Poesie Lyrik

Eine Sufi Geschichte über den Sinn des Lebens

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Es gibt viele Menschen, die mit sich und der Welt unzufrieden sind. Sie glauben, dass es ihnen nicht sehr viel besser gehe als einem Hund. Sie empfinden keine richtige Freude und keinen richtigen Schmerz. Andere Menschen sind ihnen zuwider, weil sie meinen, dass diese nur mit Dumm- und Halbheiten beschäftigt seien. Sie bemerken nicht, wie stolz und überheblich sie sind. Ein solcher Mensch sprach eines Tages zu sich: „Was soll das alles? Wer ist schuld an all dem Elend, das es auf der Welt gibt? Nichts hat einen Sinn. Ich werde hinausziehen, um die Welt zu verändern und herauszufinden, was es mit dem sinnlosen Leben auf sich hat.”

Er ging los und war erstaunt, dass es so viele unterschiedliche Wege gibt, den Sinn des Lebens zu suchen. Wohin sollte er gehen? So blieb er also stehen und sagte: „Ich werde die Erde nach dem Sinn des Lebens fragen, sie hat so viele Geheimnisse und Schätze in ihrem Bauch. Sie muss das Geheimnis des Lebens kennen.” Aber die Erde sagte: „Ich bin ebenso traurig wie du. Ich bin auf die Menschen angewiesen. Was tun sie nicht alles mit mir? Wie soll ich etwas vom Leben wissen, da ich doch all die Toten in mir trage?”

Der Mensch sagte sich: „Ich werde das weite Meer fragen.” „Ich kann deinen Wissensdurst nicht stillen”, antwortete ihm das Meer auf seine Worte. „Ich bin selbst durstig und sehne mich nach dem reinen Wasser der Flüsse.”

So dachte der Sucher: „Der Wind muss es wissen.” Doch der Wind sagte ihm: „Ich habe keine Macht, noch kenne ich mein Ziel. Ich wehe mal hier und mal dort und darf nirgendwo lange verweilen.”

„Dann weiß vielleicht das gefährliche Feuer, was es mit dem Sinn des Lebens auf sich hat”, sagte sich der Mann. Das Feuer jedoch streute sich Asche aufs Haupt, so wie es bei unglücklichen Menschen der Brauch ist, und erklärte ihm: „Wie soll ich dir antworten? Ich bin ebenso traurig wie du. Ich muss alles sinnlos verwüsten und sterbe, wenn ich nichts zu verbrennen habe.”

Nun fragte der Sucher die Sonne, den Mond und die Sterne. Die Sterne sagten ihm, sie seien ganz unwissend und auch der Mond konnte seine Frage nicht beantworten. Und die Sonne erklärte:

„Ich trage nachts schwarze Trauerkleidung und werde am Morgen vor Scham rot über die Verbrechen, die auf der Erde geschehen. Die Sterne sind wie glühende Kohlen auf meinem Haupt und die Bläue des Himmels ist nur die Weite einer geöffneten Tür. Die Vorbestimmung fasst mich am Ohr und wirbelt mich durch den Tagesablauf ebenso wie dich.”

Daraufhin wandte sich der Sucher wieder der Erde zu und fragte die Pflanzen und die Tiere, ob sie ihm den Sinn und Zweck des Lebens nennen könnten. Aber er traf nur auf Erstaunen. „Bist du nicht der, der für uns verantwortlich ist, du, das einzige Lebewesen, das mit Verstand und Vernunft ausgestattet worden ist? So hat es Gott uns von dir gesagt.”

„Ah”, dachte der Sucher, „so muss ich wohl den Verstand fragen.” Aber wie erging es ihm dabei? „Du hast wohl keinen Verstand, dass du mich nach so etwas fragst”, antwortete der Verstand. „Meine Antworten gelten nur den Ungläubigen etwas. Der Gläubige denkt mit dem Herzen.”

So fragte der Sucher, der inzwischen müde geworden war von dem vielen Suchen und Fragen, schließlich sein eigenes Herz. Aber das Herz sagte ihm sanft und traurig, dass es nur ein Diener und Abglanz der Sonne der Seele sei.

Völlig gebrochen kehrte der Mensch von seiner langen Suche nach Hause zurück, setzte sich vor sein Haus und kratzte sich verwundert am Kopf. Und da hörte er ganz plötzlich das Meer seiner eigenen Seele rauschen. Ungefragt sagte es: „Du hast vergeblich die ganze Welt durchforscht, bis du an mein Ufer gelangt bist. Du bist ein Teil von mir. Tauche in dir selbst unter und du findest, was du suchst.”

So warf sich der Mensch in das Meer seiner Seele, und als der Muezzin den Gebetsruf am frühen Morgen erschallen ließ, da konnte der Sucher auf einmal den Wert und die Schönheit aller Dinge erkennen, denn er stand sich selbst nicht mehr im Wege. Der Himmel seines Lebens begann wie eine Morgenröte zu leuchten.

1 Kommentar
  • Marko HuemerBeantworten

    Hi!
    Tolle Geschichte. Sie beschreibt wirklich gut, womit wir uns beschäftigen müssen um den Sinn des Lebens zu finden. Die Antwort: mit uns selbst! Wir müssen zuerst herausfinden, was wir sein wollen und auch wie wir sein wollen und uns dann auf den weg dahin machen. Diese Entscheidung können wir jeder Zeit treffen, doch müssen wir uns Zeit zum Überlegen nehmen.
    Hierzu würde ich dir gerne noch diesen Beitrag zeigen: http://www.markohuemer.com/der-sinn-des-lebens-warum-sind-wir-hier.html

    LG Marko

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