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Was sagt mir das Tarot? Teil 2

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Der Tod (Karte Nr. 13) Buchstabe: Mem

Mit Hilfe des Todes kann das wahre Leben gefunden werden. Der GEIST, das Ewige im Menschen, muss dazu im Menschen erwachen. Er muss von ihm Besitz ergreifen. In diesem Sinne sind Körper und GEIST gegensätzliche Kräfte, die in unserer Sphäre der Dualität wirken. Es entsteht ein Kampf. Der Körper ist kein Selbstzweck, sondern ein Offenbarungswerkzeug. Der Mensch kann dabei über Egoismus und Isolation hinauswachsen, letztlich über sich selbst als Persönlichkeit. Der GEIST führt ihn in die Einheit, macht ihn selbstlos. Der Mensch lässt es geschehen, wirkt daran mit. Er weiß, dass nichts ohne Gottes Willen stattfinden kann.

Goethe sagt zur alchymischen Umwandlung:

Und so lang du das nicht hast,

diese: Stirb und Werde!

bist du nur ein trüber Geist

auf der dunklen Erde.

Der Teufel (Karte Nr. 15) Buchstabe: Semech

Durch seine Verbundenheit mit allen Elementen (Feuer, Wasser, Luft und Erde) ist der Satan Herr der Materie. Das durch den menschlichen Geist lebendig gewordene Gesetz der Materie ist der Satan. Er hat an sich keine eigene Existenz. Er kann nur im Menschen und durch den Menschen lebendig werden. Es ist also der Mensch, der dem Satan ein eignes Leben gibt. Aber dieser verneinende Geist kann den Menschen in die Verdammnis bringen.

Die Materie zeigt ihre Kraft im Selbsterhaltungs- und Arterhaltungstrieb des Menschen. Im Gegensatz zum Tier hat er den Verstand, mit dessen Hilfe er sich bewusst werden kann. Darum kann er Katastrophen und unvorstellbare Entbehrungen ohne wesentlichen Schaden überleben. Er kann aus seinen Naturbedürfnissen einen Selbstzweck machen und so Körper und Seele in Unordnung bringen und sich von der Materie versklaven lassen.

Der Mensch der Urzeit, der seinen Lebensschwerpunkt in der „Welt der unsterblichen Seelen” hatte, war ein androgynes Wesen, Mann und Frau in einer Person. Durch die materielle Teilung, die mit dem zusammenhängt, was man den Sündenfall nennt, entstand das Suchen und die Sehnsucht nach der Einheit mit dem anderen Geschlecht. Eigentlich will der Liebende mit dem Ich des anderen identisch werden. Aber der Körper steht dazwischen. Eine Einheit muss aber möglich sein, sonst würde sie der Mensch nicht wünschen. Aber nur im Geist und in der Seele sind die Einheit, die wahre Liebe, zu finden.

Der wahrhaft bewusst gewordene Mensch gebraucht seine Kraft als schöpferische Kraft, als geistige Kraft des schöpferischen Prinzips des Logos. Es ist die Kraft des Christusgeistes, durch den der unsterbliche (zweigeschlechtliche) „Seelenkörper” des Menschen erneut ins Leben gerufen werden kann.

Goethe sagt: „Von der Gewalt, die alle Menschen bindet, befreit sich der Mensch, der überwindet.”

Der Mond (Karte 18) Buchstabe Tsade

Der Mond trägt auf dieser Karte die Farbe blau als Andacht und Gottesglaube, die weiße Farbe für Reinheit und die gelbe für Verstand und Gescheitheit. Gelbe und rote Lichtstrahlen umgeben ihn. Aus den roten Lichtstrahlen fallen verschiedene Tropfen auf die Erde. Sie besagen, dass von diesem Mondwesen Wohlwollen und Menschenliebe auf alle Wesen ausgehen. Zwei Türme rechts und links im Bild stellen die beiden Säulen Jakim und Boas da, als Füße des Logos.

Zwischen den Säulen schlängelt sich ein Weg in Rot in die Ferne. Die Farbe Rot  weist darauf hin, dass es ein geistiger Weg ist.

Davor sind ein weißer und ein schwarzer Hund zu sehen. Sie sind die Hüter der Schwelle. Jetzt kommt es darauf an, ob das Bellen und Heulen der Tiere den Pilger noch in Angst und Schrecken versetzen können, denn dann beweist das, dass er sich wieder mit dem materiellen Bewusstsein verbunden hat. Aber er muss seine Triebe und Instinkte zurücklassen, sonst fällt er an den Anfang zurück. Auch die seelischen Bindungen muss er besiegen, sowie die persönliche Liebe.

Doch in diesem Punkt muss er keine Befürchtungen haben, denn er wird nie verlieren, was er je geliebt hat. Auch Trugbilder können ihn nicht mehr zurückhalten. Er verschwindet schließlich vor den Augen der irdischen Menschen, denn an dieser Schwelle verlässt er alles Irdische, erlebt vor seinem geistigen Auge alles, was in seinem Leben geschehen ist und geht in die rein geistige Welt hinüber. Er sieht in allen irdischen Erscheinungen nur das Bleibende und weiß, dass sein wahres Selbst mit seiner irdischen Erscheinung nichts mehr zu tun hat.

Die Quersummer der Zahl 18 ist die Neun. Die Neun bedeutet, sich selbst in den Hintergrund zu stellen und ausschließlich dem Göttlichen zu dienen.

Die Welt (Karte 22) Buchstabe Thau

Die Himmelskönigin steht in einem Kranz. Sie symbolisiert den kosmischen Aspekt, der über die materielle Seite des Kosmos herrscht. Der rote Schal, der um ihren Körper geschlungen ist, zeigt ihre hohe Geistigkeit. Der grüne Kranz, in dem sie steht, weist auf den unendlichen kosmischen Raum hin. Außerhalb des Kranzes stehen die Tierkreiszeichen Löwe, Stier, Engel und Adler. Der Mensch auf dieser Stufe wurde eins mit Gott. Er betet nicht mehr nach außen. Er weiß, das Göttlich ist in ihm. Die körperliche Scheinebene mit dem Schein-Ich wurde aufgegeben.

Das Schicksal hilft ihm durch Erfahrungen und Prüfungen. Sie bringen ihn sich selbst näher, wenn diese Prüfungen auch von noch so viel Leid und Schmerz begleitet sind. Auf dem langen Weg zum Selbst haben sich seine Sinnesorgane verfeinert, so dass er die Menschen vollkommen durchschauen kann. Aber er selbst leidet noch stark darunter, wenn er zusehen muss, wie seine Mitmenschen sich mit einer falschen Lebensweise zugrunde richten.

Die Menschen, Pilger, die an dieses Ziel gekommen sind, sind zur Quelle aller Liebe geworden. Ihr Bewusstsein ist eins geworden mit ihrem Sein und dessen Aufgaben.

Schlussbetrachtung:

Die Auseinandersetzung mit dem Tarot hat mir gezeigt, dass dem Menschen immer wieder ein Befreiungsweg gewiesen wird, zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlicher Form. So verhält es sich auch mit dem I Ging der Chinesen und den Upanischaden der Veden.

Jeder Mensch kann einen Befreiungspfad finden, und wenn er mit dem Herzen nach dem unbekannten Gott im Verborgenen sucht, werden sich ihm Türen dorthin öffnen.

Quelle:

Tarot erläutert von Elisabeth Haich,

Drei Eichen Verlag, ISBN Nr. 3-7699-0349-8

Foto "Mondfinsternis" von Christel Achenbach

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