Vortrag

Wozu sind wir gerufen? – Die Rückkehr ins Lichtreich

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Vortrag von Bettina Löber

Symposium: Grenzüberschreitungen / Das Thomas-Evangelium

Solange es Religionen gibt, ringen die Menschen um das rechte Verständnis der religiösen Offenbarungen. Schriften, die zweitausend Jahre alt sind, können auch heute noch wichtige Aufschlüsse und Anregungen geben, denn Wahrheit ist zeitlos. Wir haben schon entdeckt, dass in den Logien des Thomasevangeliums Menschen mit einer ganz bestimmten Seelenverfassung angesprochen werden: suchende Menschen. Wenn wir in diesem Vortrag beleuchten, was suchende Menschen im Thomasevangelium finden können, spielt dabei vor allem das stets aktuelle Bemühen um Erkenntnis eine Rolle.

Der zweite Vortrag hat gezeigt, dass den Jüngern der wesentliche Unterschied zwischen dem „Himmelreich” und der vergänglichen Welt, zwischen dem sterblichen Menschen und dem Lichtmenschen nahegebracht wird. Die Erkenntnis dieser Unterschiede soll eine Rückkehr in das Lichtreich ermöglichen. Das angestrebte Ziel ist der ursprüngliche Zustand des Lichtmenschen. In diesem Vortrag stellen wir die Frage: Welcher Weg wird den Jüngern als suchenden Menschen im Thomasevangelium gewiesen, um aus der Sterblichkeit in das Licht zurückzukehren?

Der Ausgangspunkt, vor den die Jünger gestellt werden, unterscheidet sich nicht von dem, was einige Verse der uns bekannten Bibel ebenfalls sagen. „Suchet, so werdet ihr finden”, so heißt es im Lukasevangelium (11,9). Im Thomasevangelium sagt Jesus: „Wer sucht, höre nicht auf zu suchen, bis er findet” (Log 2). Man könnte an die Seligpreisungen der Bergpredigt denken, wenn man Logion 49 hört: „Jesus sprach: Selig seid ihr Einsamen und Auserwählten, denn ihr werdet das Reich finden.” Selig ist also, wer so lange sucht, bis er das Reich findet, und in Logion 49 wird begründet: „Selig seid ihr Einsamen und Auserwählten, denn ihr werdet das Reich finden, weil ihr daraus stammt und wieder dorthin geht.”

Damit sind Weg und Ziel des menschlichen Daseins klar angesprochen. Die entscheidenden Fragen sind nun: Wie kann der Mensch, der das Reich einst verlassen hat, es wieder finden? Welchen Weg muss er gehen? Und wie ist das Himmelreich, das er sucht, überhaupt beschaffen? Diese letzte Frage wird – wie wir im zweiten Vortrag bereits hörten – im Thomasevangelium nicht beantwortet. Wir erfahren nur, dass es ein „Ort des Lichts” ist. Das Reich wird erwähnt, aber nicht beschrieben. Während wir in anderen apokryphen Schriften kosmologische Beschreibungen der göttlichen Welt finden, schweigt sich das Thomasevangelium darüber aus.

Um es vorweg zu nehmen: Auch eine eindeutige Wegbeschreibung werden wir im Thomasevangelium nicht finden. Die Jünger fragen Jesus immer wieder, wie sie sich verhalten sollen, welche Regeln und Handlungen sie befolgen sollen, aber die Antworten, die Jesus ihnen gibt, werfen sie wieder auf ihre eigene Einsicht zurück und versuchen, ein tieferes Verständnis in ihnen freizumachen.

Hören wir dazu ein Beispiel, das Logion 6: „Seine Jünger fragten ihn und sprachen: Willst du, dass wir fasten? Und wie sollen wir beten und Almosen geben und welche Speisevorschriften sollen wir beobachten? Jesus antwortete: Lügt nicht, und tut nicht, was ihr hasst, denn alles ist offenbar vor dem Himmel. Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht zutage käme, und es gibt nichts Verdecktes, das ohne Aufdeckung bliebe.”

Auf die Frage nach dem Fasten und Beten erhalten sie die Antwort: „Lügt nicht, und tut nicht, was ihr hasst!” Sie fragen nach äußeren Richtlinien, aber Jesus verweist sie auf das „Fasten der Seele”, auf einen Zustand der Enthaltsamkeit von Eigeninteressen und Emotionen. Er erklärt ihnen auch, warum diese Enthaltsamkeit und Reinheit der Seele wichtig ist: „Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht zutage käme.” Hier wird deutlich, dass es im Thomasevangelium um einen inneren Weg geht. Der Mensch kann sich äußerlich noch so korrekt verhalten; wenn er nicht aus wahrhaft reinen Motiven handelt, befindet er sich nicht auf dem Weg zurück zum Reich oder wird durch sein nicht geläutertes Inneres aufgehalten, wenn es früher oder später zutage tritt.

Logion 14 beantwortet dann noch einmal die Fragen nach dem Fasten und Beten, und wieder wirft die Antwort Jesu die Jünger auf sich selbst zurück, nämlich auf ihre wahren Absichten: „Jesus sprach: Wenn ihr fastet (und bleibt dabei doch die alten), schafft ihr euch nur Sünde. Und wenn ihr betet, richtet ihr euch nur selbst. Und wenn ihr Almosen gebt, fügt ihr eurem Geist nur Schaden zu. Wenn ihr in irgendein Land geht und es durchwandert und wenn man euch dann aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt, und heilt die Kranken unter ihnen. Denn was hineingeht in euren Mund, verunreinigt euch nicht. Aber was aus eurem Munde herauskommt, das ist es, was euch unrein macht.”

Die Jünger stehen zunächst einmal vor der Aufgabe, sich überhaupt an das Reich zu erinnern. Sie kennen es nicht mehr und bezeichnen es deshalb in Logion 51 als „neue Welt”. Sie fragen Jesus: „Wann wird die Ruhe der Toten eintreten und wann wird die neue Welt kommen? Er antwortete: Die Ruhe, die ihr erwartet, ist ja schon gekommen. Aber ihr erkennt sie nicht.” Die „Ruhe der Toten”, damit meint das Thomasevangelium bereits die Auferstehung, die Überwindung der Sterblichkeit. Das, was die Jünger suchen, ist bereits vorhanden. Es ist nichts Zukünftiges, denn es gehört nicht der Zeit an. Die göttliche Welt umgibt sie, durchdringt sie und ist in ihrem Innersten bereits lebendig geworden. Das Lichtprinzip ist in ihnen erwacht, doch das irdische Bewusstsein kann es nicht erfassen. Vielleicht können wir hier schon empfinden, dass die Erkenntnis der „neuen Welt” und der „Ruhe der Toten” nichts mit der Aneignung von Wissen zu tun hat, sondern mit dem Erwerb eines neuen Bewusstseins.

Hören wir einige Logien, in denen dieser Eindruck bestätigt wird. In Logion 18 heißt es: „Die Jünger sprachen zu Jesus: Sage uns, wie unser Ende sein wird. Jesus sprach: Habt ihr denn schon den Anfang entdeckt, dass ihr nach dem Ende fragt? Denn dort, wo der Anfang ist, dort ist auch das Ende. Selig ist, wer am Anfang steht. Denn er wird das Ende erkennen und den Tod nicht schmecken.” Wie im letzten Zitat ist „Erkennen” hier mit der Frage nach dem Ende, nach dem Tod verknüpft. Wer die hier gemeinte Erkenntnis erlangt, hat den Tod überwunden und die Auferstehung verwirklicht.

In Logion 24 fragen die Jünger Jesus: „Belehre uns über den Ort, an dem du bist, da wir nicht anders können, als danach zu suchen. Er antwortete: Wer Ohren hat, der höre. In einem Lichtmenschen ist Licht, und es leuchtet der ganzen Welt. Wenn er nicht leuchtet, ist Finsternis.” Jesus nennt den Jüngern keinen Ort, sondern er spricht von Licht und Finsternis. Der Ort, den die Jünger suchen, liegt zugleich im Menschen, der das Licht gefunden hat, und in der Welt. Der gesuchte Ort ist überall dort, wo das Licht ist. Wo kein Licht ist, ist die Welt der Finsternis. Auf die erstrebte Erkenntnis bezogen, bedeutet dies: Wer erleuchtet ist, hat die Finsternis des begrenzten Verstandes überwunden und Gnosis, innere Erkenntnis im Licht, gefunden. So wie Lichtmensch und Lichtreich eins sind, gehören der sterbliche Mensch und die Welt der Finsternis zusammen. „Ort” und „Zustand” sind dabei eins.

Seit der Entstehung des Christentums und durch alle Jahrhunderte hin gab es die Unterscheidung vom Weg der Erkenntnis einerseits und vom Weg des Glaubens (an eine Offenbarung) andererseits. Ob wir die Entwicklung des Christentums oder zum Beispiel auch die des Islam untersuchen, immer wieder finden wir die Forderung der Orthodoxie, an die jeweilige Offenbarung und ihre allgemeingültige Auslegung zu glauben, woraus sich dann eine Ablehnung und oftmals Unterdrückung der Wege der Erkenntnis entwickelte.

Die amerikanische Religionswissenschaftlerin und Nag-Hammadi-Expertin Elaine Pagels legt in ihrem Buch „Das Geheimnis des fünften Evangeliums” (S. 40) dar, dass sich in dieser Hinsicht das Thomasevangelium vom Johannesevangelium der Bibel unterscheidet. Sie zitiert Johannes, der in Kapitel 20, Vers 31 selbst angibt, er habe die Zeichen Jesu niedergeschrieben, „damit ihr glaubt … und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem (Jesu) Namen.” Dann fährt Pagels fort: „Damit wendet er sich nicht zuletzt gegen das, was das Thomasevangelium lehrt, nämlich dass Gottes Licht nicht nur in Jesus, sondern – zumindest potentiell – in jedermann leuchtet. Das Evangelium nach Thomas spornt den Hörer nicht so sehr an, an Jesus zu glauben, wie Johannes fordert, sondern ermutigt ihn vielmehr, da ja alle Menschen nach dem Bild Gottes geschaffen sind, mit seinem gottgegebenen inneren Potential nach Gotteserkenntnis zu streben. Den Christen späterer Generationen lieferte das Evangelium nach Johannes ein substantielles Teilstück zum Fundament einer Einheitskirche, etwas, was das Thomasevangelium mit seiner Betonung der individuellen Gottsuche nicht zu bieten hatte.” Die Unterscheidung zwischen dem Weg der Erkenntnis, den die dazu Gerufenen gehen können, und dem Weg des Glaubens, den die Gläubigen nach den Vorgaben der Kirche beschreiten, führte zur Ächtung des Thomasevangeliums.

Eine Stellungnahme zum Johannesevangelium ist in diesem Vortrag nicht unser Thema. Es sei nur kurz angedeutet, dass das Johannesevangelium für die gnostischen Schulen stets eine bedeutsame Rolle gespielt hat. Sie verstanden die darin beschriebenen Wirksamkeiten Christi meist als Prozesse, die in ihnen selbst stattfanden. Welche Rolle spielt dann Jesus im Thomasevangelium für die Jünger? Ist er ihr Lehrmeister, der sie im rechten Glauben unterrichtet? Wenn es sich auch so liest, dass er wie ein Lehrer ihre Fragen beantwortet, so weist er ihnen doch einen Weg, den man äußerlich nicht lernen kann. Die Logien zeigen ganz klar, dass wir seine Bedeutung auf der äußeren Ebene nicht wirklich erfassen können: Logion 17 sagt: „Ich werde euch das geben, was kein Auge gesehen und was kein Ohr gehört hat und was keine Hand berührt hat und was nicht in den menschlichen Sinn gekommen ist.”

Jesus gibt den Jüngern etwas, das nicht mit irdischen Mitteln zu erfassen ist. Um ihnen die Realität des Lichtreiches zu vermitteln, muss er selbst als Lichtmensch in ihnen auferstehen. Man kann seine Worte also als einen seelischen Erkenntnisprozess der Jünger verstehen. Die Aussagen vermitteln ein Bild davon, wie in den Jüngern ein neues Bewusstsein durch die Zwiesprache mit dem Lichtreich erwacht. Hören wir hierzu die Logien 10 und 82: „Ich habe Feuer auf die Welt geworfen, und siehe, ich hüte es, bis sie brennt.” „Wer mir nahe ist, der ist dem Feuer nahe. Und wer mir fern ist, der ist ferne vom Reich.”

Es geht darum, ihm „nahe zu sein”, selbst Feuer zu fangen, selbst seelisch zu brennen. Das Feuer ist ein bekanntes Symbol für die Kraft des Geistes, die Kraft der Läuterung und Überwindung. Der Mittler, der die Kraft des Feuers auf die Erde bringt, wartet darauf, dass die Jünger sich ihm nähern, dass sie „brennen”. Es ist diese Geistkraft, die die Rückkehr ermöglicht. Wir finden keine genaue Wegbeschreibung, keine Darstellung der verschiedenen Phasen dieses Prozesses, aber Logion 2 beschreibt eindringlich, wie der Mensch, der die Feuerkraft findet, den Weg erlebt: „Jesus sprach: Wer sucht, höre nicht auf zu suchen, bis er findet. Wenn er findet, wird er erschüttert werden. Ist er erschüttert, wird er staunen. Und dann wird er über das All herrschen.”

„Finden” ist bei dieser Verwandlung sowohl Zielpunkt als auch Beginn. „Selig ist, wer am Anfang steht”, sagt Logion 18. Dieses Finden bezeichnet den Beginn im Christusfeuer, das als ein Funke immer schon im Menschen verborgen ist. Die durch das Feuer stattfindende fundamentale, einschneidende Veränderung „erschüttert” den Jünger, so heißt es in dem Logion. Das Licht dringt bis in sein tiefstes Inneres vor, wodurch sein bisheriger Lebenszustand zum Untergang verurteilt ist. Er muss sich von der sterblichen Welt lossagen. Jesus fordert die Jünger auf, sich „der Welt zu enthalten” und sagt zu ihnen: „Werdet Vorübergehende” (Logion 27 und 42).

Damit kann deutlich werden, welchen Seelenzustand wir unter dem Begriff „Didymos Judas Thomas” zu verstehen haben. Von ihm heißt es im ersten Logion: „Dies sind die verborgenen Worte, die der lebendige Jesus sagte, und Didymos Judas Thomas schrieb sie auf.” Das aramäische Wort „Thomas” bedeutet – wir haben es schon gehört – „Zwilling”. Das griechische Wort „Didymos” hat dieselbe Bedeutung. Es ist also Judas, der Zwilling, der die Worte Jesu hört und aufschreibt.

Auch im „Buch Thomas’ des Wettkämpfers” empfängt Judas, genannt Thomas, geheime Worte des Heilands. Mit den „verborgenen Worten” wird auf die innere Erkenntnis hingewiesen, die der normale, sterbliche Mensch nicht so ohne weiteres erwirbt. Im Jünger jedoch erhebt sich der Lichtmensch. Er ist es, der die Erkenntnis intuitiv vermittelt. Niemand kann das Unaussprechliche seines Wesens erfassen. Nur der verspürt es, der sein Zwilling ist, der sich ihm durch sein Leben seelisch angeglichen hat.

Auch Mani, der Begründer der manichäischen Religion im 3. Jh. n. Chr., sprach von seinem Zwilling. Dieser himmlische Zwilling erschien ihm zweimal in seinem Leben, und durch ihn wurden Mani innere Offenbarungen zuteil, die er dann aufschrieb. So begründete er seine Religion, die für ihn in eine Kette von Lichtoffenbarungen eingefügt war.

In Logion 13 geht es um die Begegnung mit dem Zwilling: „Vergleicht mich und sagt mir, wem ich gleiche. Simon Petrus sprach zu ihm: Du gleichst einem gerechten Boten. Matthäus sprach zu ihm: Du gleichst einem (besonders) klugen Philosophen. Thomas sprach zu ihm: Lehrer, mein Mund vermag es ganz und gar nicht zu ertragen zu sagen, wem du gleichst. Jesus sprach: Ich bin nicht dein Lehrer. Denn du hast getrunken, du hast dich berauscht an der sprudelnden Quelle, die ich ausgemessen habe.”

Daraufhin spricht Jesus drei geheime Worte zu Thomas. Und als die anderen Jünger die Worte wissen möchten, sagt Thomas zu ihnen: „Wenn ich euch eines von den Worten sage, die er mir gesagt hat, werdet ihr Steine aufheben und auf mich werfen, und Feuer wird aus den Steinen herauskommen und euch verbrennen.”

Das Empfangen der drei Worte, das Erkennen Jesu und der durch ihn wirkenden Feuerkraft, ist also dem Zwilling vorbehalten, der Seele, die im göttlichen Feuer entflammt ist. Alle anderen verstehen nicht, wer Jesus ist. Der Lichtmensch ist in ihnen noch nicht erwacht. Keine menschliche Macht oder Instanz, sondern dieser Zwillingszustand macht die „Auserwählten” zu Auserwählten. Das innere Suchen und Werden der Seele macht sie bereit, die drei Worte zu empfangen. Jedes persönliche Begehren ist hier vergeblich. „Viele Male habe ich danach verlangt, eines dieser Worte zu vernehmen, aber ich hatte niemanden, der sie mir hätte sagen können”, klagt der Kirchenvater Irenäus in seinem Werk Fünf Bücher gegen die Häresien (Adversus haereses libri quinque).

Der Weg der Rückkehr führt durch innere Prozesse und Erfahrungen, die die Grenzen der gewohnten Welt der Sterblichkeit überschreiten. Das haben die bisherigen Betrachtungen gezeigt. Wir haben auch schon gehört, dass die Jünger auf dem Weg der Rückkehr ihrer bisherigen Welt entsagen müssen. Dabei geht es jedoch nicht in erster Linie um eine fromme, asketische Lebensführung. Es geht um die tatsächliche Überwindung der Welt der Gegensätze. In Logion 22 sagt Jesus: „Wenn ihr die zwei zu eins macht und wenn ihr das Innere wie das Äußere macht und das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere, und wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu einem Einzigen macht, so dass das Männliche nicht mehr männlich ist und das Weibliche nicht mehr weiblich ist – wenn ihr das Auge durch ein anderes Auge ersetzt und eine Hand durch eine andere Hand und einen Fuß durch einen anderen Fuß, ein Bild durch ein anderes Bild – dann werdet ihr ins Reich eingehen.”

Damit deutet Jesus das Mysterium des göttlichen Menschen an. Er beschreibt sich selbst in seiner Einheit mit dem Christuswesen. Er hat die Dualität, das Gesetz dieser Welt mit seinem Licht und Dunkel, Tag und Nacht, Leben und Tod überwunden. Dieselbe Sicht finden wir zum Beispiel auch in der hermetischen Philosophie. Die berühmte Tabula Smaragdina beschreibt die göttliche Welt mit den Worten: „Was Unten ist, gleicht dem, was Oben ist, und was Oben ist, gleicht dem, was Unten ist, damit die Wunder des Einen sich vollziehen. Und so wie alle Dinge aus dem Einen geworden sind durch eine Mittlerschaft, so sind sie alle aus diesem Einen geboren, durch Übertragung.”

Wer das Trennende, die Zweiheit überwindet, überschreitet nach der Lehre der Gnostiker die Grenze zwischen den Welten. Er geht als Lichtmensch wieder ein in das göttliche Reich.

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