelbar über das Sichtbare zum Verborgenen, führt sie zur Einsicht, lässt sie den tiefen Sinn der Lebensschule schauen, zeigt ihr Zusammenhänge auf – kurz: Paracelsus hilft ihr, bewusst und autonom zu werden.

Mit seinen Abhandlungen beabsichtigt Paracelsus, den hinter den äusserlichen Erscheinungen liegenden Plan offen zu legen, das Verborgene bekannt zu machen. Er geht dabei methodisch-didaktisch vor.

Paracelsus hat deshalb zu den verschiedenen Erscheinungen von Krankheit eine
sehr positive Haltung. Er betrachtet sie als Mittel zur Erkenntnis. Krankheiten können uns das Heilmittel, das in uns selbst anwesend ist, schauen und ersehnen lernen. In diesem Sinne können sie auch positive Perspektiven, auch Zukunft in sich tragen.

Wir möchten deshalb nun zu den Ursachen der Krankheiten vordringen. Wir wollen uns dabei auf ein paar charakterisierende Zitate beschränken, die uns jedoch anspornen können, uns selbst im täglichen Leben noch eingehender damit zu beschäftigen.

Paracelsus spricht von fünf Entia, fünf verschiedenen Ursachen:

„Die fünf Entia bedeuten fünf Krankheitsursprünge, das heisst also, dass es fünf Ursachen gibt. Jede Ursache vermag alle Krankheiten zu schaffen und hervorzubringen, so viele Krankheiten je auf der Welt waren, sind und sein werden. Es gibt fünferlei Fieber, fünferlei Krebs, also fünf Arten jeder körperlichen und seelischen Krankheit. Behaltet die Regel, dass ihr das D i n g (das Sein, das Ens) suchen müsst, aus dem die Krankheit hervor kommt, und nicht die äusserliche Ursache, wie sie geworden ist.”

Die fünf Entia sind:
1) das Ens Astrorum (individueller Tierkreis, Atemfeld)
2) das Ens Veneni (Gift)
3) das Ens Naturale (Veranlagungen, im Volksmund „Vererbungen”)
4) das Ens Spirituale (menschliche Geister)
5) das Ens Dei” (Gott)

Wenn jedes Ens alle Krankheiten hervorbringen kann, hängt die richtige Behandlung allein davon ab, dass erkannt wird, aus welchem Ens die aktuelle Krankheit hervor kommt. Er geht von fünf Entia aus, weil er die Seele insbesondere durch fünf Fluide auf den Körper einwirken sieht .

Dabei spricht Paracelsus von vier heidnischen Entia und einem christlichen Ens.
Unter heidnisch versteht er das aus dem isolierten Verstand, ohne Einsicht in die verborgene Allkraft Entstandene; unter christlich das aus der Christuskraft Wirkende.
„Die Erkenntnis, derer der Mensch b e d a r f, ist in Adam noch nicht gewesen, sondern ist ihm erst bei der Vertreibung aus dem Paradies zuteil geworden… Denn er und seine Kinder müssen eines nach dem anderen im „Lichte der Natur” lernen, was in allen Dingen liegt, damit hervor komme, was verborgen ist…”

Weiter sagt Paracelsus: „Wenn ihr das ‚Pentagramm Mensch‘ entziffern wollt, dann müsst ihr lesen lernen, was die verborgene Sprache dem Schüler entschleiert und dem Laien verhüllt in meinem Buch ‚Paramirum: de quinque entibus‘.” PARAMIRUM heisst übersetzt etwa: „Was über das Erstaunliche hinausgeht”, oder auch: „Das hervortretende Wunderbare”.

1 Ens astrorum

So möchten wir uns dem ersten Ens zuwenden, dem wir nach Paracelsus unterworfen sind, dem Ens astrorum. „Astra” heisst Stern. Paracelsus führt hier ein in die Ursache der Krankheiten, welche aus den Gestirnen, d.h. aus dem individuellen oder besser: dem individualisierten mikrokosmischen Tierkreis hervorgehen.

Wie steht der Mensch in der Welt? Paracelsus sagt: „Ihr heisset den Menschen Mikrokosmos. Der Name ist gerecht. Denn so, wie die Erde von einem eigenen Firmament, von einem eigenen Sternenhimmel umschlossen ist, so ist auch der Mensch von seinem eigenen Sternenhimmel umschlossen.”

Unser eigener mikrokosmischer Sternenhimmel ist die Konstellation unsere Geburt, worin unsere aktuellen Aufgaben und Möglichkeiten aufgezeichnet sind. Allerdings besteht diese persönliche Konstellation nicht, weil wir an einem bestimmten Tag zur Welt gekommen sind, sondern weil sie aus unserem inneren Programm aktiviert ist. Deshalb kommen wir bei einer bestimmten äusseren Planetenkonstellation zur Welt.

„Seit der Vertreibung aus dem Paradies” wurde dieses astrale Firmament durch verschiedenste Bewohner geprägt und also konstelliert. So ist es zu dem geworden, was es heute ist, ausgedrückt durch Bewohner, die zwischen Freude und Leid, zwischen Sympathie und Antipathie, zwischen Tag und Nacht, also den unzähligen Gegensätzen des Lebens auf der Erde, hin und her gependelt sind und Erfahrungen gesammelt haben.

Diese facettenreichen Erfahrungen sind im Firmament gespeichert.

Sind sie dem jetzt unter diesem Firmament Lebenden bewusst? Im allgemeinen nicht. Schlicht gesagt: Nur ein verschwindend kleiner Teil von diesem Erfahrungshorizont hat Platz in seinem Tagesbewusstsein. Dieser Teil steht in Zusammenhang mit Erfahrungen, die zu Ende gebracht, Lektionen, die gelernt werden können, sollen, ja müssen. Der Rest schlummert oder brodelt in seinem Unterbewusstsein.

Solange der Mensch nicht „Herrscher des Gestirns” ist, kann er sie nicht wirklich einordnen, in keinem grösseren Zusammenhang erkennen. Er ist den karmischen Gesetzmässigkeiten mehr oder weniger ausgeliefert.

Tief aus dem Unbewussten, aus der Vergangenheit also regen sich Kräfte. In bestimmten Lebensumständen scheint ihm denn auch vieles undurchsichtig. Deshalb lehnt er sich gegen sein Schicksal oft auf. Tut er dies, so ist er eben damit beschäftigt, neue magnetische Spannungen zu erzeugen.

Jeder Mensch betrachtet aus seiner sehr persönlichen „Konstellation” heraus seine Umgebung, sein Leben. Je reifer, je bewusster er ist, desto klarer vermag er das Aussen als Spiegelung des eigenen inneren Zustandes zu erkennen. Auf vieles aber findet er keine Antwort. Hat er vielleicht noch nicht auf die richtige Art fragen gelernt?

Was hat der Mensch für ein Ziel? Wird er sein Leben als ein Suchen nach Antworten auf das Wie, Warum und Wozu leben oder in der Gewohnheit versinken, beispielsweise in einer Konsumhaltung oder anderen oberflächlischen Gepflogenheiten gesellschaftlichen Lebens?

Paracelsus spricht diesbezüglich von ARSENIK. Was auf der physischen Ebene Schlamm ist, das ist auf der seelischen Ebene die Gewohnheit. Sie ist des Menschen grösster Feind, denn durch Gewohnheiten kristallisert, verdichtet sich sein Ätherkörper. Auf diese Weise zieht der Mensch wiederum Krankheiten mit auflösender Tendenz an sich. Andere Begriffe für Gewohnheit sind: Bequemlichkeit, Trägheit, Schwäche,

Wahrscheinlich kennen wir den Arsenik aus unserer Lebenserfahrung: Wir schieben Entscheidungen, die sich uns von innen her aufdrängen, immer wieder hinaus. Oder: Statt durch verschiedene Lebens-Situationen hindurch zu dringen – wie der Name Parzival ja auch „mitten hindurch” bedeutet – sich mit ihnen auseinanderzusetzen und also seelisch zu ringen, weichen wir aus. „Lerne, lerne, frage und frage und schäme dich nicht”, ruft uns Paracelsus hier zu.

Was aber ist das Ziel? „Der Mensch soll Herrscher über das Gestirn werden”, sagt Paracelsus. Das ist seine Bestimmung. Dies ruft nach einer Re-Formation der Kräfte von innen her, einem Neu-Ordnen des seelischen Potenzials.

Doch wer ist imstande, seine Seelenkräfte auch tatwirklich neu zu ordnen? Das heisst gleichzeitig: wie gelingt es dem Menschen, eine Übersicht über das, was in seinem Mikrokosmos/Firmament/Sternenhimmel wirkt, zu bekommen? Ist der Mensch dazu in der Lage, ohne gleichzeitig in neue Verstrickungen zu geraten? Wie wird er „Herrscher über das Gestirn”?

2 Ens Veneni

Das zweite ist das Ens Veneni. Bei diesem Ens geht es um Krankheiten, die aus Verunreinigungen und giftigen Substanzen entstehen. Dazu sagt Paracelsus:
„Der Leib ist uns ohne Gift gegeben, in ihm ist kein Gift. Doch das, was wir dem Leib zur Nahrung geben müssen, darin ist Gift. Was der Mensch isst und trinkt, das ist für ihn Gift und Gesundheit, doch sollt ihr verstehen, dass das, was er isst, an und für sich kein Gift ist. Doch für das Unvollkommene, das wir zu unserem Schaden gebrauchen müssen, hat er (der Schöpfer) uns einen ‚Alchimisten‘ gegeben, damit wir das Gift, das wir mit dem Guten einnehmen, nicht als Gift verzehren, sondern von dem Guten scheiden können.”

Die Aufgabe des „Alchimisten” ist es, das Gift zu sammeln, dieses zur Ausscheidung zu bringen und das Gute dem Leib als Nahrung zu geben. Wenn der Alchimist krank ist, dann geht Giftiges und Gutes ungetrennt in die Verwesung über und es entsteht eine Digestio, eine vermischte Verwesung, die sich ablagert und das gesamte System belastet.

Alles, was wächst, wächst durch die Nahrung, die es aufnimmt und die seinem Wesen entspricht. Das können wir insbesondere auch für unsere seelisch-geistige Ebene verstehen! Empfindungen und Gedanken können ebenso verunreinigend und schädlich für unser Gemüt sein wie etwa unverdauliche Substanzen für den Körper. Ist es nicht so, dass Zorn, Ärger, Neid, Hass unsere Seele schädigen, ja, sie eben gefährlich vergiften, sie lähmen, sie handlungsunfähig machen können?

Wo aber befindet sich der Alchimist in der Seele? Es ist die Vernunft, die Einsicht, unsere Erkenntniskraft. Hat die Seele genug Erkenntniskraft, dann vermag sie Schmerz, Enttäuschungen, ja, auch Verleumdungen einzuordnen und auszuscheiden, sie zu neutralisieren. Sie vergibt – und sie kann auch vergessen. Sie ordnet das Erlebte. Sie räumt das, was Gift für sie ist, bewusst weg.

Was ist dabei ihr Massstab? Auch dieses Ens, sagt Paracelsus, hat er auf heidnische Art beschrieben. Denn die Seele vermag nur durch einen „neu geborenen, aus der himmlischen Weisheit entstandenen Seelenleib” zu dieser Erkenntniskraft zu kommen.

So sprechen Körper und Seele eine offene Sprache: Der Mensch kann – wenn es ihm geschenkt ist – in seinem Leiden erkennen, was er erstreben und was er lassen soll.

Die Krankheiten bezeugen die grossen Anstrengungen, die der Alchimist machen muss, um das Gleichgewicht wenigstens einer relativen Gesundheit aufrecht zu erhalten.

Denken wir hier auch an die enormen Strahlenbelastungen, die Auswirkungen der Atomspaltung, den Elektrosmog, die Abgase, an die unzähligen giftigen Wirkungen, die pausenlos über den Äther in die Welt ausgestrahlt werden via Radio, Fernsehen, Internet etc.

Ist die Seele nicht stark genug, kann sie all den astralen und ätherischen Einwirkungen erliegen und wird zu einem Lebensverhalten animiert, das ihr – und somit dem ganzen System – grossen Schaden zufügt.

Der Mensch ist dazu berufen, am Bau einer höheren Welt mitzuwirken. Dazu dient ihm doch die Lebensschule. Er muss lernen, im „Lichte der Natur” zu lesen, lernen, auf sein Innerstes zu lauschen, auf so einfache Art, wie es auch die Pflanzen der Sonne gegenüber tun: indem sie sich dem Lichte öffnen. Er muss es – im Gegensatz zur Planze – klar bewusst tun.

Dadurch scheidet die Seele und, da alles mit allem in Kommunikation ist, auch der gesamte Organismus nach und nach von selbst, auf ganz selbstverständliche Weise das Gift aus. Es findet keine Entsprechung, keinen Anknüpfungspunkt mehr dazu.

Doch – wer vermag das Wesentliche vom Unwesentlichen, das Reine vom Unreinen klar zu scheiden?

3 Ens Naturale

Das dritte ist das Ens Naturale. Das erste Ens, das Ens Astrorum, hat mit dem astralen Zustand des gesamten Mikrokosmos zu tun. Das Ens Naturale hat ebenfalls mit dem astralen Zustand zu tun, nur ist es direkter auf die natürlichen Folgen im Menschen bezogen: Auf die Wirkungen der Erde in ihm, auf die Organe als eine Art Planeten seines Sonnensystems.

Paracelsus kommt hier auf das hermetische Prinzip „Wie oben, so unten” zu sprechen: „Ihr heisset den Menschen Mikrokosmos. Der Name ist gerecht. Denn so, wie die Erde von einem eigenen Firmament, von einem eigenen Sternenhimmel umschlossen ist, so ist auch der Mensch von seinem eigenen Sternenhimmel umschlossen.”

Und es gibt einen Umlauf der Planeten im Menschen selber, erkennt Paracelsus :
„Ihr kennt den Lauf des Firmamentes bis auf den kleinsten Punkt, ferner die Erde mit all ihrem Gewächs und kennt die Elemente und alle Wesen. So sollt ihr verstehen und wissen, dass es das alles auch im Menschen gibt, dass ein Firmament im Menschen ist mit gewaltigem Umlauf von Planeten, Sternen in seinem Leibe, welche Exaltationen, Konjunktionen, Oppositionen und dergleichen haben. Und alles, was die Astronomie durch Betrachten der Gestirne und andere Dinge tief und schwer ergründet hat, das sollt ihr als Erläuterung und Lehre auf das leibliche Firmament anwenden.”

Es befinden sich 7 Organe im Menschen. Ihre Entsprechungen sind – geistig, nicht substanziell:

die Leber mit Jupiter,
die Galle mit Mars,
das Gehirn mit dem Mond,
das Herz mit der Sonne,
die Milz mit Saturn,
die Lunge mit Merkur,
die Nieren mit der Venus.

Dann beschreibt er die Umlaufbahnen der Planeten im Körper; und wir möchten ein sehr schönes Detail daraus zitieren:

„Das Herz sendet seinen Geist durch den ganzen Leib, wie die Sonne ihre Strahlen durch alle Gestirne und Erden. Das Gehirn geht allein zum Herzen und vom Herzen wieder zurück zu seinem Zentrum in geistiger Form und hat sonst keine andere Bahn. Der geistige Lauf der Leber vollzieht sich nur im Blute und sonst kommt sie mit nichts in Berührung. Ihr sollt verstehen, dass dann, wenn sich die Planeten irren und in eine falsche Bahn geraten, etwa die Bahn der Milz in die Bahn der Galle, Krankheiten entstehen.”

Die verschiedenen Bewohner des Mikrokosmos haben im Laufe der Zeit die Organe in ihrer Tüchtigkeit oder Untüchtigkeit geprägt, verursacht. Die Vergangenheit bestimmt also, welche Planetenkraft stark, welche schwach auftreten wird, welche Organe gesund und widerstandsfähig sein werden. Aus der Zusammensetzung der Gestirne im Menschen entspringen im übrigen auch dessen Temperamente.

Genauso verhält es sich auch mit der Gemütsverfassung des Menschen, mit
seinem „Lebens-Grund-Gefühl”, dem Gefühl, das sein Denken, Fühlen und Wollen wesentlich prägt.

Seele und Körper sind ununterbrochen in Wechselwirkung. Das Ens Naturale zeigt auf, dass nicht der stoffliche Körper, sondern der unsichtbare, der Astralleib, der eigentliche Mensch ist – und dass er sich im Stofflichen auswirkt, die Ursachen, die Keimatome legt.

Sobald ein Mensch in die Welt hinein geboren ist, ist sein eigenes Firmament wirksam geworden, er untersteht dem Einfluss der Planeten seiner eigenen Astralität, seines eigenen Himmels. Daraus sind also seine Veranlagungen entstanden.

Doch ist da noch die geheimnisvolle Kraft im Menschen, die ihn – über seine Veranlagungen hinaus – immer weiter, vorwärts drängt. Durch Einsicht und Erkennen, die der Mensch im aktuellen Leben gewinnt, vermag er auf sein Schicksal einzuwirken.

Er kann so Eigenschaften oder Vorgänge in der Seele beeinflussen und damit auch die Neigung zu gewissen Erkrankungen abschwächen.

Paracelsus ist dabei sehr genau: „Der Mond geht nur zur Sonne und zurück.” Das bedeutet: Das Denkleben entspringt dem Herzen des Menschen. Es richtet sich nach dem Zustand des Herzens, ist also vom Licht, das es im Herzen antrifft, abhängig.

Doch wenn in dieser Kette der Dinge sich Glied an Glied reiht , immer weitere Kreise ziehend: wann wird es zu Ende gehen, wird es einmal münden in eine Welt ohne Krankheit? In der Bibel lesen wir von einem Neuen Himmel, dem paracelsischen Ens astrorum, und einer Neuen Erde, dem Ens Naturale. Wie kann eine neue Erde zustande kommen?

4 Ens Spirituale

Das vierte ist das Ens Spirituale. Lesen wir dazu wiederum Paracelsus:
„Achtet bei diesem Ens Spirituale darauf, dass darunter kein Teufel, noch sein Werk oder seine Sippschaft begriffen wird… Ein Geist ist, was unseren Gedanken ohne Materie, im lebendigen Leibe entspringt… So achtet denn darauf, dass es möglich ist, dass zwei Geister einen Zorn gegeneinander haben und einer den anderen verletzt, gleich wie ein Mensch den anderen äußerlich verletzen kann. Nun leidet der Leib und ist krank, nicht vom materiellen Ens, sondern vom Geiste. Dafür braucht man eine geistige Arznei… Die Geister werden nicht von der Vernunft geboren, sondern nur vom Willen… Dieser Geist wird dem Menschen nicht vom Himmel gegeben oder bestimmt, sondern er schafft ihn sich selbst.”

Paracelsus spricht hier vom menschlichen Geist und bringt ihn in Verbindung mit dem Willen. Die Willenskraft schafft das, was zwar unsichtbar, nichts desto trotz stark wirksam in seinem Atemfeld anwesend ist.

Alles, was einer tieferen Einsicht des Menschen entgeht, findet sich hier wieder, nicht in vernünftigem, bewusstem Handeln, sondern es entspringt dann unseren Anschauungen, Vorstellungen und Urteilen, resp. Vorurteilen.

So kann entstehen: Menschlicher Geist gegen menschlichen Geist. Dem anderen seine eigene Meinung, seinen Willen aufdrängen. Der Welt seinen eigenen Willen aufdrängen.

Denken wir z.B. an Kritik: der eine Geist verhängt sich mit dem Geist des anderen. Er glaubt, den anderen berichtigen zu müssen, und wird dadurch selber gebunden infolge seiner Projektion, die ihm natürlich – noch – nicht bewusst sind.

Der Mensch wird durch seinen Willen schöpferisch tätig. Seine Vorstellungen führen, lange genug gehegt, ein Dasein für sich selbst, ein Eigenleben im Feinstofflichen. Vorstellungen führen schnell zu festen Meinungen und daraus folgen Vorurteile.

Zuneigung und Widerwille, Sympathie und Antipathie von Mensch zu Mensch, das ist das Werk der menschlichen Geister. Und sie reißen das Ich des Menschen hinein in das Ungestüm ihres Wollens, sodass der Mensch, solange sie ihn beherrschen, von seiner Vernunft nur wenig Gebrauch machen kann.

Ein Gedanke, wenn er durch den Willen belebt wird, kann zu einem Elementarwesen heranwachsen, welches den Menschen beherrscht. Eine fixe Idee ist beispielsweise eine Vorstellung, die sich über alles Maß hinaus von der Schwäche des Menschen gemästet hat. Ein von Sorgen gequälter Mensch verliert den Schlaf, mit der Zeit leidet das innere Gleichgewicht – bis Beschwerden und Krankheiten entstehen. Geister werden also vom unbewussten Gefühls- und Willensleben erzeugt und schmarotzen auf der Lebenskraft.

Der menschliche Geist bleibt auch nicht alleine. Gleiches zieht Gleiches an. Und so sehen wir kollektive Gedankenwolken entstehen. Angst und Terror unserer Tage sind Auswüchse von sogenanntem religiösem Geist gegen religiösen Geist, was aber nichts mit Religion zu tun hat, nur mit Vorstellungen. Mit welcher Macht dies wirkt, erleben wir heute sehr eindrücklich.

Paracelsus führt in diesem Ens auch die Wirkungen von Hypnotismus, Suggestion, Autosuggestion, Zauberei, bösen Geistern und schwarzer Magie an. Und er ist damit sehr aktuell.

Ist nicht das Tragische am Menschen, dass all sein Leiden aus seiner eigenen Natur kommt, weil er keine Kenntnis mehr hat, keine Einsicht in die Zusammenhänge, ja, weil er im großen Vergessen lebt? Wie aber kann er sich davon befreien?

5 Ens Dei

Das fünfte ist das Ens Dei. Dazu Paracelsus: „Die ganzen Grundlagen der Heilung stehen im 5. Buche, wo die rechte Arznei gezeigt wird… Die Krankheiten des Menschen teilt man ein in die natürlichen (1-4) und die Gottesgeisseln, die aus dem 5. Ens hervorgehen. Die Ursachen der Krankheit, die auf die Gewalt Gottes, auf das Ens Dei zurückzuführen sind, lassen sich nicht ergründen wie bei den anderen 4 Entien, wo dies der Fall ist.”

Gottes Geisseln ruft der Mensch selbst – unbewusst – durch seine mangelnde Einsicht, durch sein Vergessen in sich auf. Es handelt sich um das geistige Gesetz: Was du säest, das wirst du ernten. Heute wie früher entstehen zudem viele Krankheiten dadurch, dass wir Menschen nicht auf die Erfordernisse der Zeit zu reagieren vermögen, aktuell z.B. die kosmischen Einstrahlungen nicht positiv in uns verarbeiten können.

Das Ens Dei aber war und ist im Menschen im Verborgenen anwesend und beeinflusst die anderen 4 Entia.

Kommen wir jetzt noch einmal auf die offenen Fragen aus den ersten 4 Entia zurück:

-Auf welcher Basis kann der Mensch „Herrscher des Firmamentes” werden und sein Karma überwinden?

-Wer vermag das Wesentliche vom Unwesentlichen, das Ewige vom Vergänglichen zu trennen?

-Wie können ein neuer Himmel und eine neue Erde zustande kommen?

-Wie wird der Mensch frei von eigenen und von den Geistern anderer?

-Die Antwort aus jedem Ens finden wir im 5. Wesen, aus ihm geht alle Genesung hervor.

„Es gibt zwei Schulen für den Menschen”, sagt Paracelsus. „Die Schule der Erde redet von irdischen Dingen und hat ihren Schulmeister von der Natur, in der Natur; ja, sie ist die Natur selber. Weiter, so gibt es die andere Schule, die von oben. Dort unterrichtet jener, der von Oben ist. Dieser lehret im neugeborenen Leibe und nicht im alten, und lehret in demselben neugeborenen Menschen die himmlische Weisheit. Die Weisheit, die der Mensch haben soll, ist nicht von der Erde, noch von der oberen Hemisphäre der Erde, sondern aus dem FÜNFTEN WESEN.” Aus der Quinta-Essentia also.

Nach Paracelsus gibt es ein sterbliches fünftes Wesen, das wir als das höhere Selbst bezeichnen könnten, und es gibt ein ewiges fünftes Wesen, das Göttliche. Der oft angesprochene verborgene Plan drängt danach, den Christus in der Menschenseele zu entschleiern. Denn, so sagt Paracelsus: „Im alten Leib aus Adam können wir nicht wandeln zu guten Werken; der neue Leib muss den alten regieren, dann sind wir eigene Hausleute bei Gott, dann wächst aus dem alten Leib die EDLE BLUME.”

Diese „Edle Blume” ist im Menschen verborgen. Um sie aufblühen zu lassen, muss der Mensch in das grosse Laboratorium der Verwandlung der Seelenkräfte eintreten. Dann kann er erleben und durchleben: das Hineinsterben der fünf verschiedenen Entia in die in ihnen verborgene Quintessenz, in das fünfte Wesen.

Aus diesem Ringen der Seele erstehen dann prozessmässig die neuen Vermögen, nämlich:

-das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen
-zu einem neuen Gefühlswesen zu erwachen
-lernt der Wille, verbunden mit Erkennen und Gefühl, sich in den grossen Weltzusammenhang zu stellen, was sein magisches Mitwirken ermöglicht
-entstehen dadurch ein neuer Himmel und eine neue Erde.

Die Wiederkunft Christi wird im Menschen zur Tatsache. Und dadurch wird der Mensch auch ein Segen für die gesamte Menschheits-Entwicklung; er wird zum Mitbauenden.

Zusammenfassend können wir sagen:

Die Not der Seele ist eine Not, die kosmische Christuskraft nicht zu kennen, eine Not dem Christusstrahl gegenüber, der in uns anwesend ist. Die Art und Weise, wie Paracelsus die Krankheitsursachen untersucht und offen legt, kommt zutiefst dieser Not der Seele entgegen, ja, sie lindert sie. So ist sein Lebenswerk eine Antwort aus der erwachten Seele für die suchende Seele. Er lässt uns „das hervortretende Wunderbare” schauen. Er lässt tatsächlich das Wunderbare darin hervortreten und uns die Lösung erkennen.

Die Zitate sind folgenden Werken entnommen: 

"Paracelsus Sämtliche Werke" von Dr. Bernhard Aschner, Anger-Verlag 1993
"Theophrastus Paracelsus Werke" GA von Will-Erich Peuckert, Ausgabe 1976 
"Theophrastus Paracelsus Lebendiges Erbe", Reichel-Verlag 2002 (Nachdruck der Ausgabe Rascher-Verlag Zürich 1942) 
"Theophrastus Paracelsus von Hohenheim" von Dr. F. Hartmann, Ullrich-Verlag 1977
" Paracelsus - Die okkulten Ursachen der Krankheiten" von Elise Wolfram, Verlag am Goetheanum, 4. Aufl. 1991
1 Kommentar
  • Arno POLLIBeantworten

    Ich bedanke mich sehr herzlich, dass dieses Schriftstück zu mir gelangt ist und mich jetzt endlich zu Paracelsus hin geführt hat. Danke diesem Menschen, der solch wunderbare Zusammenfassung dieser essentiellen Essenzen von Paracelsus so verständlich mir nahe gebracht hat.

    Danke

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