Der Klang der Weltseele

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Die Stiftung Rosenkreuz veranstaltet am 30. und 31. Mai 2015 im Rahmen einer Sommerakademie in Birnbach/ Ww., Auf der Höhe 6, ein Symposium mit dem Thema „Klang der Weltseele – Spirituelle Wege im 21. Jahrhundert” mit der Sri Aurobindo-Bewegung, dem Sufitum, der Foundation for Higher Learning sowie dem Lectorium Rosicrucianum.
 
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Hat je ein Mensch sich zur Weltseele geäußert? Gern wird der Begriff verwendet, als wäre er für jeden selbstverständlich. Die Spur und der Klang der Weltseele reicht weit zurück. Beginnen wir bei den alten Griechen.
 
Platon 427 – 347 v. Chr.
 
Um dem Begriff der Weltseele näher zu kommen, der oft in der Literatur zu finden, aber dessen Definition nicht so einfach historisch herzuleiten ist, möchte ich zuerst einen Blick auf Platons Schriften werfen, zumal Platon den Seelenbegriff in seiner Philosophie als Grundlage ansieht. In den Schriften seiner mittleren Schaffensperiode formuliert er seine Ideenlehre. Sie soll die zuverlässige Basis für wirkliches Wissen schaffen. Solches Wissen kann sich nach Platons Überzeugung nicht auf die sich verändernden Objekte der Sinneserfahrung gründen, sondern nur auf unkörperliche, unveränderliche und ewige Gegebenheiten einer rein geistigen, der Sinneswahrnehmung unzugänglichen Welt. Diese Welt ist die Welt der „Ideen”. In ihnen sieht er die Ur- und Vorbilder der durch die Sinne wahrnehmbaren Dinge. Der Seele, deren Unsterblichkeit er erklärt, schreibt er eine Teilhabe an der Ideenwelt und damit einen Zugang zur dort existierenden absoluten Wahrheit zu. Wer sich durch philosophische Bemühungen dieser Wahrheit zuwendet und die damit zusammenhängenden Beziehungen und Prozesse studiert, kann seine wirkliche Bestimmung erkennen. Das Wesen der Seele ist für Platon grundlegend für das Sein und das Verständnis der Existenz einschließlich des Kosmos.
 
Ausgiebig lässt Platon Sokrates im Dialog mit Phaidros die Natur der Seele erklären. Sie ist sowohl als göttliches und als menschliches Wesen zu begreifen: „Jede Seele ist unsterblich, denn das stets Bewegte ist unsterblich.” Hier wird glasklar die hermetische Herkunft Platons Philosophie deutlich.
 
Platons Schriften beschreiben die Seele des Alls. Der Begriff „Weltseele” findet sich nicht. In seinem Sinne versorgt das „All der Seelen” das unbeseelte All. Es ordnet sozusagen den Himmel. Sokrates führt im Phaidros aus, dass die Seele, solange sie sich noch in vollkommener Weihe befindet, befiedert ist: Die geflügelte Seele. Nach griechischer Vorstellung deutet das Gefieder die Kraft an, das Schwere nach oben zu führen und Teil zu haben am Göttlichen.
 
In seinem Werk „Timaios” kommt Platon dem Begriff der Weltseele näher (verwendet ihn allerdings nicht), indem er Timaios aussprechen lässt: „…Gott bildete die Vernunft in eine Seele und die Seele in einem Körper ein und fügte so aus ihnen den Bau des Weltalls zusammen, um so naturgemäß das möglichst schönste und beste Werk vollendet zu sehen.” Und nun postuliert er den Begriff „Weltseele”, ohne Verwendung des Wortes, in dem er Timaios sagen lässt: Und so darf man es denn mit Wahrscheinlichkeit aussprechen, dass diese Welt als ein wirklich beseeltes und vernünftiges Wesen durch Gottes Vorsehung entstanden ist.”
 
An anderer Stelle verortet er gewissermaßen die Seele als eine dritte Art von Wesenheit, welche die Mitte hält zwischen der Gottesnatur und der anderen. Er stellt die Seele in eine Reihe hin, sodass unter den Wesen die Seele die Mitte zwischen dem Unteilbaren und dem an den Körpern haftenden Geteilten einnimmt.
 
In seinem Werk „Gastmahl” beschreibt Platon, ob Eros, der Gott der Liebe eher der göttlichen oder der menschlichen Sphäre zuzuordnen sei: „Eros ist ein Mittelwesen zwischen Sterblichen und Unsterblichen, d.h. ein großer Dämon, ein Mittelwesen zwischen Gott und Mensch. Seine Aufgabe sei Dolmetsch und Bote in beiden Richtungen.” In der griechischen Mythologie wird ein Daimon als ein Wesen bezeichnet, das nicht stofflicher Natur aber auch nicht göttlicher Natur ist und nicht die heute verbreitete negative Bewertung des „Dämonischen” hat.
 
Zur Charakterisierung des Seelischen sei nochmal Timaios zitiert: „Der Körper der Welt wurde sichtbar, die Seele selbst aber unsichtbar, was sie eben erst zur Seele macht. Sie ist der Vernunft und Harmonie der reinen Gedankenwelt teilhaftig und so durch den edelsten Schöpfer das edelste von allem Geschaffenen.” Die Harmonielehre ist, wie der Seelenbegriff, Basis platonischen Denkens.
 
Die Begriffe der Harmonie und des Sphärenklanges gehen auf Pythagoras zurück. Bereits Heraklit (500 vor Chr.) lässt das Widerstrebende sich aus entgegengesetzten Tönen zur schönsten Harmonie vereinen. Und Boethius (um 500 nach Chr.) stellt die Trinitäts-Theorie der Musik auf:
 
* 1. Die kosmischen Harmonieverhältnisse (musica mundana)
* 2. Die Harmonie zwischen Seele und Körper (musica humana)
* 3. Die Harmonie des instrumentellen Musizierens (musica instrumentalis)
 
 
Plotin 205 – 270 nach Chr.
 
Plotin nimmt in seinem umfangreichen Werk als Ausgangspunkt bei seinen Betrachtungen zur Seele den „Mythos vom Seelenabsturz in das Stoffliche”, das Platon in seinem Phaidros beschreibt: „Da fahren die Götterwagen wohlgezügelt…, aber das mit Schlechtigkeit behaftete Ross… drückt schwerfällig zur Erde hinab.”
 
In seiner Schrift „Über die 3 Hypostasen” führt Plotin (angesichts des Seelenabsturzes) aus, dass die Seelen Gott, ihren Vater vergessen haben…und sich selbst und ihn nicht mehr kennen. Das Übel beginne mit dem Übermut der Seelen, ihrem Eintritt in das Werden, ihrer ersten Verschiedenheit und der Tatsache, dass sie sich selbst gehören wollen. Hier deutet Plotin die Egozentrik an. Plotin gipfelt in der Aussage: „Wenn du die Seele in einem anderen bewunderst, so bewunderst du dich selbst.”
 
Das Dilemma vielleicht aber auch das Wunder der Seele ist, da sie unsterblich, ist sie in ihrer Wirkkraft nicht zersplittert, haftet aber nun einem Körper, einer Stofflichkeit an, die abgeschnitten, reduziert, unvollständig, nicht in der Einheit ist. Die Seele bleibt aber mit dem Einen verbunden. Und das ist der Grund, dass die Welt als ein Gott bezeichnet werden kann. Dies gilt ebenso für die Sonne und andere Gestirne.
 
Plotin: „Die Seele ist eine so wertvolle, ja göttliche Angelegenheit, -verlass dich nunmehr auch darauf – dass etwas Derartiges seinen Weg zu Gott machen wird und steige gemeinsam mit einer solchen Ursache auf zu ihm… Die Seele ist ein Abbild des Geistes! Dies gilt nur solange sie sich nicht absichtlich abwendet. Der Geist ist bei Plotin und Platon Vater der Ursache und Weltschöpfer und dieser erschafft in dem bekannten Mischkrug die Seele. Demnach ist auch unsere Seele etwas Göttliches, etwas, was zu einer anderen Natur gehört… Und Plotin zitiert wieder Platon, dass der Schöpfer beim All von Außen noch eine Seele herumlegt, womit er darauf hinweist, dass ein Seelenteil immer im geistig Erkennbaren bleibt. Die Seelenwesen sind damit ständig aus dem Geist schöpfend in der ihnen eigenen Weise aktiv:
 
* im Geist
* in dem was vor dem Geist ist (immer in sich selbst)
* und als die Seele, das Immer-Bewegte.
Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (18. Jh.) konkretisiert die Seelendefinition:
Die Weltseele ist verständiger Äther und das umschreibt etwas weit allgemeineres als was gewöhnlich mit Licht bezeichnet wird. Während Platon sehr technisch sagt: „Die Seele des Alls ist ein organisierendes Prinzip”, formuliert Schelling 2 Jahrtausende später: „Sie ist die allgemeine und allzeitige Weisheit und die königliche Seele des Ganzen.”
 
Das Thema wird fortgesetzt.
 
aus Gemälde: Raffael – Die Philosophieschule von Athen
 
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