Kultur

Klang der Weltseele

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Die Stiftung Rosenkreuz veranstaltet am 30. und 31. Mai 2015 im Rahmen einer Sommerakademie in Birnbach/ Ww., Auf der Höhe 6, ein Symposium mit dem Thema „Klang der Weltseele – Spirituelle Wege im 21. Jahrhundert” mit der Sri Aurobindo-Bewegung, dem Sufitum, der Foundation for Higher Learning sowie dem Lectorium Rosicrucianum.

Zur Anmeldung geht es hier.

Hat je ein Mensch sich zur Weltseele geäußert? Gern wird der Begriff verwendet, als wäre er für jeden selbstverständlich. Die Spur und der Klang der Weltseele reichen weit zurück zu den alten Griechen. In diesem Blog wird der Versuch unternommen, dem Klang der Weltseele näher zu kommen.

Im Altertum war Pythagoras einer der ersten Menschen, der etwas hörte, was wir heute nicht mehr hören:

Die Harmonie der Sphären.

Heute spricht man von Hintergrundrauschen.

Pythagoras verkündete „Unsterblichkeit und Seelenwanderung”. Er kannte den Lauf der Gestirne. Er hörte die Harmonie der Sphären. War er hellhörig? Sehr wahrscheinlich. Er erlebte ein seelenbewegendes Geschehen mit seinem inneren Ohr.

Cornelius Cicero sagte: „Von der Musik wird alles erfasst, was lebt, da sie die Seele des Himmels ist.”

Musik gründet auf Schwingung, Ton und Zahl. Die Welt der Töne wird ebenso wie die Welt der Farben und Formen von Schwingung und Zahl geprägt. Der Zusammenhang zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos ist durch harmonisch geordnete Zahlen darzustellen.

Da Zahl, Ton und Musik eng verbunden sind, wird die Vorstellung der alten Völker von einer Harmonie der Sphären neu verständlich. Die Zahlen sind keine Rechenelemente, sondern markieren Qualitäten, Urkräfte und Ideen, die unser Leben prägen. In diesem Sinne haben alle Wesen ihren Klang, ihre Zahlen und Qualitäten, die ganz individuell sind.

Noch im Mittelalter war die Harmonie der Sphären noch ganz allgemein anerkannt. Man unterschied in:

1) Musica mundana       =              Musik des Weltalls

2) Musica humana        =               Gesang des Menschen

3) Musica instrumentalis    =        Instrumentalmusik

Viel später schrieb Eichendorff:

„Schläft ein Lied in allen Dingen

Die da träumen fort und fort

Und die Welt fängt an zu singen

Triffst du nur das Zauberwort.”

Das Zauberwort entspricht der Schwingungszahl, die dem menschlichen Astralkörper mit den Schöpfungen des Kosmos verbindet.

Zwei Jahrtausende nach Pythagoras formuliert Johannes Kepler:

„Die Schöpfung bildet eine wunderbare Symphonie. Die höchste Harmonie ist Gott, und er hat allen Seelen eine innere Harmonie als sein Bild eingepflanzt. Das harmonische Objekt, die Kugel, stellt gleichfalls die Dreieinigkeit dar: „Der Vater ist das Zentrum, der Sohn die Oberfläche, der Geist die Abstände des Zentrums von der Oberfläche.”

Ohne Seelen wird keine Harmonie sein. Die Erde ist beseelt, und dadurch wird große Harmonie sowohl auf Erden als auch zwischen ihr und den Gestirnen hervorgebracht.”

In seinem Buch „Weltharmonie” beschreibt er die Erdkugel wie den Körper eines Tieres. Was beim Tier die Seele ist, ist bei der Erde die „natura sublunaris”  die Beseelung im schöpferischen Prozess, die auch Auswirkungen auf das Wetter hat. Wie es mit der Seele der Erde ist, so ist es auch mit der Seele des Menschen, schreibt Kepler in seiner Schrift „Kometenbuch”.  Die Harmonie, so fühlte er, ist die Einheit und das Band des Ganzen, der Schmuck der Welt, die Krone der Schöpfung.

Goethe beginnt  im Prolog zu Faust:

Die Sonne tönt, nach alter Weise,

In Brudersphären Wettgesang –

Und im 2. Teil:

Tönend wird für Geistesohren

Schon der neue Tag geboren.

Das kann man vielleicht „schwärmerische Einbildung” abtun! – Oder wir verneigen uns verehrend vor den großen Geistern der Menschheit.

Bruno Walter, ein Dirigent des 20. Jahrhunderts, vor dem 2. Weltkrieg u.a. in Berlin, Leipzig und an der Wiener Staatsoper tätig, wurde international berühmt in New York und in Kalifornien. Er schreibt als Praktiker in seinem Buch „Von der Musik und vom Musizieren”, dass die Urmusik der Sphärenklänge, wie von Pythagoras und Kepler betont, für sinnliche Ohren nicht ohne weiteres hörbar sind. Aber er sei zu der Überzeugung gelangt, dass er aus solch hohem Ursprung das Werden und Wesen der Musik als elementare Macht über die Seelen der Menschen kennenlernen und begreifen konnte. Seit seiner Urexistenz war der Mensch dem Einfluss jener Sphärenmusik ausgesetzt. Sein Organismus schwang in den klingenden Vibrationen und empfing diesen Rhythmus. Von Natur aus müsse also der Mensch musikalisch sein. Walter erkennt aus diesem Zusammenhang die Musikhaftigkeit des Kosmos. Die Entwicklung der Musik führt er auf die Seelenentwicklung des Menschen zurück und ihr folgt die Entfaltung seiner inneren Anlagen auf anderen Kulturgebieten. Und gerade die Schaffung der großen musikalischen Kunstwerke wirft ein Licht auf die Schöpfungskraft, die auch dem Menschen zur Verfügung steht. Musik ist Seelensprache. Seelensprache setzt transzendente Kräfte voraus. Der Bildhauer formt sein Kunstwerk aus kristallinem Material. Der Komponist schafft sein Werk aus lebendigen nichtmateriellen Tönen. So erklingt Musik aus der Phantasie des Komponisten zugleich als überpersönliches unirdisches Eigenwesen.  Bach und Mozart haben unzweifelhaft aus den höchsten Schwingungen geschöpft. Und bei Beethoven klingt es feierlich:

„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre – Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort.”

So ist Musik, in deren zeitlichem Erklingen ihr ewiges Wesen als sphärischer Urlaut mitschwingt, nicht nur Kunst und kulturelles Gut, sondern auch eine Botschaft aus außerirdischen transzendenten Regionen, die uns auf unsere höhere Abkunft hinweist.  Walter glaubte, dass dem Menschen kein unmittelbarerer Zugang zum Erahnen des Logos und seines Wirkens gegeben ist als durch die Musik, die von einem göttlich schöpferischen und ordnenden Wesen tönende Kunde gibt.

Die Rosenkreuzer singen:

Oh Wahrheit, Braut der Zeiten,

die singend Lächeln webt

und die voll klarer Freuden

in unser Wesen schwebt!

Dein weites lichtes Glänzen

Dein perlend helles Lied

Hebt uns zu Himmelsgrenzen

Zum ewigen Gebiet.

Ludwig Achim von Arnim schrieb:

Wo die Kunst eine einige Natur wird, da ist mein Reich;

Da treibe ich Wurzeln in die Unendlichkeit:

In die Vergangenheit bis zum Ursprung,

In die Zukunft bis zur Erneuerung der Welt;

Da ist mein Vaterland.

Abschließend kommt noch einmal Pythagoras zu Wort, in dem er in vollkommener Klarheit die Qualität des Dreiklanges zwischen Geist, Seele und Körper verdeutlicht, auf der Basis der Freundschaft, der Brüderlichkeit:

„Freundschaft der Götter mit den Menschen durch Frömmigkeit und wissende Verehrung, Freundschaft der Lehren untereinander und überhaupt Freundschaft der Seele mit dem Leibe, Freundschaft des Vernunftbegabten mit den Arten des Vernunftlosen durch Philosophie und die ihr eigene geistige Anschauung. Freundschaft der Menschen untereinander, Freundschaft unter Mitbürgern durch Gesetzestreue, die den Staat gesund erhält, Freundschaft Verschiedenstämmiger durch richtige Naturerkenntnis, Freundschaft zwischen Mann und Frau, Kindern, Geschwistern und Hausgenossen … Freundschaft des sterblichen Leibes in sich selbst, Befriedung und Versöhnung der einander entgegenwirkenden Kräfte, die in ihm verborgen sind.”

Abb.: Büste des Pythagoras (Wikipedia)
1 Kommentar
  • Gerd MüllerBeantworten

    Es war eine super Veranstaltung! Alles hat gestimmt: Die Rahmenbedingungen wie die tolle Örtlichkeit; die Inhalte, die Menschen und Vortragenden... Verbundenheit in der Andersartigkeit und Vielfalt gemeinsam zu erleben; hier geht es lang und hier ist die Zukunft: Netzwerk, Demut, Toleranz, Respekt für die verschiedenen Wege/Konzepte wieder nach Hause zu kommen...

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