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Selbstbehauptung

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Wenn der Sohn des Lichtes, der Sohn des Feuers, sich mit seiner lebenserneuernden Weisheit an das Dunkle und Zerbrochene in dieser Welt wendet und dieses Dunkle, Negative ihn in Selbstbehauptung abweist, dann ändert er seine Taktik. Aus: Jan van Rijckenborgh, „Der Ruf der Rosenkreuzer Bruderschaft”, Band 1, Kapitel 11, S.119, 3. Aufl. 1985

Selbstbehauptung ist für die allermeisten Menschen das Natürlichste, das sie sich denken können. Dem steht der Satz gegenüber: „Herr nicht mein, sondern dein Wille geschehe.” Er wird Jesus zugesprochen.

Was ist damit gemeint?

Schon das Kleinkind im Alter von etwa drei Jahren entdeckt sein Ich. Es stellt sich allen anderen gegenüber, indem es „ich” sagt. Im Englischen wird das „I” sogar immer groß geschrieben.

Im Alter von etwa ab 8 Jahren, in der Grundschule ab Klasse drei, spätestens vier, wird der Widerspruchsgeist immer intensiver. Das steigert sich noch mehr in der Pubertät. Der junge Mensch nimmt immer weniger von Erwachsenen an, sondern richtet sich an Gleichaltrigen oder jungen Idolen aus.

Das sind wichtige Schritte, um zu einem selbstbewussten Leben und Handeln durchzudringen. Ist es jedoch schon das Ende des Entwicklungsganges?

Um bewusst etwas zu tun oder etwas sein zu lassen, bedarf es eines gefestigten Charakters, der nur dann entsteht, wenn alle diese Prozesse durchlaufen wurden.

In einer Beziehung, einer Partnerschaft, gibt es nur Fortschritte und Wachstum, wenn die Partner sich ihrer selbst sehr bewusst sind. Dann kann einer von ihnen zugunsten eines Fortschrittes und eines höheren Zieles zurückstecken. Er kann erfassen, dass er mit einer selbstbehauptenden Haltung etwas ausbremsen oder vereiteln würde. Der Verzicht erweist sich als eine weitaus größere Leistung als das Durchsetzen des eigenen Willens. Er ist Zeichen einer durchschauenden Erkenntnisfähigkeit.

Die Sicht eines Schwimmers auf die Wasseroberfläche ist begrenzt. Wer am Rand des Gewässers steht, kann den Schwimmer, seine Haltung und das Umfeld aus einer höheren Perspektive betrachten. Je höher man sich begibt, desto besser wird die Sicht auf das Geschehen, auf das Ganze.

Wenn ein Beobachter eine besondere Verbindung zum Schwimmer hat, wird er andere Schlüsse ziehen als jemand, der der Situation neutral gegenüber steht. Viele Perspektiven sind in den Situationen des Lebens möglich.

Je weniger wir uns dabei selbst in dem Mittelpunkt stellen, umso umfassender und gültiger wird die Erkenntnis.

Das Preisgeben des Selbstes zugunsten von Höherem ist ein unermesslicher Gewinn an Erkenntnis und schöpferischen Möglichkeiten, sowohl für sich selbst – und das ist nur ein scheinbarer Widerspruch – als auch für die anderen.

Wenn ein Mensch loszulassen lernt, wird es licht in ihm. Ein geistiges Vermögen kann sich entfalten. Er erlebt, dass er „das All gewinnen” kann. Er wandelt sich unter dem Einfluss eines inneren Potenzials, er spürt, dass er zu einer „Neugeburt” gelangen kann, wenn er die Barrieren abbaut, die ihn von dem inneren Gott trennen.

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