Vortrag

Carl Gustav Jung – Nachtmeerfahrten

Carl Gustav Jung

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Vortrag von Dr. Gunter Friedrich

Im Juni 2011 wurde des 50. Todestages des Schweizer Psychoanalytikers Carl Gustav Jung gedacht (1875-1961). Dies veranlasste die Stiftung Rosenkreuz, ein Symposium über C.G. Jung und seinen Bezug zu den Mysterien zu gestalten.

Was wissen wir wirklich von diesem so besonderen Menschen, der eine geheimnisvolle Nähe zu den Mysterien von einst besaß;
der Psychiater wurde, um Menschen in ihren seelischen Nöten beizustehen und sie aus ihnen hinauszuführen;
der sich in der Zeit einer eigenen tiefen Krise in einer Vision oder Halluzination als ein „Gott-mit-dem-Löwenkopf” empfand (Dezember 1913);
der sowohl Goethe als auch Meister Eckhart als seine spirituellen Vorbilder zitierte;
der Wege zu einem modernen Christus-Verständnis suchte als Antwort auf das spirituelle Unvermögen seines Vaters und eines „der Mythen beraubten” christlichen Abendlandes?

Wie lässt sich das Bild von einem „mystischen” Jung, der den Spuren von Alchemisten und Gralsrittern auf ihrer Suche nach dem Stein der Weisen folgte, vereinbaren mit dem Bild eines Jung, der als wissenschaftlicher Forscher rigoros Rationalität fordert?

Die in dieser Broschüre abgedruckten Beiträge sind auf Jungs unentwegtes Suchen nach dem Geheimnis des Lebens fokussiert. Intensive Momente innerer Zwiesprache mit seiner Seele leuchten im 2010 veröffentlichten Roten Buch auf. C.G. Jung rang mit der Frage, ob er auf die Wünsche seiner Seele eingehen soll, die weit in das Spirituelle hineinreichen. Er entschied sich für die Wissenschaft. Seine Beschäftigung mit den Mysterien von Gnosis, Hermetik und Alchemie trug dazu bei, dass die Schriften und Erlebnisberichte hierzu wieder bekannt wurden. Es ging ihm darum, ihren Inhalt psychologisch zu interpretieren.

Der Dokumentarfilm von Rüdiger Sünner: Nachtmeerfahrten – Eine Reise in die Psychologie von C.G. Jung, im Juni 2011 erschienen, wurde im Verlauf des Symposiums gezeigt. Er leistet einen anschaulichen Beitrag, um die Gratwanderung Jungs zwischen Wissenschaft und Spiritualität zu verdeutlichen und zeigt zugleich, wie Jung von der dunklen Tragik seiner Zeit nicht verschont blieb.

Die Vorträge und Gespräche des Symposiums ließen erkennen, dass eine „Seelenlehre” allein nicht ausreicht, um die eigentlichen Bedürfnisse der Seele zu beantworten. Zutiefst sehnt sie sich nach einer bewussten Verbindung mit dem ursprünglichen Geist.
Nur eine Geist-durchdrungene Psychologie kann dem Menschen auf dem Weg zu seinem wahren Selbst dienstbar sein.
Hanni Studer

Foto von C. G. Jung  Quelle Wikipedia
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