Selbsterfahrung

Wie Wolken – schwerelos

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Der Himmel ist übersät mit unzähligen weißen Wölkchen. Leicht, wie schwerelos ziehen sie über den blauen Himmel. Einige Schwalben segeln unter ihnen hinweg in eben der gleichen Leichtigkeit.

Und wir, die wir da hinauf blicken, fest auf dem Boden verankert, wünschen uns manchmal, so zu sein wie sie. Oder wenn wir im Flugzeug hoch über den Wolkenfeldern im Sonnenschein dahin gleiten. Ein Erlebnis, das nur mit Hilfe der Technik möglich ist. Dann ist es wie eine Erinnerung, ein leises Ahnen und ein Fragen:

Könnte es denn auch für uns selbst so etwas geben, eine solche Leichtigkeit, und Schwerelosigkeit?

Wie sehr drückt uns doch das Leben manchmal nach unten, wie sehr spüren wir die Schwere unserer eigenen Gemütslage, die Last des Alltags. Wie oft wähnen wir uns gefangen in einem gigantischen Netz von Geschehnissen. Könnte es nicht ganz anders sein?

Ja, das könnte es. Doch dann muss auch die Sehnsucht danach groß genug sein. Unser ganzes Herz muss sich weiten und wie eine feine Antenne werden, um aufzufangen, was uns in die eine Richtung weist: in das Licht eines neuen Lebens.

Das Verlangen nach einem neunen, befreienden Leben macht sich nämlich ausschließlich im Herzen bemerkbar. Hier ist der Ort,  von dem Saint Exupery sagte, dass man nur mit ihm gut sehen könne. Es ist zunächst das Herz, das sich mit einer neuen, unbekannten geistigen Dimension  verbinden kann. Und wenn dann die gewöhnliche Welt mit den ihr eigenen Gesetzen durchschaut wird, erfolgt allmählich die Distanzierung von allen ihren Verlockungen. Man wird nicht mehr nach allen Seiten hin gezogen und gezerrt. Der Fokus des Bewusstseins ist auf die geistige Ebene gerichtet, und so erfolgt die Reinigung des Herzens von allen niederen Begierden. Dadurch kehrt Ruhe ein im eigenen Innern. Und mit der inneren Ruhe beginnt so etwas, wie die „Leichtigkeit des Seins”. Das gereinigte Herz erlebt die eine, wahre Liebe, die den Menschen über alle Begrenzungen hinweg erhebt.

Es ist, als würde die Seele sich schwerelos in der Welt von Raum und Zeit bewegen und darauf warten, sich für immer mit der Welt des Geistes zu verbinden.

Foto: Hermann Achenbach