Alchemie

Englischer Arzt und Rosenkreuzer: Robert Fludd

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Robert Fludd (1574-1637) ist der Autor von mehr als zwanzig philosophischen, medizinischen und wissenschaftlichen Arbeiten. Die ersten drei Bücher, die er schrieb, waren jedoch Verteidigungsschriften für die Rosenkreuzerbewegung. Nach vielen Jahren des Reisens auf dem Kontinent in den Jahren 1598-1604 kehrte er nach England zurück, um das Medizinstudium wieder aufzunehmen. Auf Grund seiner Geringschätzung der Doktrinen von Galen und seiner Loyalität gegenüber den paracelsistischen Prinzipien dauerte es sehr lange, bis er von seinen orthodoxen Kollegen akzeptiert wurde. Als hart arbeitender Arzt baute er in London eine florierende Praxis auf. Es gibt mehrere Theorien darüber, wie Fludd mit dem rosenkreuzerischen Gedankengut in Kontakt kam. Prag, das während der Regierungszeit von Rudolph II. (1552-1612) zu einem berühmten Zentrum der Alchemie, Magie und Astrologie geworden war, ist wahrscheinlich der Ort, an dem er mit Personen aus den philosophischen und politischen Kreisen, die auch die Basis der Rosenkreuzerbewegung bildeten, in Kontakt gekommen ist. Man hatte wohl geglaubt, dass Michael Maier Fludd in die Welt der Rosenkreuzer eingeführt hat; kürzlich wurde die Theorie in Umlauf gebracht, dass es genau anders herum gewesen sei, jedoch ist nicht sicher, ob sich die beiden jemals tatsächlich getroffen haben.

Fludds Hauptwerk Utriusque cosmi … historia (Geschichte beider Welten, 1618-1621), das er während seiner Reisen schrieb und das anschließend von Johann Theodor de Bry in Oppenheim veröffentlicht wurde, ist eine Art Enzyklopädie: Es handelt von allem, was man über Welt und Mensch wissen musste. Die in diesem Werk dargelegten Grundkonzepte – wie zum Beispiel das Kontinuum zwischen Geist und Materie, zwischen der inneren Erfahrung des Menschen, dem äußeren Prozess der Natur und dem Ersten Grund, Gott – waren grundsätzlich die gleichen wie die, welche den Idealen der universellen Reformation der Rosenkreuzer zugrunde lagen. Robert Fludd versuchte auch, eine Reformation des Wissens hervorzubringen. Fludd selbst jedoch sagte, dass sein Utriusque cosmi … historia schon zu weiten Teilen fertig gestellt gewesen sei, bevor er jemals von den Rosenkreuzern gehört habe!

Es war Teil von Fludds Methode, alte Binsenwahrheiten mit neuen Begriffen und neuer Bedeutung zu füllen: Sein Werk basierte auf dem bereits in der Renaissance formulierten Konzept der drei Welten, z. B. beschrieben in Giovanni Pico della Mirandolas Heptaplus (ca. 1490):

In der Antike stellt man sich drei Welten vor. Die höchste von allen ist die der Überwelt, eine, die Theologen die „Engelhafte” und Philosophen die „Einleuchtende” nennen, die, wie Plato im Phaedrus sagt, niemals jemand angemessen besungen hat. An diese schließt sich die himmlische Welt an und als letzte diese sublunare , die wir bewohnen. Diese ist die Welt der Dunkelheit, jene die Welt des Lichtes; die Himmel sind zusammengesetzt aus Licht und Finsternis.

Wenn die Aufteilung der Welt in drei Teile eine vertikale Hierarchie entstehen ließ und dadurch dem Renaissance-Verstand drei grundlegende Längengrade gab, war es der Gedanke der Einheit all dieser Welten, der diesen Landkarten ihre Breitengrade gab. Pico erklärt:

Vor allem muss man berücksichtigen, (…) dass diese drei Welten eine Welt sind, nicht nur weil sie alle den gleichen Ursprung und das gleiche Ende haben, oder weil sie, durch entsprechende Maße reguliert, sowohl durch ein bestimmtes harmonisches Verwandtschaftsverhältnis ihrer Natur als auch durch eine bestimmte Anordnung der Sphären verbunden sind. Nein, jede dieser Welten ist gleichzeitig in der anderen enthalten, und da ist nichts in ihnen, das nicht auch in jeder der anderen gefunden werden könnte.

Im Menschen, dem Mikrokosmos, befinden sich diese drei Welten in seinem Verstand, seiner Seele und seinem Körper. Der Verstand kennt die Natur der erfassbaren Welt, die Seele kann mit den Planeten der himmlischen Welt in Harmonie sein, und der Körper wird von der irdischen Welt beherrscht. Zu gleicher Zeit sind diese Welten eins, und weil Mikrokosmos und Makrokosmos eins sind, ermöglichen sie einen Prozess des Auf- und Niedersteigens zwischen dem Niedrigsten und dem Höchsten. Das erinnert stark an das „Wie oben, so unten”, die Worte der hermetischen Tabula Smaragdina oder smaragdenen Tafel, die vielleicht kompakteste und prägnanteste Formulierung der Idee, dass im Kosmos alles miteinander zusammenhängt.

Des Menschen Spirituelles Gehirn: ein Treffen der Gemüter

Wie kommuniziert Gott mit dem Menschen und wie kommuniziert der Mensch mit Gott? Dieser Kupferstich versucht Klarheit in diese Frage zu bringen. Wir sehen, dass der Mensch über die Eigenschaften, mit denen er ausgestattet ist, mit der göttlichen Welt verbunden ist: diese sind Vernunft (ratio), Intellekt und Gemüt (mens). Dieser Stich zeigt auch, dass hier eine Wechselwirkung besteht, da der Mensch auch in der Lage ist, mit Gott selbst zu kommunizieren. Der Mensch wird durch die göttliche Welt über ihm beeinflusst.

Die drei Bereiche des empyreischen oder weltlichen Himmels befinden sich genau über seinem Kopf. Es gibt einen „Kommunikationskanal”, durch den die intellektuelle Welt Gottes und die Hierarchie der Engel in die Seele Eingang finden: Hier ist es eine Kombination von Verstand, Intellekt und Gemüt. Die Seele wird auch durch die Empfindungswelt informiert (links: mundus sensibilis – der Beginn eines anderen Kommunikationskanals zum Gehirn). Die Empfindungswelt wird im ersten Ventrikel in eine nicht greifbare Form umgewandelt, um dann im nächsten Ventrikel transzendent gemacht zu werden mithilfe der Kraft der Unterscheidung und der Einsicht. Die vier Elemente, aus denen die Empfindungswelt besteht (Erde, Wasser, Feuer, feine Luft und grobe Luft) korrespondieren mit den fünf Sinnen, wie die gestrichelten Linien zeigen. Erde bezieht sich auf Tastsinn (die Hand), Wasser auf Geschmack (den Mund), Feuer auf das Sehen (die Augen), grobe Luft auf das Riechen (die Nase) und feine Luft auf das Hören (das Ohr). Die imaginäre Welt (mundus imaginabilis) tritt direkt in die beiden Quer-Ventrikel ein. Im hinteren Teil des Kopfes ist der Sitz von Erinnerung und Bewegung. Fludd leitete einen großen Teil der Information über das physische Gehirn von Vesalius’ epochalem Werk von 1543 über Anatomie De humani corporis fabrica (Über die Struktur des menschlichen Körpers) ab und verknüpfte dies mit seinen eigenen, mehr traditionellen Ansichten; auch Albertus Magnus (c. 1200-1280) bezog sich auf die drei Ventrikel im menschlichen Gehirn, die als Wohnsitz der Seele galten.

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