Freiheit

Sophia – Logos

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In der Urreligion der Menschheit wirken die Sophia, die Weisheit, und der Logos, der Schöpfergott, gleichberechtigt zusammen, sie ergänzen einander.
 
Diese Sicht gehört zur Urweisheit der Menschheit und spiegelt sich zum Beispiel im chinesischen yin und yang wider. Ein weiteres Beispiel ist der Mythos von Isis und Osiris im alten Ägypten.
 
Die Urweisheit wusste auch etwas von den spirituell einander ergänzenden Möglichkeiten der Geschlechter, die zur wahren Menschwerdung führen.
 
Die intuitive, geistig sich befruchtende Konstellation von Weiblich und Männlich wurde nach vielen Entwicklungsphasen im Zeitalter der demokratischen Industrialisierung auf eine bestimmte Ebene gestellt:
auf die Ebene der äußeren Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die Frau wurde in den Arbeitsprozess von Industrie und Handel eingegliedert.
 
Damit konnte aber nicht automatisch eine geistig-seelisch befreiende Situation für die Frau gewonnen werden. Deshalb bleibt die Situation auch im Äußeren unbefriedigend. Eine spirituelle Seelenausrichtung kann weiterhelfen. Ihre Wirkung greift zunächst auf der inneren Ebene.
 
Wie Otfried Eberz in seiner Abhandlung Sophia – Logos und der Widersacher, herausgegeben 1959, schreibt, ist es in der Neuzeit die Aufgabe der weiblichen Hälfte der Menschheit, das männliche Geschlecht von seinem materialistischen Ichbewusstsein zu erlösen. Eine solche Erlösung kann durch eine geistig-seelische Begegnung im Miteinander der Geschlechter geschehen. Bemühungen, das Innerste im Anderen zu erahnen und zu achten, dürften dafür unabdingbar sein. Dabei ist es hilfreich, sich in vorhandene Imaginationen zu vertiefen, die die Richtung weisen.
 
Eines der großen Bilder der göttlichen Sophia ist das Weib der Apokalypse in der Offenbarung des Johannes, Kap. XII.
Sie mit der Sonne bekleidet ist, dem Christuslicht. Sie steht auf dem Mond und der Schlange und ist somit Überwinderin der die Menschheit manipulierenden kollektiven Gedanken- und Empfindungskräfte. Ihr Kranz von zwölf Sternen um das Haupt deutet auf die zwölf Tierkreiszeichen hin, die in gnostischem Sinn transformiert erstrahlen.
 
Diese Überwinderin des niederen zodiakalen Tierkreises muss ein Kind zur Welt bringen. Sie ist dazu berufen, eine neue geistig-seelische Geburt im eigenen Wesen zu ermöglichen. Hierbei wird sie von dem roten Drachen mit sieben Häuptern und sieben Hörnern bedroht, dem Antichristen, dem Fürsten dieser Welt. Es ist der immerwährende Streit, der von den Mächten der Finsternis gegen die Mächte des Lichtes geführt wird und der ein Seelenleben der Befreiung verhindern will.
 
Aber durch die Ausrichtung auf das göttliche Liebeslicht kann das Kind geboren werden, kann die neue geistig-seelische Geburt stattfinden. Die Sophia wird hierbei dem irdischen Blickwinkel entrückt, sie wird in gewissem Ausmaß unangreifbar vom Irdischen, obwohl sie im Äußeren weiterhin dort wirkt. In der Offenbarung des Johannes flieht das Weib der Apokalypse in die Wüste. Das ist ein Ort der Gemütsverfassung, von dem aus die Sophia ihre Arbeit verrichtet.
 
Es bedarf der inneren Vorbereitung, damit die notwendige Zusammenarbeit der Geschlechter im befreienden Sinn stattfinden kann. Es bedarf der Suche nach der eigenen, in der Tiefe verankerten Identität, um in Freiheit mit dem Anderen zusammenwirken zu können.
 
Gemälde von Anita Vieten
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