Vortrag

Brief an Reginus über die Auferstehung

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Vortrag von Dr. Konrad Dietzfelbinger (Übersetzung)

Es gibt Menschen, lieber Reginus, die möglichst viel lernen wollen. Und in diesem Vorsatz gehen sie an Probleme heran, die noch nicht gelöst sind. Finden sie dann eine Lösung, bilden sie sich wer weiß was ein. Ich bin aber der Meinung, dass sie dabei nicht von der Wahrheit selbst ausgehen. Denn sie suchen mehr ihre Ruhe als die Ruhe, die wir von unserem Erlöser und Herrn, Christus, empfangen haben, als wir die Wahrheit erkannten. In ihr können wir wirklich ruhen.

Wenn du nun unter dieser Vorbedingung nach der Auferstehung fragst, bin ich bereit, dir zu antworten. Sie ist jedenfalls eine Notwendigkeit für den Menschen. Trotzdem glauben viele nicht an sie, und nur wenigen wird sie zuteil. Deshalb wollen wir jetzt über sie sprechen.

Wie verhielt sich unser Herr, als er im Fleische war und sich als Gottessohn offenbarte? Er wohnte an dem (unteren) Ort, an dem du auch wohnst. Er sprach über das Gesetz dieser Natur: es heißt „Tod”.

Der Sohn Gottes, lieber Reginus, war aber auch ein Menschensohn. Daher besaß er beides, das menschliche und das göttliche Wesen. Und er konnte den Tod besiegen, da er ein Sohn Gottes war. Da er aber auch Menschensohn war, konnte er die Möglichkeit (unserer) Rückkehr zur Fülle der Fülle schaffen. Denn er war ursprünglich von oben, ein Same der Wahrheit, er war, bevor die Welt mit ihren unzähligen Herrschaften und Mächten entstand.

Ich weiß, dass ich hier über die Lösung eines schwierigen Problems spreche. Doch wenn man von der Wahrheit selbst ausgeht, gibt es nichts Schwieriges. Denn die Lösung selbst hat sich ja zu uns, in die Mitte (die Welt), begeben, um nichts verborgen zu lassen und alles aufzuzeigen, was unsere Existenz betrifft: Die Auflösung des Bösen auf der einen Seite, das Offenbarwerden der Erwählten auf der anderen. So ist die Wahrheit und der Geist von Gott ausgegangen. Aus der Gnade (Gottes) folgt die Wahrheit.

Der Erlöser hat den Tod verschlungen. Er hat die Welt, die vergänglich ist, (wie ein Kleid) abgelegt. Das ist es was du vor allem wissen musst. Er hat (sich) in die Unvergänglichkeit verwandelt und (ist auferstanden), indem er das Erscheinende vom Nicht-Erscheinenden verschlingen ließ. So hat er uns den Weg zur Unsterblichkeit gebahnt. Denn auf diese Weise ist es möglich geworden, dass wir mit ihm leiden, wie der Apostel sagt, mit ihm auferstehen und mit ihm zum Himmel auffahren. Wenn wir uns in diesem Sinne in der Welt als Träger seiner Kraft beweisen, so sind wir Strahlen seiner Kraft und sind von ihm ergriffen – bis wir in ihm untergehen: das ist der Tod, während wir noch im Leben sind. Dann werden wir von ihm auch zum Himmel emporgezogen wie die Strahlen von der Sonne, und niemand kann uns zurückhalten: das ist die Auferstehung im Geiste, die die der Seele und die des Fleisches in sich enthält.

Wenn nun einer nicht glaubt, so nützen ihm auch überzeugende Argumente nichts. Denn hier geht es um Glauben, mein Sohn, und nicht um Überzeugung (durch Argumente). Wer (dem wahren Wesen nach) tot ist, wird auferstehen. Und gibt es einen unter den (sogenannten) Philosophen hier in der vergänglichen Welt, der wirklich glaubt? Aber der Tote wird auferstehen, auch wenn alle Philosophen in dieser vergänglichen Welt es nicht glauben. Lass sie doch – sie sind Menschen, die sich nur um sich selbst drehen. Aber wir haben durch unseren Glauben den Sohn des Menschen erkannt und glauben, dass er von den Toten auferstanden ist. Von ihm sagen wir: Er hat den Tod vernichtet. Er ist ein Großer, an ihn glauben wir. (Groß) sind daher auch wir Glaubenden.

Das Denken der Geretteten ist unvergänglich, und der Geist derer, die ihn erkannt haben, kann nicht untergehen. Wir sind auserwählt zur Rettung und Erlösung und sind von Anfang an dazu bestimmt, nicht in die Torheit derer zu verfallen, die ohne Erkenntnis sind. Und wir werden weise werden ganz wie solche, die die Wahrheit erkannt haben. Wer in der Wahrheit bleibt, kann sie nicht verlieren, und sie kann sich nicht wie etwas Entstandenes, (etwas Vergängliches also), auflösen.

Mächtig ist die Fülle der Fülle. Ohnmächtig ist, was sich davon getrennt hat: es ist entstanden als die (vergängliche) Welt. Aber die Welt wird vom nicht Entstandenen, vom (wirklich) Existierenden umfasst. Daher zweifle nicht an der Auferstehung, Reginus. Einst existiertest du nicht im Fleisch, doch wurde dir Fleisch gegeben, sobald du in diese Welt eintratest. Warum also solltest du nicht auch Fleisch empfangen, wenn du in die Ewigkeit hinaufgehst?

Gehört dir nicht schon, was besser als alles Fleisch ist, was dem Fleisch, das deinetwegen entstanden ist, Leben gibt? Und steht nicht, was dir gehört, völlig zu deiner Verfügung?

Nun, was fehlt dir eigentlich, wenn du hier in der vergänglichen Welt bist? Das zu erfahren gibst du dir doch solche Mühe! Du weißt, dass auf die Geburt des Körpers wie eine Nachgeburt das Alter folgt. Du bist also vergänglich. Aber der Verlust dieses Vergänglichen ist gerade dein Vorteil. Denn wenn du diese Welt verlässt, lässt du nichts Wertvolles hinter dir. Das Schlechte ist minderwertig.

Nur die Gnade rettet uns aus diesen Orten der Vergänglichkeit, aus dieser Welt, zu der wir gehören – niemand sonst. Aber wir sind gerettet! Wir haben das Heil empfangen in vollem Umfang. Erfassen wir doch diesen Gedanken in aller Klarheit! Verstehen wir ihn doch deutlich!

Manche Wahrheitssucher wollen auch wissen, ob der Gerettete, wenn er seinen Körper verlässt, sofort gerettet wird. Darüber kann kein Zweifel bestehen. (Denn es ist klar,) dass die sichtbare Gestalt, wenn sie gestorben ist, nicht gerettet wird, wohl aber die in der sterblichen Gestalt befindliche lebendige Gestalt. Sie ist es, die aufersteht. Was also ist die Auferstehung? Es ist das Sichtbarwerden derer, die auferstehen.

Du brauchst dich nur des Evangeliums zu erinnern, wo du liest, dass Elias erschien und mit ihm Moses, um zu wissen, dass die Auferstehung kein Hirngespinst ist. Sie ist kein Hirngespinst, sondern eine Tatsache. Im Gegenteil: eher ist die Welt ein Hirngespinst als die Auferstehung, die durch unseren Herrn und Erlöser, Jesus Christus, geschehen ist.

Worauf läuft nun eigentlich meine Belehrung hinaus? Alles, was lebt, stirbt. Die Menschen leben in einer großen Illusion. Aus reich wird arm, die Throne stürzen. Alles verändert sich. Die ganze Welt ist eine Illusion. Aber ich will mich nicht mehr als nötig über diese Wirklichkeit auslassen. Die Auferstehung jedenfalls ist nicht von dieser Art. Ihre Wahrheit steht fest, ebenso, dass, was wirklich existiert, offenbar werden wird, dass die Dinge sich verwandeln und in eine neue Daseinsform übergehen werden. Denn die Unvergänglichkeit senkt sich herab auf das Vergängliche und das Licht strahlt herab auf die Finsternis und verschlingt sie. Die Fülle der Fülle beseitigt den Mangel. Das sind die Merkmale und Wahrzeichen der Auferstehung. Das ist es, was vom Guten bewirkt wird.

Gib daher das Wissen preis, das nur Stückwerk ist, Reginus, und wandle nicht nach dem Fleisch, sondern verlasse, was Stückwerk ist – so wirst du die Auferstehung gewinnen. Sogar derjenige, der sterblich ist, weiß von sich selbst, dass er sterben muss. Auch wenn er viele Jahre im Leben verbracht hat, ergreift ihn schließlich der Tod. So wisse doch auch du, dass du auferstanden bist und dass dich die Auferstehung ergriffen hat. Jener weiß, dass er sterben muss. Aber du, der du die Auferstehung hast, kannst dich doch nicht weiter so verhalten, als ob du sterben müsstest. Eine solche Torheit würde ich dir nicht hingehen lassen. Ein jeder muss sich in mehreren Lernschritten üben, bevor er von den ersten Lektionen befreit werden kann. Dann aber braucht er nicht mehr in die Irre zu gehen, sondern kann sich selbst empfangen, so wie er im Ursprung war.

Diese Erkenntnis nun habe ich empfangen von meinem Herrn Jesus Christus, der selbstlos alles verschenkt. Ich habe sie dir und deinen Brüdern, meinen Söhnen, übertragen. Nichts habe ich euch vorenthalten, was irgend zu eurer Stärkung dienen könnte. Habe ich aber etwas geschrieben und verkündigt, was allzu tief ist, so will ich es gerne weiter erklären, wenn ihr danach fragt. Nun aber sei nicht neidisch auf jemanden in deiner Gruppe, der vielleicht dabei helfen könnte. Viele werden gemeinsam ihre Aufmerksamkeit auf das richten, was ich dir geschrieben habe. Diesen zeige ich, wie sie Frieden untereinander halten und die Gnade empfangen können. Ich grüße dich und alle, die euch brüderlich lieben.

Text: Übersetzung von Konrad Dietzfelbinger
Gemälde: Hermann Stenner (wikipedia)
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