Religion Spiritualität

Aufbruch ins Unerwartete – ein Kommentar zur Symposiums-Broschüre

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Wie wirkt das Göttliche in die Menschheitsgeschichte und die Entwicklung des Individuums ein? Mit dieser Frage setzen sich zwei Vorträge aus der Sicht des indischen Weisheitslehrers Sri Aurobindo (Georg Stollenwerk) und der Geistesschule des Rosenkreuzes (Andreas Packhäuser) auseinander.

Wir begegnen dabei unterschiedlichen Sichtweisen: Die eine (Aurobindo) blickt in einer erhabenen Schau von oben auf das Weltgeschehen, zeigt die Evolution des Göttlichen auf; die andere (Rosenkreuz) blickt gleichsam von unten, von der Menschheit aus auf den Weg zum Göttlichen und thematisiert damit die Evolution des Individuums und der Menschheit.

Gott, so sieht es Sri Aurobindo, will sich in seiner Schöpfung ausdrücken und vervielfältigen. Alles muss ihm dienen, auch die Menschheit mit der Entfaltung von Bewusstsein und die Weltreligionen, die jeweils bestimmte Aspekte in der Gesamtentwicklung verkörpern und bestimmungsgemäß eine komplexe Einheit formen sollen. Leid wird dabei als ein göttliches Mittel der Bewusstwerdung und Transformation in einer im übrigen non-dualen göttlichen Evolution verstanden.

Andreas Packhäuser geht demgegenüber vor allem der Frage nach: Wie gehe ich als „Auf-dem-inneren-Weg-Befindlicher” mit spirituellen Darstellungen um, die sich in gewissem Ausmaß der rationalen Nachvollziehbarkeit mittels entsprechender Erfahrungen entziehen? Es wird der Weg über das Herz zum neuen, höheren Bewusstsein aufgezeigt.

Wer sich entsprechende philosophische Bezugssysteme erworben hat, kann den Gedankengängen gut folgen. Er wird den Evolutionsgedanken kennen, selbst wenn er nicht nur im Sinne Darwins, sondern auch spirituell begriffen wird. Er wird mit den verschiedenen Betrachtungsweisen vergleichend und systematisierend umgehen. Und er wird sich vielleicht, wie es im Geleitwort heißt, „eine fröhliche, unverbindliche Patchwork-Spiritualität basteln”.

Das Unerwartete indes ist die Erfahrung, dass über einen göttlichen Anknüpfungspunkt im Herzen etwas von der Erhabenheit bis zu uns, ja in uns hinein reichen kann. Im Prozess des Erwachens offenbart sich das Göttliche im Bewusstsein des Menschen und er wird dadurch zu einem Instrument der Lichtkräfte.

Und darin treffen sich die beiden Vorträge: es bedarf der Pioniere, die über erworbene Seelenkraft der Menschheit auf dem evolutionären Weg voran gehen. Es bedarf aber auch eines Gruppenverbundes, der dem Individuum ermöglicht, den gegenwärtigen Zustand zu überwinden und der hinführt zur Erfahrung der Verbundenheit mit der ganzen Menschheit im Rahmen der göttlichen Evolution. Ihr zu dienen ist unsere wahre Aufgabe.

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