Vortrag

Das ganz Andere kann seinen Abdruck in uns finden

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Vortrag von Axel Janssen

Axel Janssen hat eine Ausbildung als Diplomingenieur für Vermessungstechnik und ist in der Industrie tätig. Er hat sich viele Jahre lang mit Weg und Lehre der Rosenkreuzer und den gnostischen Strömungen des Abendlandes auseinander gesetzt und bekleidet eine Leitungsfunktion im Lectorium Rosicrucianum.

Vortrag während eines Symposiums in Bonn am 13.05.2010

Das ganz Andere kann seinen Abdruck in uns finden

Greifen wir zu Beginn dieses Vortrages die Begriffe „Mensch” und „Erde” auf.

Es sind zwei Ausdrucksformen des Lebens. Sie bilden eine Einheit und sind scheinbar doch so sehr voneinander getrennt. So verschieden. So anders.

Ohne Erde gibt es kein Leben, wie wir es kennen,
ohne Leben kein menschliches Bewusstsein.

Wir Menschen und unsere Erde sind Ausgangspunkte für einen großen Spannungsbogen des Daseins.

Er erstreckt sich in der einen Richtung vom Menschen über das Tier und die Pflanzenwelt zum Mineralreich mit seinen drei Aggregatszuständen fest, flüssig und gasförmig.

In der anderen Richtung spannt er sich von der Erde über das Sonnensystem und unsere Milchstraße in die Weiten des Universums.

Die Atomphysiker erforschen die kleinsten und aberkleinsten Teilchen. Ausgehend vom Molekül gelangen sie zu den Atomen, die sie modellhaft beschreiben mit einem Kern aus Neutronen und Protonen und mit den – wie auf Planetenbahnen – darum herum kreisenden Elektronen. Und sie gehen noch weiter und ergründen subatomare Teilchen wie die Quarks.

Seit Albert Einsteins Relativitätstheorie hat sich die Grenze zwischen Materie und Energie aufgelöst. Die heutige Quantenphysik erklärt uns, dass Elektronen sich sowohl als Teilchen als auch als Welle zeigen können.

Unser Organismus setzt sich aus Atomen zusammen. Sie bestehen zu 99,999 Prozent aus Masse-leerem Vakuum. Denn der Atomkern und die Elektronen nehmen nur einen verschwindend kleinen Raum im Volumen eines Atoms ein. Der Rest ist Vakuum. Das bedeutet, dass unser Organismus fast ausschließlich aus leerem Raum besteht. Der geschlossene Körper, den wir wahrnehmen und fühlen, ist eine Illusion unserer Sinnesorgane. Nur die großen Kräfte, die zwischen den Masseteilchen wirken, lassen unseren Körper als kompakte Masse erscheinen.

Die Masse-freie Sphäre, die fast allen Raum einnimmt, kennt keine Begrenzung. Sie geht durch alle Körper hindurch in die Erdatmosphäre und weiter in die Unendlichkeit des Universums. In ihrer Offenheit sind wir eins mit allem. In ihr tauschen sich die kleinsten Teilchen aller Körper fortwährend aus.

Es ist eine Sphäre, die unvorstellbar viel Energie und Information enthält. Die Wissenschaftler nennen sie „Null-Punkt-Feld”. Der Quantenphysiker Ulrich Warnke spricht vom „Meer aller Möglichkeiten”.

Das menschliche Bewusstsein schafft aus dem „Meer aller Möglichkeiten” Realitäten. Man hat festgestellt, dass Quantenphänomene erst zu einer Realität werden, wenn man sie beobachtet und misst. Vorher haben sie keine festen Eigenschaften, sie sind Wellen im Null-Punkt-Feld. Erst durch das menschliche Bewusstsein, durch eine Sinngebung, erhalten die Energien Form, Struktur und Gestalt. Sie verwandeln sich vom Potenziellen zum Wirklichen, wenn wir ihnen Sinn und Bedeutung verleihen.

So gibt es also eine grenzenlose, schöpferische Totalität. Durch Bewusstseinsimpulse werden alle Dinge ins Dasein gerufen. Der Nobelpreisträger Eugene Paul Wigner sagte:
Es ist das Bewusstsein, das aus der Quantenunschärfe die klare Realität macht.

In dem großen schöpferischen Prozess sind wir natürlich nicht die einzigen Handelnden.
Wir erschaffen zwar subatomare Teilchen, erläutert der Physiker John Wheeler, und dazu das gesamte Universum, aber umgekehrt erschaffen sie auch uns. Eins erschafft das andere im Rahmen einer „selbstregulierenden Kosmologie”.

Die Quantentheorie beweist die Existenz eines universellen Bewusstseins im Universums, so Eugene Paul Wigner.

So gibt es also eine Kette „Information / Energie – Bewusstsein – Form- und Strukturbildung”.

Der Spannungsbogen der Existenz, der von uns aus bis ins Kleinste und bis ins Größte reicht, schließt sich im „Meer aller Möglichkeiten” zu einem Kreis. In diesem Kreis besitzen wir eine Schlüsselposition auf Grund der Entwicklung unseres Bewusstseins. Der Physiker und Nobelpreisträger Erwin Schrödinger erklärte:

… so unbegreiflich es der gemeinen Vernunft scheint: du – und ebenso jedes andere bewusste Wesen für sich genommen – bist alles in allem. Darum ist dieses dein Leben, das du lebst, nicht ein Stück nur des Weltgeschehens, sondern in einem bestimmten Sinn das Ganze.

Das hat große Ähnlichkeiten mit der hermetischen Philosophie, die aus den Mysterienschulen Ägyptens überliefert wurde. Sie sagt: „Wie oben so unten. Wie im Großen so im Kleinen.” Und die Rosenkreuzer des 17. Jahrhunderts erklärten: „Es gibt keinen leeren Raum.”

Wir sind der Maßstab

Mensch und Erde sind also Bestandteil eines gewaltigen schöpferischen Geschehens.

Unser Bewusstsein ist dabei ein wichtiger Faktor, aber es ist – und das ist eine Hauptquelle der Schwierigkeiten – begrenzt. Jeder von uns sieht sich selbst im Mittelpunkt und betrachtet von dort aus alles andere um sich herum. Das „Außen” zeigt sich uns in der Perspektive der beschränkten Wahrnehmung unserer fünf Sinne und unseres begrenzten Verstandes. Mit diesem Instrumentarium erbauen wir uns das, was wir als Realität ansehen und wirken auf unsere Umgebung ein.

Unser Verstand kann das, was Wirklichkeit ist, nicht erfassen. Deshalb lässt er uns Modelle der Wirklichkeit schaffen.

Wir erklären den Aufbau der Erde durch das sogenannte Schalenmodell, die Bewegung der Landmassen durch die Plattentektonik. Wir haben Klimamodelle, die unter anderem aus Erdbohrungen abgeleitet sind, und vieles mehr.

Es sind Gedankenmodelle, die nur Teilbereiche der auftretenden Erscheinungen erfassen. Vieles leiten wir aus Indizien ab, so wie man in einem Kriminalfall versucht, durch Indizien die Wahrheit zu rekonstruieren.

Wir haben Bohrungen in die Erde hineingetrieben, die weltweit tiefste davon umfasst zwölf Kilometer. Aus den Bohrungen versuchen wir abzuleiten, wie die Erde aufgebaut ist. Diese hat indes einen Radius von 6.380 Kilometern. Setzen wir zwölf Kilometer ins Verhältnis zu 6.380 Kilometern, so sind das weniger als 0,2 Prozent. Wir haben also nur den winzigen Stecknadelkopf einer Nadel untersucht.

Weitere Informationen über den Aufbau der Erde erhalten wir aus seismischen Messungen, zum Beispiel an Hand der Ausbreitung der Wellen bei großen Erdbeben.

Das Meiste bleibt uns jedoch verborgen.

Wir haben die Erdkugel in verschiedene Teile und Flächen eingeteilt, haben einen Null-Meridian festgelegt, einen Erdlängenkreis, der durch den Ort Greenwich verläuft.

All diese Modelle und viele mehr führen zu Erklärungen, die in ihrem Ergebnis von der Art des Modells abhängen. Es sind Annäherungen an die Wirklichkeit, oder, anders gesagt, bewusst definierte Abweichungen von der Wirklichkeit. Immer bleiben weite Teile der Realität ausgeklammert. Die Entscheidung über die Art des Modells ist oft willkürlich und hängt von Interessen und Zielsetzungen ab.

Schauen wir einmal auf die Form der Erde. Hier gebrauchen wir das Modell einer Kugel. Doch eigentlich müsste man von einem Rotationsellipsoid sprechen, also einer Kugel, die an den Polkappen etwas zusammengestaucht ist. Selbst das entspricht aber nicht der Wirklichkeit. Unser Planet gleicht eher einer Birne. Die Nordhalbkugel ist etwas schmaler als die Südhalbkugel.

Wenn wir eine Standortbestimmung auf der Erde vornehmen wollen, gebrauchen wir Modelle, die Bezugspunkte und Bezugsflächen liefern.

Eine der wichtigsten Bezugsflächen für die Höhenbestimmung ist das Meer, und zwar die mittlere Wasserhöhe der Weltmeere. Wir nennen sie NN = Normal Null.
Wenn man diese Bezugsfläche um die ganze Erde herum legt, spricht man vom Geoid.
Diese „Meeresfläche” weist indes Hügel und Täler auf, auch ohne den Einfluss von Wind, Wetter und Gezeiten. Das Geoid weicht vom Modell des Rotationsellipsoids bis zu circa 100 Metern ab. Ursache dafür sind regional unterschiedliche Anziehungskräfte aufgrund ungleichmäßiger Masseverteilungen im Erdinnern. Aber auch die Landmassen und Berge spielen hierbei eine Rolle.

So bildet der Meeresspiegel südlich von Indien ein rund 110 Meter tiefes Tal, nördlich von Indonesien demgegenüber einen 85 Meter hohen Hügel. Wohlgemerkt: es fließt dort kein Wasser hin. Nach dem Kräftegleichgewicht erscheint es als eine ebene Fläche.

Bild: Potsdamer Geoid

Das „Potsdamer Geoid” des Deutschen GeoForschungsZentrums in Potsdam zeigt die Unregelmäßigkeiten im Schwerefeld der Erde in 15.000-facher Überhöhung.

Deutlicher als jede Beschreibung macht uns dieses Bild der überhöhten Abweichungen klar, dass unsere Erde ein sehr eigenartiges Gebilde ist.

So können wir verstehen, dass viele (wenn nicht alle) unserer Vorstellungen idealisiert sind. Wir sprechen von festen Bahnen, auf denen die Erde um die Sonne zieht. Wir sprechen von der Drehung der Erde um die schrägstehende Erdachse und übersehen dabei, das unser Planet torkelnd und eiernd seine Bahn um die Sonne zurücklegt.

Erahnen Sie das Problem unserer sogenannten „Wirklichkeit”?
Nach Aussagen der Quantenphysiker erkennen wir etwa fünf Prozent der Wirklichkeit. 95 Prozent bleiben im Dunkeln.

Die Erde, ein lebender Organismus?

Zurück zu „Mutter Erde”, zu Gaia, wie die Griechen sie nannten und wie sie auch heute mitunter genannt wird. Die Erde kann in ihrem gesamten Aufbau, ihrer Struktur und ihren Abläufen, die durch die Meeresströmungen, die atmosphärische Dynamik, die magnetischen Strahlungspotentiale und vieles mehr gebildet werden, als lebender Organismus betrachtet werden.

Das wird heute von vielen Wissenschaftlern bestätigt. Das Fazit einer internationalen Konferenz in Amsterdam im Jahre 2001 lautete:

Die Erde verhält sich wie ein einziges, sich selbst regulierendes System, das aus physikalischen, chemischen, biologischen und menschlichen Komponenten besteht.

Der Elektroingenieur Klaus Piontzik drückt es in seinem Buch Gitterstrukturen des Erdmagnetfeldes so aus:

Die Erde stellt über das Magnetfeld mit ihrem inneren Schalenaufbau, den Schichten der Atmosphäre und allen darin lebenden Wesen eine schwingungsmäßige Einheit dar.

Die Gesamtheit aller Erd-Prozesse wird in der sogenannten Erdsystemwissenschaft zusammengefasst. Man versucht, der neuen Sicht gerecht zu werden, dass unser Planet ein Organismus ist.

Müssen wir unter diesem Blickwinkel das Klima und die Klimaveränderung nicht als Symptom für ein viel größeres Problem ansehen? Sollten wir nicht vom „Patienten Erde” sprechen, der eine „erhöhte Temperatur” hat? Sind die festgestellten Symptome vielleicht Zeichen von krankheitsbedingtem Stress? Und könnte man die trockenen Landstriche auf der Erde nicht als trockene Stellen „auf der Haut” bezeichnen?

Diese Analogien haben eine verblüffend prägnante Aussagekraft.

Im Zuge der Diskussion um die Klimaveränderung sind viele Theorien und Gedankenmodelle entstanden. Kurzfristige Beobachtungen und langfristige Analysen widersprechen einander manchmal diametral. Erwärmt sich die Erde? Oder gehen wir einer Eiszeit entgegen? Manche Forscher sprechen davon, dass die Klimaveränderungen auf die veränderten Sonnenaktivitäten zurückzuführen sind. Es ist so, als würden sich Ärzte besorgt über den Patienten Erde beugen, wobei jeder die Symptome anders deutet und eine andere Therapie vorschlägt.

Fest steht, dass die Erde einer Veränderung unterworfen ist, die wir als Menschen, wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte, bewusst wahrnehmen, bewusst erleben und in gewissem Ausmaß mit verursachen.

Wir erkennen Regelmechanismen, die vom Kleinsten bis ins Große reichen. Es ist uns deutlich geworden, dass alle Dinge und Wesen miteinander in Beziehung stehen, dass es keine Trennung gibt und alles voneinander abhängig ist. Das hat zu der Aussage geführt, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Wirbelsturm verursachen kann.

Welche Möglichkeiten haben wir in diesem Geschehen? Welche Verantwortung obliegt uns?

Stoff ist mehr als das, was wir sehen
Die Kraft des Gedankens ist unsichtbar wie der Same, aus dem ein riesiger Baum erwächst; sie ist aber der Ursprung für die sichtbaren Veränderungen im Leben der Menschen.

Diese Aussage stammt von dem russischen Dichter und Wahrheitssucher Leo Tolstoi. Er betont die Kraft und Auswirkung unseres Gedankenlebens.

Wir erzeugen unser eigenes Klima durch unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen. Durch sie drückt sich unsere Existenz aus, in unterschiedlicher Intensität und Vibration.

Theosophen, Anthroposophen und Rosenkreuzer sprechen von den grobstofflichen und feinstofflichen Bereichen des menschlichen Körpers.

Da ist der für unsere Augen sichtbare grobstoffliche Teil. Er wird umhüllt und durchdrungen vom Ätherkörper, der die Form aufrecht erhält und für den Fluss der Lebenskräfte sorgt. Er seinerseits wird vom höher schwingenden Astralkörper umgeben und durchwirkt, in dem unsere Gefühle, Willenskräfte und unser Begehren ihren Ausdruck finden. Und schließlich gibt es den Ansatz eines Mentalkörpers als Träger unseres Gedankenlebens.

Über diese in der Vibration abgestufte Struktur wirken unsere Gedanken und Gefühle als gestaltende Kräfte in die sichtbare Materie hinein.

Die Erde selbst besitzt entsprechende feinstoffliche Sphären. Unsere Gedanken- und Gefühlskräfte werden von den feinstofflichen Bereichen der Erde aufgenommen und wirken von dort aus wieder auf uns zurück. Zugleich beeinflussen sie die Tier- und Pflanzenwelt. Im Sichtbaren erkennen wir die Einflüsse der unsichtbaren Sphären. Alles, was wir in der Materie sehen, ist aus der höheren Potenz der feinstofflichen Gebiete entstanden.

In seinem Buch Der sichtbare und unsichtbare Mensch unternimmt Leadbeater, ein Theosoph zu Beginn des 20.Jahrhunderts, eine Klassifizierung der grob- und feinstofflichen Potenzen. Der sichtbaren Materie im Zusammenhang mit dem Ätherkörper teilt er den Wert 1 zu, dem astralen Fluidum den Wert 5, der „niederen Mentalis” (der Sphäre unserer konkreten Gedanken) den Wert 25 und der „höheren Mentalis” (in der unsere Schicksalskräfte enthalten sind) den Wert 125.

Die höher schwingenden Prinzipien findet ihren Abdruck in den niedriger schwingenden Bereichen.

Diese organische Struktur, diese Kette der Verwirklichung, kennzeichnet uns und unsere Beziehung zum Tierreich, zur Pflanzenwelt und zum Mineralreich. Sie wirkt in unseren Planeten hinein und über ihn hinaus in unser Sonnensystem.

So können wir verstehen, dass die Art, in der wir unser Leben führen, gewaltige Konsequenzen hat. Sie bestimmt das planetare Lebensklima.

Der libanesische Autor Mikhail Naimy schreibt in seinem Buch des Mirdad:

Die Atmosphäre dieses Planeten, die in allen Einzelheiten in euren Herzen widergespiegelt wird, ist angefüllt mit umherschweifenden Erinnerungen an alle Dinge, von denen sie seit ihrer Entstehung Zeuge war. Kein Wort oder keine Tat, kein Wunsch oder Seufzer, kein flüchtiger Gedanke oder vorübergehender Traum, kein Atem von Mensch oder Tier, kein Schatten, keine Illusion, die nicht darin ihre geheimnisvollen Bahnen bis auf den heutigen Tag ziehen, und sie bis zum Ende der Zeit ziehen werden. Stimmt euer Herz auf irgend etwas darauf ab, und es wird sicherlich herbeieilen, um die Saiten zu spielen.

Gott – Kosmos – Mensch

Neben diese Verwirklichungskette, die von unseren Gedanken bis in den Stoff hinein geht, wollen wir noch eine höhere Kette der schöpferischen Aktivität stellen.

Es ist die Kaskade der göttlichen Offenbarung, die in der hermetischen Philosophie mit den Worten „Gott – Kosmos – Mensch” gekennzeichnet wird.

Im 12. Buch des Corpus Hermeticum, das im 2. Jahrhundert verfasst wurde, lesen wir:

So gibt es also diese drei:

Gott, der Vater, das Gute, die Welt und der Mensch.
Gott hält die Welt umschlossen und die Welt den Menschen.
Die Welt ist der Sohn Gottes, der Mensch ist der Sohn der Welt, gleichsam der Enkel Gottes.

Und im 11. Buch des Corpus Hermeticum heißt es:

Also ist Gott der Vater der Welt, und die Welt ist der Schöpfer alles dessen, was in ihr ist; die Welt ist der Sohn Gottes, und alles, was in der Welt ist, ist durch die Welt geworden.
Zu Recht wird die Welt deshalb auch „Kosmos” genannt,
denn sie ordnet und schmückt das All durch die Unterschiedlichkeit des Geschaffenen,
durch die Stetigkeit des Lebens,
durch die Unermüdlichkeit der Offenbarungskraft,
durch die Geschwindigkeit des Fatums,
durch die Zusammensetzung der Elemente und
die Ordnung alles dessen, was ins Dasein gelangt.
Die Welt wird also, sowohl aufgrund ihrer fundamentalen Gesetze als auch wegen ihrer Fügung, „Kosmos” genannt.

Gemäß diesem hermetischen Prinzip offenbart sich Gott durch den Kosmos und der Mensch ist die Offenbarung des Kosmos.

In dieser Kette ist der Mensch ein Abbild des Sonnenmakrokosmos, ein kosmischer Mensch, ein „Mikro”-kosmos.

Was unten ist, gleicht dem, was oben ist, und was oben ist, gleicht dem, was unten ist, damit die Wunder des Einen sich vollziehen, so heißt es in der Tabula Smaragdina des Hermes Trismegistos.

Die hermetische Gnosis spricht also von einer Kaskade der Offenbarung. Und in diesem kosmischen Aufbau spielen wir als Mensch, als Mikrokosmos, eine Rolle.

Doch wir werden dieser Rolle nur wenig gerecht.

Wir stehen vor einem fast unlösbaren Problem: der Begegnung mit dem Unaussprechlichen, der Begegnung mit dem geistigen Ursprung, mit dem Gott in uns. Denn es heißt ja: Wie oben, so unten.

Alle Bilder, alle Vorstellungen, alle tradierten Gedanken, die wir uns von der Gottheit machen, alle Empfindungen, die in uns aufsteigen, sind nichts, sind Wahngebilde, wenn sie nicht aus einem Bindeglied, einem bewussten Begegnungspunkt heraus entstehen.

Unsere Aufgabe ist es, in der großen Kette des Lebens das Bindeglied zum Göttlichen hin zu schmieden.

Um sagen zu können, wer Gott ist, muss man sein, wie er ist , erklärte Antoine Gadal, einer der großen inspirierten Katharer, der im letzten Jahrhundert lebte.

Eine solche Verbindung geschieht durch reine Intuition und Inspiration. Sie bedarf eines veränderten inneren Klimas. Wie können wir das herbei führen?

Wir leben in einer technologisierten Welt, in der solche Geheimnisse und tiefen Wahrheiten keinen Platz mehr finden. In einer Welt, in der alle menschlichen Geheimnisse an die Oberfläche gezerrt, ausgebreitet, verstandlich analysiert und katalogisiert werden. In einer Welt, in der wir selbst zum Objekt degradiert und einer Kosten-Nutzen-Relation unterworfen werden.

Das ist das Klima, in dem wir leben. Ein Klima, das wir selbst geschaffen haben und das uns überfordert, weil es uns, insgesamt gesehen, nicht gerecht wird. Doch wir werden darin festgehalten, wir halten uns selbst darin fest durch Ehrgeiz, Angst, Selbstüberschätzung und vieles mehr.

Die Gedanken- und Gefühlskräfte von über sechs Milliarden Menschen drängen in alle Formen der Körperlichkeit – in Mensch, Tier und Pflanze – und werden dadurch sichtbar.

Tausende und abertausende Gedanken bestimmen unser Klima und überschwemmen die Erde gleich einer Flutwelle.

Anker Larson, ein dänischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, betrachtete den Verstand als einen unermüdlichen Muskel, der stets nach Beschäftigung verlangt.
Er beschrieb die durch uns geschaffene Welt als eine geschlossene Welt:

Unsere gesamte Kultur ist die einer geschlossenen Welt. In ihr wurden wir großgezogen. Wir sehen nichts außerhalb dieser Welt und meinen, dass die Welt so ist, wie wir sie sehen und nur so. …

Wir alle – das ist meine feste Überzeugung – sind unserem menschlichen Wesen nach beides: offen und geschlossen. Es ist allein eine Frage der Aufmerksamkeit; und der Mehrheit fehlt diese Aufmerksamkeit für die offene Ansicht der Welt.

Anker Larson wünscht sich:
…meine beiden ursprünglichen Welten, die offene und die geschlossene, wieder in ihr richtiges Verhältnis zueinander zu bringen …

Und er stellt fest:
Alle unsere Worte stammen aus der geschlossenen, intellektuellen Welt und vermögen das Wesen der offenen Welt nicht auszudrücken …

Wir sind mit beiden Welten verbunden. Doch die Verbindung mit der offenen Welt, die ins Göttlich-Geistige hinein reicht, ist uns nicht bewusst. So erzeugen wir die geschlossene Welt.

Wie können wir das fehlende Bindeglied herstellen?
Wie können wir in der Kaskade Gott – Kosmos – Mensch bzw. Gott – Kosmos – Mikrokosmos die auf uns wartende Aufgabe übernehmen?

Wir benötigen eine neue Art der Erkenntnis, die zu einem neuen Bewusstsein führt.
Sie erfordert einen Offenbarungsraum in uns, in dem der ursprüngliche göttliche Kosmos sich spiegeln kann. Wir müssen uns zu einem Gefäß machen, in das sich ein neuer Inhalt ergießt.

Das universelle Konzept der Befreiung ist bereits vorhanden. Es gleicht einer verborgenen Struktur, einer unsichtbaren Kraft, die gleich einem Samen in uns ruht. Er will keimen, wachsen und sich zur Blüte entfalten. Er ist Lebensausdruck einer anderen Wirklichkeit, die sich durch uns auf der Erde ausbreiten will.

Es obliegt unserer Entscheidung, ob wir uns zu einem geeigneten Nährboden für ein neues innere Wachstum machen wollen.

Viele Botschafter des Lichtes zeigten uns ein neues Lebensverhalten und sagten: Folgt uns nach. Sie prägten die Muster ihres Lebens in die Erdatmosphäre ein als Information, die wir abrufen können. Wir können sie aus dem „Meer aller Möglichkeiten” zu einer Realität für uns machen.

Dem geistigen Abdruck, den Fußspuren der Großen, können wir nachfolgen.

Wenn wir alte Muster loslassen, können wir neue empfangen. Wenn wir in Bezug auf die „geschlossene Welt” und ihre aus der Vergangenheit stammenden und verfestigten Verhaltensweisen leer werden, kann die Fülle des Offenen uns berühren. Sie erzeugt in uns neue seelische Kräfte und Wahrnehmungsvermögen.

Unser Ringen, unsere inneren Fragestellungen als Ausdruck einer tiefen Sehnsucht können die Schleier der geschlossenen Welt aufreißen und uns Zugang gewähren zu der allumfassenden Welt der Reinheit und geistigen Kraft.

Der ursprüngliche geistige Kosmos wird erkennbar, indem wir uns für ihn öffnen. Er prägt seinen Abdruck in uns ein, damit wir seine Kraft austragen. Neue Gedanken gehen dann von uns aus. Der Kreis zum Ursprung schließt sich. Die göttlich-schöpferischen Energien fließen durch uns in die Naturreiche hinein.

Subtile Zustände seelisch-geistiger Art in unendlicher Differenzierung werden möglich. Die Fülle der Offenbarungskraft wirkt durch uns.

Im Wassermann Evangelium, das im 19. Jahrhundert von Levi niedergeschrieben wurde, heißt es:

Wenn der Wesensinhalt der Materie umgewandelt ist zu Seelenenergie
und der Wesenskern der Seele Gott zurückgegeben wird,
dann ist der Mensch zum Gott geworden […]

Paulus sagt im Römerbrief, dass alle Kreatur hierauf wartet.

Es geht um eine neue seelische Gestalt des Menschen. Sie wächst heran, wenn wir in das Offene eintreten, in das Universum, das im Geist verankert ist.

Als Mensch dieser Zeit stehen wir im vollen Brand unserer Erfahrungen.
In diesem Feuer können wir das Geheimnis des wirklichen Lebens entdecken.

Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri, die diesen Weg als Weg des Rosenkreuzes beschrieben, formulierten in einem Gebet:

O, dass wir einen neuen Namen empfangen,
einen neuen Zustand des Seins,
aufgezeichnet im großen Buch des Lebens.

Verwendete Literatur:

Johannes Anker Larsen, Vom wirklichen Leben,
MYM-Verlag, Berlin

C.W. Leadbeater, Der sichtbare und der unsichtbare Mensch,
Herrmann Bauer Verlag, Freiburg im Breisgau, 1964

Mikhail Naimy, Das Buch des Mirdad, Rozekruis Pers, Haarlem, 1986

Jan van Rickenborgh, Die Ägyptische Urgnosis, Band 3, Rozekruis Pers, Haarlem, 1985

Klaus Piontzik, Gitterstrukturen des Erdmagnetfeldes, Books on Demand GmbH, Norderstedt

Ulrich Warnke, Vortrag Quantenphilosophie und Spiritualität

"Potsdamer Geoid" mit freundlicher Genehmigung des Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam
Foto: Regina Rust
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