Alchemie

Sprachverwirrung

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Sprachverwirrung – eine Sprache zerfällt in viele Sprachen.

Menschen verstehen sich nicht mehr.

Sie bewegen sich nur noch in einem eingeschränkten Sprach- und Verständigungskreis, bis zu einem selbst bestimmten Horizont, aber nicht darüber hinaus.

Die Sprache, tief in ihrem Herzen verborgen, die ursprüngliche, hören und begreifen sie nicht mehr. Sie kennen nur noch die an der Oberfläche sich befindenden Buchstaben, Wörter, Sätze, gerade mit dem Verstand, mit dem Intellekt fassbar.

Manch ein Wort mag im Menschen etwas zum Schwingen bringen. Er ahnt etwas, er fühlt etwas, er er-innert sich.

Aber mit dem nächsten Wort oder Satz kann diese Luke, Eingang zur Urerinnerung, wieder geschlossen sein. Und die aus Buchstaben zusammen gesetzten Wörter sind wie tot, nicht aussagekräftig, kraftlos.

Der Mensch ist allein, ist unglücklich.

Er sucht überall nach Befriedigung, nach Frieden, nur nicht in seinem Inneren. Er sucht in allen Sprachen der Welt, aber nicht die Sprache seines Herzens.

Wie wird die Sprache wieder beseelt? Wer haucht ihr Leben ein? Wie wird ein Text – aufgezeichnete Sprache – wieder lebendig? Wann ist ein Ge-Spräch zwischen zwei Menschen wieder viel-tönig und nicht ein-tönig?

Jeder Mensch ist eine Persönlichkeit. Per-sonare heißt, aus dem Lateinischen übersetzt, „hindurch tönen”. Jede Persönlichkeit schwingt in einem Ton, tief innen. Dieser Ton ist die Sprache des Herzens. Dahin durchzudringen, ist dem Menschen aufgetragen.

Hat er erst einmal erneuten Zugang zu seinem inneren Herzen, dann hat er zu allen Tiefen um sich herum auch wieder den Weg gefunden. Dann versteht er die Sprachen der anderen Menschen, den Ton ihrer Herzen.

Das Wesentliche eröffnet sich ihm.

Der Eigentliche offenbart sich ihm.

Die Oberfläche aller Materie wird glasklar, und er sieht in Allem das innere Wesen, ob Stein oder  Pflanze, Tier oder Mensch, Erde oder Stern. Er erkennt die gemeinsame Sprache und alle Zusammenhänge.

Und er weiß: Jeder ist mit Jedem verbunden. Allem ist etwas gemeinsam, die Sprache des Innersten, der eine Ton. Alles ist lebendig, alles vibrierend, voller Leben – eine Mysterien-Sprache.

Mag ein Mensch vor längeren Zeiten einen Text gelesen haben, er hat vielleicht sehr wenig verstanden. Beschäftigt er sich geraume Zeit später wieder mit dem Text – er hält inne – und der In-halt eröffnet sich ihm ganz neu.

Die Zeichen, die Buchstaben, die Wörter und Sätze erhalten eine Aktualität, eine absolute Wirklichkeit für ihn, weil er sie innerlich erfasst, be-greift. Die ursprüngliche Sprache ist in ihm wieder auferstanden.

Und er sagt erstaunt, das hat er noch nie so verstanden, und er ist sprach-los. Ihm fallen keine Worte (der verworrenen Sprache) mehr ein.

Am Anfang war das Wort (der ursprünglichen Sprache), welches bei Gott war – so steht es in der Bibel – und dieses neue alte Wort kann der Mensch wieder hören.

Damit es möglich wird, dass der Mensch wieder zu Gott, dem Vater heimkehren kann, war das Wort Fleisch geworden. Das heißt, die göttliche Kraft stieg mit Jesus Christus zu den Menschen hinab, um sie zu berühren, zu rufen. Die hohe Schwingung der Geistkraft erniedrigte sich, um die Menschen zu erreichen.

Der Grundton im Menschen, in Vibration versetzt, ist der Geistfunke, das kleine Atom, das auf den Ruf Gottes ant-wortet.

Der Mensch, einst aus Gottes Reich (in seiner Mitte) auf die Erde hinabgestiegen, hat die ursprüngliche Sprache verloren. Durch die Berührung des Wortes, des Logos, hat der kleine Geistfunke (in der Mitte des Menschen) wieder die Möglichkeit, aus sich selber heraus zu dem zu erwachsen, was er vor Urzeiten war, um mit der ursprünglichen Sprache wieder eins zu werden. Die toten Augen werden wieder zu sprechenden Augen, welche die Fenster der nun lebenden neuen Seele sind.

So wie ein Streichholz viele Kerzen anstecken kann, so kann ein Mensch, ausgerüstet mit der ursprünglichen Sprache, ganz viele andere mit dem leuchtenden inneren Feuer anzünden.

Und das ist die großartige Aufgabe des Menschen, die Sprachverwirrung zu entknäueln, wieder zu dem einem Wort zurückzukehren, nicht alleine, nicht vereinzelt, sondern in einer unüberschaubar großen Zahl.

Gemälde: Paul Gustave Louis Christophe Doré

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