Vortrag

Die Kraft der Stille

Map turk wikimedia.jpeg

Diesen Artikel empfehlen:

Vortrag von Andreas Packhäuser

Verehrte Gäste,

als die Bitte an mich herangetragen wurde, hier in Berlin zusammen mit einem Vertreter des Sufismus, Herrn Alkonavi, über die Kraft der Stille zu sprechen,
kam mir ein einschneidendes Erlebnis wieder ins Gedächtnis, das im Rückblick Ausschlag gebend für meinen spirituellen Lebensweg war.

Ich bin mir des Risikos bewusst, über etwas zu sprechen, welches mit Worten eigentlich nur angedeutet, aber nur schwer wirklich vermittelt werden kann.
Auch besteht immer die Gefahr des Missverstehens.

Viele von Ihnen kennen sicher noch die Aufbruchstimmung, die die Jugend in der westlichen Welt in den 60er und 70er Jahren erfasste.

Es war ein Suchen nach dem Unbekannten, Fernen. Es war eine Mischung aus Abenteuer und der Suche nach religiöser Erfüllung, die die junge Generation vor allem in Indien zu finden hoffte.

Ich war damals auch von dieser Welle erfasst und spielte mit dem Gedanken, zumindest für einige Monate nach Indien zu gehen, denn ein Freund von mir lebte schon länger in Auroville. Aber vorerst war ich in Griechenland und in der Türkei unterwegs und erreichte im August 1971 Ephesus.

Dieser Name hatte sich durch meine christliche Erziehung tief in mein Bewusstsein eingeprägt.

Ich weiß nicht mehr, woher ich die Idee hatte oder von wem ich die Information bekam,
bei gleißender Mittagshitze auf einen unbedeutenden Hügel zu steigen,
der sich südlich von Ephesus befindet. Einer Legende nach hatte dort die Mutter Jesu
bis zu ihrem Tod mit einigen anderen Christen gelebt.

Mit dem Marienkult konnte ich nichts anfangen, aber irgendwie zog es mich auf diesen Hügel, obwohl es auf der Ausgrabungsstätte in Ephesus wahrlich Interessanteres zu besichtigen gab.

Auf dem Hügel befanden sich tatsächlich freigelegte Fundamente und eine kleine Kapelle, die auf den alten Fundamenten wieder errichtet worden war.

Ich war allein.

An einer Mauer entsprang eine kleine Quelle, aus der klares Wasser floss.

Als ich davon trank, war es mir, als hätte ich noch nie zuvor solch ein klares und reines und belebendes Wasser getrunken. Vielleicht lag es auch nur an der Hitze.

Ich setzte mich auf die Mauer und dachte über die Menschen nach, die hier vor fast 2000 Jahren gelebt haben müssen, denn es waren weit und breit keine weiteren Spuren menschlicher Siedlungen zu sehen.

Ich versuchte, mich in die Zeit von damals zu versetzen.

In dem Moment erfasste mich eine Stille, die ich in dieser Intensität noch nie erlebt hatte. Es war nicht nur eine akustische Stille, sondern diese Stille erfasste den ganzen Körper. Sie war wie zum Tasten, zum Anfassen. Sie war zu spüren, so wie es ist, wenn man gegen den Wind läuft und ihn spürt, aber ganz unbewegt, still.

Ich kann nicht mehr sagen, wie lange das dauerte.Jedenfalls entwickelte sich in mir – vom Herzen her – eine vorher nicht gekannte innere Glaubenssicherheit, eine innere absolute Gewissheit, dass mit dem Christentum, zumindest mit dem Urchristentum, ein Mysterium verbunden ist, das scheinbar der heutigen Menschheit nicht mehr bekannt war.

Die Menschen, die sich hier vor 2000 Jahren aufhielten, hatten atmosphärisch etwas hinterlassen, das auf mich wie ein Rufen wirkte.

In dem Moment wurde in mir der Wunsch geboren, dieses Mysterium zu suchen.

Oder war es ein Auftrag?

Jedenfalls war mir auch sofort bewusst: Ich muss in Europa suchen. Hier ist der Kulturkreis, zu dem ich gehöre. In den anderen Kulturkreisen ist das gleiche Mysterium für die dortigen Menschen zu finden.

Denn das stand für mich ebenfalls fest: Dieses Mysterium ist universell.
Es gilt der ganzen Menschheit. Es steht über allen Religionen und ist älter als alle Religionen. Es ist eine spirituelle Ebene, auf der alle irdischen Missverständnisse
aufhören zu bestehen.

Dies alles erlebte ich bei vollem Bewusstsein, und ich hatte dabei keineswegs das Empfinden, etwas Besonderes zu sein. Auch entsprachen die gewonnenen Erkenntnisse ganz bestimmt nicht meinen Erwartungen.

Ganz im Gegenteil. Das Thema Indien war nun leider erledigt,
und mit dem herkömmlichen Christentum hatte ich eigentlich abgeschlossen.

Jahre später erfuhr ich, dass dieser Ort seit Jahrhunderten auch von den Sufis verehrt wurde, und dass seit Generationen jedes Jahr im August die Frauen der umliegenden Dörfer auf diesem Hügel des Todestages der Maria gedachten – lange bevor man die Ruinen freilegte.

Aber die Geschichte geht noch weiter.

Ein dreiviertel Jahr später lernte ich meine jetzige Frau kennen, und im folgenden Sommer verbrachten wir unsere Semesterferien auf Kreta. Über Kleinasien reisten wir nach Deutschland zurück. Ich wollte ihr unbedingt Ephesus zeigen
und natürlich auch mit ihr auf den Hügel steigen.

Es befanden sich nur wenige Menschen da, aber es herrschte ein atmosphärisches Chaos.

Die Zweige der Bäume waren weiß von kleinen Zetteln, beschrieben mit persönlichen Wünschen. Überall hingen Marienbilder. Von all dem ging eine unsägliche Unruhe aus.

Die Quelle war versiegt.

Ich stand wirklich unter Schock. Von Stille keine Spur mehr! Das Erlebnis von vor wenigen Monaten war nicht wiederholbar.

Die spirituelle Atmosphäre hatte sich zurückgezogen, denn nach ihr hatte anscheinend niemand mehr gesucht. Nur das eigene Wohlergehen und das persönliche Glück für sich, die Familie und die nahe stehenden Freunde und Verwandten hatten sich jetzt hier als Ziel aller Wünsche manifestiert.

Für mich war dieses Erlebnis äußerst schmerzlich, aber auch sehr heilsam, wurde mir doch bewusst: Dem Mysterium des Urchristentums kann man sich nicht willkürlich nähern.

Und auch das war überdeutlich: Dieses Mysterium lässt sich nicht für unsere egoistischen, irdischen Ziele instrumentalisieren.

Aber wie geht es dann, und was ist die Voraussetzung dafür?

So wurde, dank dieses Schocks, mein Bewusstsein geschärft. Meine innere Gewissheit und der Glauben konnten dadurch jedoch in keiner Weise erschüttert werden.

Es brauchte noch vier weitere Jahre des intensiven Suchens, Prüfens, Verwerfens und Weitersuchens, ehe wir vor den Toren dieses Mysteriums standen. Der innere Kompass im Herzen war letztendlich immer der Prüfstein, an dem die gefundenen Lehren gemessen wurden. Dies waren aber Prozesse, die uns erst viel später bewusst wurden.

Diese persönliche Schilderung soll aber nicht den Eindruck erwecken, das Aufsuchen heiliger Stätten sei die Voraussetzung für spirituellen Fortschritt. In meinem Fall war das aber anscheinend nötig.

Inzwischen weiß ich: Es ist nicht notwendig, zu heiligen Orten zu pilgern,
denn den heiligsten aller Orte besitzt jeder Mensch in seinem Innersten.

Er korrespondiert mit seinem Herzen. Es ist ein geistiges Prinzip, ein geistiger Kern –
wir Rosenkreuzer nennen ihn „die Rose des Herzens” oder auch „das Geistfunkenatom” – in dem, wie in einem Samen, die mehrdimensionalen Anlagen
für die Wiedergeburt des göttlichen Menschen verborgen sind. Der persische Sufi al-Ghazali beschreibt es so: Die Menschen besitzen in ihrer Brust ein „feinstoffliches Herz,” das in der Welt der Engel beheimatet ist. Dieses Organ ist in der grobstofflichen Welt im Asyl und weist den Menschen den Weg ins Paradies zurück.

Durch diesen geistigen Kern ist die wahre Religion, lateinisch „Re-ligio”, die Rückverbindung mit Gott, erst möglich. „Das Königreich Gottes ist Euch näher als Hände und Füße, es ist in Euch!” So heißt es in den Evangelien.

Vor diesem inneren Geistkern muss der irdische, sterbliche Mensch still werden.

In allen heiligen Schriften wird den Kandidaten die Stille, das Stillsein gelehrt.
In den alten Mysterien klingt es: „Meine Seele ist stille vor Gott – Von ihm ist mein Heil.”
Und weiter wird in den Mysterien gesagt: „Eifert danach, dass ihr still seid.”
Durch das Stillwerden beginnt im Kandidaten ein innerer alchimischer Prozess,
der durch die stärker werdende Strahlungskraft des Geistfunkens allmählich alle Äther-Atome in ihm neu polarisiert, so dass dadurch eine neue Beseelung entsteht.

Diese neue, quasi wiedergeborene Seele ist in der Lage, den Geist zu empfangen.
Unsere sterbliche Seele dagegen kann diese hohe Vibration, dieses Geistfeuer weder aufrufen noch ertragen.

Diese Prozesse vollziehen sich in dem Tempo, wie der irdische Mensch seine Ichbezogenheit überwindet und sich einer anderen Kraft öffnet, die über die Rose des Herzens in sein System einströmt. Das geschieht durch Selbstübergabe an den sich innerlich entwickelnden unsterblichen Menschen.

Das ist ein langsamer Prozess, der mit tiefer Selbsterkenntnis einher geht und bei dem Stufe für Stufe etwas von der Naturbeseelung zurückgelassen wird. Er vollzieht sich im Menschen nur in der Stille und durch die Stille.

Um diesen Prozess im Geistfunken des Menschen wieder zu erwecken, bedurfte es zu allen Zeiten einer Gemeinschaft von Menschen, die in der Lage war, ein besonderes magnetisches Vibrationsfeld zu erzeugen und zu erhalten.

Es muss ein Feld sein, welches nicht aus den Kräften dieser Welt stammt. Solch ein Feld bildet sich, wenn die innere Sehnsucht nach dem Göttlichen immer mehr nur noch von der neuen Seele und der Geistseele ausgeht. Wenn also ich-zentrale Gedanken, Gefühle und Wünsche aus den zur Gruppe gehörenden Menschen verschwunden sind. Wenn die Teilnehmer dem Stoffkörper, dem Ätherkörper, dem Astralkörper und dem Denken nach still geworden sind.

Diesen Prozess nannten die Gnostiker den „Mystischen Tod.”

In diesem Lichtfeld können sich die inneren Prozesse im Kandidaten entwickeln und er erkennt ganz unpersönlich, was für ihn als nächster Schritt auf dem Pfad anliegt.

Dieses Entsteigen ist also nur möglich, wenn das Verlangen des Herzens stark und rein genug ist, wenn das Haupt von eigensüchtigen Motiven und Ambitionen gesäubert ist, das wachsende Denkvermögen befreit ist vom niederen Verstand
und der Verstand unter die Leitung der geistigen Vernunft gestellt wurde.

Durch diese Transmutation innerhalb der Persönlichkeit wird es dem Kandidaten möglich, Seelenwachstum zu erfahren und zu einer wahrlich lebenden Seele zu werden. Und erst wenn die neue Seele lebt, kann der Pfad der Einweihung in die Mysterien wahrhaft beginnen.

Nachdem der Kandidat so den Pfad gefunden und betreten hat, hört er zuerst den tonlosen Ton, die Stimme seines Meisters.

Der Meister ist der innereigene Gott, der Geist in seiner Ansicht als Liebe und Weisheit, den die alten Gnostiker Christos nannten.

Dieser Meister muss zum Schüler sprechen. Ohne dass diese Stimme vernommen wird, kann kein anderer Helfer oder Lehrer auch nur irgendetwas für ihn tun. Der Christos ist also der sich einsenkende Geist, der sich durch die Seele mit dem naturgeborenen Menschen verbindet. Dieser ewig Vollkommene wendet sich also nicht an das Ich, sondern an die Seele.

Denn die Seele wird faktisch von zwei Welten, von zwei Lebensfeldern angezogen.
Sie muss als Mittler auftreten.

An der einen Seite befindet sich die Wirklichkeit der niederen, sterblichen Welt,
die in „Die Stimme der Stille”, einem der ältesten Bücher der Menschheit, zutreffend „die Halle der Schmerzen” genannt wird. Hier wird alles getan, um den Menschen in Illusion und Wahn der vergänglichen Dinge dieser Welt zu verstricken.

An der anderen Seite der Seele befindet sich die Lebensordnung des Geistes.
Die Seele drückt sich also vorübergehend in zwei Welten aus. Dieser Zustand kann jedoch nicht von Dauer sein, das würde den Menschen innerlich zerreißen.

Zu einem gegebenen Zeitpunkt muss die Seele sich entscheiden. Sie muss eine definitive Entscheidung treffen, welche dieser beiden Welten in Zukunft ihre Heimat sein soll. Auch die Persönlichkeit hat damit zu entscheiden über ihren Lebensschwerpunkt, denn sie ist ja das Ausdruckmittel der Seele während ihrer Inkarnation.

Es gibt nämlich zwei elektromagnetische Felder in diesem irdischen Kosmos,
die beide ihr Zentrum im Herzen der Erde haben: in zentrales magnetisches Feld der sterblichen Natur mit dem Diesseits und seiner feinstofflichen Spiegelung und ein zentrales magnetisches Feld der heiligen Erde.

Die Seele muss also lernen, zwischen diesen beiden Feldern zu jedem Zeitpunkt die rechte Wahl zu treffen.

Und nun sagt die Stimme des Christos zur Seele des Kandidaten oder der Kandidatin, welche am Beginn ihres Pfades stehen: (und wir können es im Buch „Die Stimme der Stille” nachlesen.)”Lass deine Seele nicht mitgeschleppt werden
von all den wechselnden Stimmungen des naturgeborenen Wesens.

Stehe über Freude und Trauer. Tritt nicht ein in die Freuden des Augenblicks,
noch in die Schmerzen des Augenblicks. Lass dich nicht mitreißen von all den Bewegtheiten der Zeit, denn wie könntest du dann von der Ewigkeit sein.”

Das bedeutet nicht Gleichgültigkeit für das Wohl und Wehe der Mitmenschen – denn welche Seele, die aus Liebe und Weisheit lebt, könnte jemals gleichgültig sein?

Die Seele muss aber von jeder Bewegtheit durch die Gegensätze frei werden, sowohl von den Freuden als auch von der Betrübnis.

Sie muss sich stets mehr auf die erhabene Verbindung mit dem inneren Christos richten, wissend, dass sie so, als Träger des Lichtes, am besten helfen kann.

In diesem Seinszustand wächst der Kandidat zu einem wirklichen Menschheitsdiener heran.

Aus seinem Wesen ist sämtliche Kritik verschwunden. Er nimmt nur objektiv wahr.
Das betrifft seine persönlichen Unzulänglichkeiten als auch die seiner Mitmenschen.
Er verurteilt nicht, denn er versteht, warum ein Mensch aus seinem Seinszustand so handeln muss, wie er handelt.

Er trägt alles, er duldet alles, er neutralisiert alles, er reinigt alles.

Das Licht seiner Augen strahlt in Liebe über alle und alles,denn er sieht in den Menschen den göttlichen Keim, auch wenn dieser noch so sehr durch Unwissenheit eingekapselt und schlafend tot ist.

Auf dieser Ebene sind für ihn alle Menschen Brüder und Schwestern.

Indem er nicht mehr auf die ihn und alle Menschen beeinflussenden Impulse auf der mentalen, astralen und ätherischen Ebene reagiert, ja, nicht mehr reagieren kann, steht er wie ein Fels in der Brandung – vollkommen still und doch von höchster Dynamik erfüllt.

———
Es ist also möglich, einen Punkt zu erreichen, da nichts mehr die innere Ruhe erschüttern kann, wo jener Friede erlangt und erlebt wird, der über alles Verstehen hinausgeht.

Dann nämlich, wenn das Bewusstsein seinen Mittelpunkt in der Geistseele hat, die der Friede selbst ist. Dort wird die Harmonie erkannt und erfüllt, und das Gleichgewicht regiert, weil sich das Lebenszentrum nunmehr im Geist befindet, der im innersten Kern die Stille ist.

Dort herrscht ungestörte und unerschütterliche Ruhe, denn der um Gott Wissende ist der Regent.Er gestattet dem niederen Selbst keine Störung. Dort wird eine Seligkeit erlangt, die nicht aus den Gebieten der sterblichen Natur entspringt, sondern aus dem innerlichsten Gewahrwerden des Seins herrührt.

Dieses Sein besteht weiter, wenn Zeit und Raum und alles, was darin enthalten ist, nicht mehr existieren. Es wird dann erkennbar, wenn alle Illusionen der niederen Ebenen erlebt, verwandelt und überwunden wurden. Es besteht weiter, wenn die kleine Welt der menschlichen Mühen zerstoben, dahingegangen und als nichtig erkannt ist.

Diese innere Haltung und diese spirituelle Erfahrung wird all denen zuteil,
die unbeirrt an ihrem hohen Streben festhalten; die alles als zweitrangig ansehen, außer der Erreichung des einen Zieles.

Der Kandidat oder die Kandidatin hält die Augen unverwandt auf das Ziel gerichtet,
die Ohren offen, um die Stimme des Gottes in sich zu hören, die vernehmlich in der Stille des eigenen Herzens spricht; den Fuß fest auf dem Pfad, der zum Tor der Einweihung führt, die Hände ausgestreckt, um der Welt zu helfen; das ganze Leben dem Ruf zum Dienen geweiht.

Alles, was da kommen mag, wird dann zum Besten gedeihen: Krankheit, Glückszufälle, Erfolg, Enttäuschung, üble Nachrede, nicht verstanden werden von denen, die man liebt – all das wird zum Nutzen gereichen, wenn der Kandidat darin den Sinn erkennt, schneller zur Überwindung zu gelangen und zum Höheren verwandelt zu werden.

Fortdauer unseres Strebens, Aufrechterhaltung des Kontaktes mit dem Inneren –
dies ist weitaus wichtiger, als all das andere.

——–
Zum Schluss möchte ich noch einmal auf das eingangs geschilderte Erlebnis
auf dem Hügel südlich von Ephesus zurückkommen.

Man könnte es oberflächlich vielleicht als mystisches Erlebnis bezeichnen.
Aber es war viel mehr als das: nämlich die Botschaft der Stimme der Stille,
diesem Leben einen Sinn zu geben und einen inneren, spirituellen Weg zu betreten,
der zu einer fundamentalen Veränderung führt.

Es war so etwas wie eine geschenkte Vorausschau in einen Zustand,
der nun durch das Leben selbst, entgegen aller Widerstände
tatsächlich erworben und bewiesen werden muss.

Für einen Rosenkreuzer im Lectorium Rosicrucianum steht dieser innere Auftrag zentral im Leben:

Die Überwindung der sterblichen, ichzentralen Natur, die Überwindung des Gebundenseins an die Materie, an das Hin- und Hergeworfensein im Getöse der polaren Gegensätze dieser Welt, und der tatsächliche Eintritt in ein ganz anderes Lebensfeld, in dem die Stille keine Vision mehr ist, sondern ein allumfassender Lebenszustand der bewusst gewordenen Geistseele.

Ein Leben in dieser Ausrichtung besteht keineswegs in äußerlicher Weltflucht,
sondern es ist ein Leben, das aus einer anderen Beseelung „mitten hindurch” geht,
in der Welt, aber nicht mehr von der Welt, im Dienst der Menschen, die nach diesem anderen Leben verlangen.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.
Die Kraft der Stille – Vortrag Stiftung Rosenkreuz – Andreas Packhäuser – Stand 7.10.2008 Seite 1 von 1

Türkische Karte aus dem 15. Jh. wikimwdia
Kommentare

Ihr Kommentar