Vortrag

Der heroische Mensch im unendlichen Universum

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Vortrag von Ursula Klee (Übersetzung)

EINLEITUNG

Giordano Bruno (1548-1600), leidenschaftlicher Sucher nach der Wahrheit, zeugte von den absolut göttlichen Gesetzmäßigkeiten im unendlich Großen und im unendlich Kleinen. Seine Ideen sind für den heutigen Menschen besser zu verstehen als für seine Zeitgenossen, weil die Wissenschaft nun die Beweise seiner philosophischen Auffassungen herausgibt. Bruno erkannte, dass die wahre Identität des Menschen mit der unendlichen Materie zusammenfällt, die unteilbar, unzerstörbar und eins ist. Die Persönlichkeit bildet den zeitlichen Ausdruck, den Schatten, die veränderliche Seite einer unendlichen Ursache. Für diese Auffassungen, die für viele den Weg zum wirklichen Menschsein freimachten, bezahlte er mit seinem Leben; nach sieben Jahren Verhör und Folter wurde er von der Inquisition als Ketzer verbrannt.

In der Unendlichkeit eines entgrenzten Universums sucht der heroische Mensch, getrieben durch das Bild der Vollkommenheit, nach dem Einen. Das Bild der Einheit und des gesetzmäßigen Zusammenhangs der Dinge ist die Triebfeder, die ihn in der Welt der Vielheit nach der Ordnung der Einheit suchen lässt. Aber ist Versöhnung zwischen der Vielheit und der vollkommenen Reinheit des Alleinguten möglich? Die heroische Verzückung entrückt den Menschen dem Griff der Sinneswerkzeuge. Sie inspiriert ihn dazu, der Welt der chaotischen Vielheit zu entsteigen und ein Gott gleiches Leben zu führen in der Erkenntnis des Einen und Einzigen. Der heroische Mensch sieht die Essenz der übersinnlichen Welt durch alles hindurch strahlen; die Verzweiflung des Verlorenseins im Chaos der Zufälligkeiten verliert ihre Kraft. Im Bewusstsein der Begrenzung der Vielheit – Gut und Böse gehören dazu; sie verändern sich unaufhörlich, auch in der Zukunft – richtet er sich auf das Allerhöchste, die Einheit in der Unendlichkeit. Er sucht nicht die Überwindung des „Bösen”, sondern sich in die Einheit einzufügen. Die Seele wird hierdurch gereinigt, der Mensch transformiert: der Mensch wird Gott.

Bruno schilderte ein unendliches Universum, bevölkert von unzählbaren Systemen und ihren Planeten. Umschlossen von diesem Universum, dem einzig Seienden, ewig und unveränderlich, existieren unendlich kleine Teile, alle von Leben beseelt. In diesem Universum ist das Endliche nicht vom Unendlichen, das Größte nicht vom Kleinsten zu unterscheiden. Minimum und Maximum fallen zusammen: das Minimum, das unmessbare, einfache, unteilbare und unzerstörbare Kleine, die Monade, das Atom oder der Punkt, bildet die hervorbringende Selbständigkeit aller Dinge, die Basis allen wirklichen Bestehens, begabt mit Verstand und Begriff. Ohne Monade, das kleinst Denkbare, ist das Bestehen des Maximums, des Größten, des unendlichen Universums, nicht möglich.

Die Monade ist das unendliche Wesen, ewig, unzerstörbar, göttlich. Bruno stellte die Ewigkeit nicht länger in die Jahrhunderte, sondern in die Unendlichkeit. Er erschloss die Magie der Monade, die Kernkraft der göttlichen Potenz im Menschen. Damit machte er das Tabu des göttlichen Werdens für das Bewusstsein transparent und befreite den Menschen so von seiner Abhängigkeit von Machtinstitutionen. Damit war er seiner Zeit weit voraus, sogar dem 20. Jahrhundert, in welchem die Tradition des jüdisch-christlichen Denkens dieses Tabu noch lange festgehalten hat. Bruno wurde von Hermes Trismegistos inspiriert, durch Plato, Cusanus und Ramon Llull. Er zeigte als heldenhaftes Vorbild, wie das ursprüngliche Feuer in Geistkraft gipfelt, in seiner Unbegrenztheit übereinstimmend mit der vollkommenen Liebe.

„Es ist deshalb unnütz zu untersuchen, was sich außerhalb des Raumes befindet, Leere oder Zeit. Denn es ist ein einziger Raum, eine einzige weite Unermesslichkeit, die wir leicht Leere nennen können. Darin befinden sich unzählbare Planeten wie der, auf welchem wir leben und sind. Dieser Raum ist unendlich, worin weder Vernunft, sinnliche Wahrnehmung noch Natur eine Grenze bilden. Es befindet sich eine unendliche Anzahl von Welten von derselben Art wie die unsrige darin.”

Übersetzung: Ursula Klee
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