Weltanschauungen

Was sagt mir das Tarot? Teil 1

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Die Herkunft des Tarot ist nicht endgültig geklärt. Es scheint altägyptischen und jüdischen Ursprungs zu sein. Der Legende nach ist das Tarot vor einigen tausend Jahren in Ägypten entstanden, als das Reich vor der Bedrohung stand, zerstört zu werden. Die Weisen des Landes wollten ihr Jahrtausende altes Wissen vor der Vernichtung bewahren. Man einigte sich schließlich darauf, das gesamte Wissen auf Spielkarten zu zeichnen, um es dem Volk übergeben zu können. Auch wenn dies keine sehr anspruchsvolle Art der Übermittlung war, versprach sie doch zu überdauern.

Das Wort Tarot von hinten gelesen führt zu Tora, was Gesetz bedeutet. Schreibt man dieses Wort im Kreis und liest es von unten im Uhrzeigersinn, bekommt man das Wort Rota. Das ist ein Hinweis auf die ewige Rotation des Weltalls, des Kosmos sowie des Mikrokosmos.

Das Tarot besteht aus 78 Karten. Davon werden 22 Karten als das große Arcana bezeichnet. Sie stehen im Mittelpunkt dieser Betrachtung. Jede Karte des großen Arcana trägt das Bild eines Menschen, eine Bezeichnung und einen hebräischen Buchstaben. (Das hebräische Alphabet besteht aus 22 Buchstaben.) In das Wissen des Tarot fließen psychologische, kabbalistische und astrologische Elemente ein. Es wurde im Mittelalter in Europa durch das Volk der Juden und durch die Zigeuner bekannt gemacht.

Auch heute noch wird das Tarot, ebenso wie das I Ging, das auf der Weisheitslehre des alten China beruht, als Spiel verwendet.

Warum wurde die Weisheit des Tarot in Bildern weitergegeben?

Die meisten Menschen früherer Zeiten konnten weder schreiben noch lesen. So wurden ihnen Inhalte durch Erzählung und durch Bilder, Embleme und Farben vermittelt.

Welche Symbole enthalten die Bilder des großen Arcana?

Die vier Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde sind auf den Karten als Zepter, Schwert, Münze und Kelch dargestellt. Die gemalten Personen sind durch verschiedene Farben ihrer Kleidung gekennzeichnet. Die Farbe rot weist auf das göttliche Feuer des Geistes hin. Der Geist ist in der materiellen Welt unsichtbar, mit keinem Sinnesorgan wahrnehmbar. Darum benötigt der er ein Offenbarungswerkzeug, den Menschen. Durch ihn kann er sich als Idee, Gedanke oder als Wissen manifestieren.

Die gelbe Farbe ist die des Verstandes. Die grüne symbolisiert Sympathie, Wohlwollen und Freundschaft. Die blaue Farbe reine, Liebe, die den Menschen führt.

Mit diesen Emblemen, der farbigen Kleidung und einer bestimmten symbolischen Umgebung sind die 22 Figuren des großen Arcana dargestellt.

Da gibt es zum Beispiel den Magier, die Hohepriesterin, den König und die Königin, einen Scheideweg, einen Triumphwagen, ein Schicksalsrad, den Tod, den Teufel, die Sterne, den Mond, die Sonne, das Gericht und die Welt. In jeder dieser gezeichneten Momente wird das Schicksal des Menschen auf einer bestimmten Stufe deutlich gemacht. Dabei geht es stets um das Ringen der geistigen mit den materiellen Bestrebungen und Entwicklungen im Menschen.

Die Bezüge gehen bis in die seelische Verfassung hinein.

Zur Veranschaulichung einige Beispiele, die deutlich machen, dass von der ersten bis zur 22. Karte ein Einweihungsweg angestrebt, gegangen und auch vollendet wird.

Der Magier (Karte Nr. 1 ) Buchstabe: Aleph

Der Magier hat viele Vermögen, ist sich ihrer aber noch nicht bewusst und kann sie noch nicht nutzen. Seine Person bleibt in der sichtbaren, materiellen Welt. Allerdings kennt er schon den inneren, göttlichen Wert aller Dinge, so dass er sich im Materiellen nicht mehr verlieren kann. Er kann männlich oder weiblich sein.

Der Scheideweg (Karte Nr. 6) Buchstabe: Vau

Das Schicksal bringt jeden Menschen einmal an einen Scheideweg. Er muss sich entscheiden zwischen der Himmelsgöttin und der selbstsüchtigen Berechnung ohne Geistkraft. Letztlich entsteht die Frage, ob der Mensch seiner inneren Überzeugung folgt. Beide Wege führen zu Gott.

Gerechtigkeit (Karte Nr. 8) Buchstabe: Geth

Der Träger führt das Schwert des Urteils. Es ist gleichzeitig ein Zeichen für das Unterscheidungsvermögen. Mit der Waage, die er hält, wird abgewogen, denn der Mensch muss Ordnung in sich schaffen, um ins Gleichgewicht zu kommen.

Aus Schmerz muss Erfahrung werden. Das Schicksal ist die Widerspiegelung seines Selbstes.

Das Schicksalsrad (Karte Nr. 10) Buchstabe: Jod

Das Bild zeigt, dass der Mensch den Problemen, die er lösen muss, nicht davonlaufen kann. Wenn er lernt, was er lernen muss, wird er zu höherer Wahrheit aufsteigen. Er läuft jetzt vor den Schwierigkeiten seines Lebens nicht mehr weg. Vielmehr vermag er seelisch und geistig Nahrung daraus ziehen. Er betrachtet all seine Angelegenheiten so, als ob sie einer anderen Person angehörten. Es gelingt ihm dadurch, die Dinge zunächst vom geistigen und danach erst vom Standpunkt der Gefühle aus zu betrachten und zu erleben.

Fortsetzung folgt

Quelle:

Tarot, erläutert von Elisabeth Haich,

Drei Eichen Verlag, ISBN Nr. 3-7699-0349-8

Abb.: Aus dem Visconti-Sforza Tarot (Wikipedia)

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