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Vom Sinn des Todes

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152 Seiten, broschiert
15,00 EUR
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Wir existieren. Aber können wir es erfassen? Das lateinische Wort exsistere bedeutet heraustreten. So könnte man sagen: Wir sind herausgetreten. Aber aus welchem Hintergrund?

Ängste verdecken den Hintergrund unseres Daseins. „Er ist ein Abgrund”, suggerieren sie uns. Wenn Krankheiten kommen und schließlich der Tod, erhebt sich indes die Frage: Bleibt etwas übrig von mir?

Das Bewusstsein verhält sich so, als würde es immer existieren. Tot sein, nicht mehr da sein, das kann das Bewusstsein nicht erfassen. Der Körper zerfällt. Das können wir begreifen. Aber tot sein, nicht mehr vorhanden sein – das vermögen wir uns nicht vorzustellen.

Die Naturwissenschaft geht davon aus, dass das Leben körperliche Formen benötigt, wie wir sie kennen. Wenn die Formen zerfallen, löst sich das Leben auf, schlussfolgert man. Doch schon die Nahtoderlebnisse sprechen eine andere Sprache. Die Berichte darüber weisen auf eine Existenzform außerhalb des Körpers hin. Komapatienten schilderten Beobachtungen, die sie während der Bewusstlosigkeit ihres Körpers gemacht haben. Und es stellte sich heraus, dass die Beobachtungen stimmen. Das deutet darauf hin, dass Leben nicht an unseren derzeitigen Körper gebunden ist. Die heiligen Schriften der Völker bestätigen das.

Wir sind unvollkommen, unvollendet. Das erleben wir täglich. Die heiligen Schriften sprechen von der Vollkommenheit. Das Evangelium der Wahrheit, eine gnostische Schrift aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, erklärt, dass Gott die Vollkommenheit in sich beschlossen hält, um sie den Seelen zu verleihen, die zu ihm zurückkehren. Im Matthäusevangelium heißt es: „Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.”

Die Natur hat uns in langer Evolution hervorgebracht. Und die Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Vieles spricht dafür, dass ihr göttlich-geistige Impulse zugrunde liegen. Auf dem langen Weg haben wir ein Selbstbewusstsein errungen. Damit können wir Entscheidungen treffen. Wir haben die Chance, einen Weg einzuschlagen, auf dem sich Geistig-Seelisches entfaltet.

„Stirb und Werde” wurde einmal als Leitmotiv für einen solchen Weg formuliert. Begleitet uns das Sterben nicht fortwährend? Jeder Moment nimmt den vorherigen hinweg. Niemand kann in einem Moment verweilen. Stets verschwindet, was in die Existenz kam – und Neues tritt hervor.

Unser Bewusstsein kann sich dem öffnen, wie nie zuvor. Es kann das Werden erleben. Das wird möglich, wenn wir den inneren Beobachter entdecken, der unverändert bleibt. Ihm können wir Raum geben. Dazu müssen wir einen Weg beschreiten, der eine Revolution in unserem Leben bedeutet. Wenn uns das gelingt, werden wir offen für die Macht des Moments und dessen Reichtum. Wir lassen los. Der aktuelle Moment bedeutet Umbruch und Erneuerung. Warum sollten wir am vergangenen festhalten?

Auf diese Weise vereinen wir den Tod mit dem Leben. Das Leben benötigt das Vergehen. Durch Vergehen wird Wandlung möglich, der Entwicklungsweg des Menschen. Die Blüte zerfällt, damit die Frucht entstehen kann.

Es mag bitter sein, den Zerfall des Körpers zu erleben. Schmerz und Trennung gehen damit einher. Doch schauen wir tiefer. Die geistig-seelische Dimension in uns erweist sich als unsterblich. Sie bildet den Hintergrund unseres Daseins. Wir können – bereits im täglichen Leben – das Sterben in unser Bewusstsein aufnehmen: als ein Loslassen von Moment zu Moment. Bewusst erleben wir dann, wie Neues hervortritt. Und die Gewissheit entsteht, dass es auch der Fall ist, wenn der Körper eines Tages seine Funktionen nicht mehr erfüllen kann. Der „Andere” in uns, der lange Zeit stiller Beobachter war, zeigt sich in anderer Umhüllung.

Schon das tägliche, fortwährende Sterben (und das sich selbst neu Gewinnen) führt zu einer Einweihung in das Leben. Das griechische Wort teleutan bedeutet sterben; das Wort teleisthai, das den gleichen Wortstamm besitzt, heißt: in die Mysterien eingeweiht werden. Dieser Zusammenhang macht deutlich, dass das Leben uns mit Hilfe des Sterbens in seine Geheimnisse einweihen will. Grenzenloses eröffnet sich, wenn Begrenztes wegfällt. Wir erhalten einen Eindruck von seelischen Wirklichkeiten, die unabhängig von unseren Körpern bestehen.

Die Welt der Seele folgt ihren eigenen Gesetzen. Das Werden, der Entwicklungsweg geht in ihr weiter. Staunen, Verwunderung, Vertrauen können unsere Begleiter werden. Staunen über nicht endenden Reichtum. Staunen über das Leben, das sich selbst nur als Leben kennt und nichts weiß von einem „Tod”.

Wir haben in dieser Broschüre Einsichten von Dichtern und Denkern zusammengestellt, um einen Anstoß zu geben, den Sinn des Todes zu ergründen.