Kunst

Zwischen Kopf und Handeln muss das Herz sein

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Der Film Metropolis – Vision der modernen Welt?

1927 erschien einer der letzten Stummfilme, genannt Metropolis, nach einem  Buch von Thea von Harbou; Regisseur war Fritz Lang. Das Mammutprojekt wurde für umgerechnet 27 Mio. Euro in 18 Monaten realisiert. In dem Film zeigt Fritz Lang in einer Zukunftsvision eine Stadt im 21. Jahrhundert. Die Zuschauerzahlen zu diesem Projekt lagen jedoch weit unter den Erwartungen. Denn die Stummfilmzeit ging ihrem Ende entgegen. In neuerer Zeit wurde der Film, von dem ein Viertel des Originals verloren gegangen war, rekonstruiert und seine heutige Popularität erhält er neben seiner sozialpolitischen Komponente durch spektakuläre futuristische Bilder, aus denen sich Regisseure, Musiker und Designer auch heute noch gern bedienen.

2001 wurde der Film durch die UNESCO als erster Film in das Weltkulturerbe aufgenommen. Und im Mai 2011 wurde er wieder im Kino gezeigt.

Metropolis ist ein Architekturtraum und -alptraum zugleich. Eine Stadt zwischen Unterwelt-Katakomben und Wolkenkratzern mit Flugplätzen auf dem Dach, eine Stadt zwischen Altertum und Zukunft, zwischen Mythos und Vernunft, Armut und Reichtum, die in ihrer Widersprüchlichkeit Menschen in den stofflichen und seelischen Ruin treibt.

Seine Quintessenz ist die Forderung: „Zwischen Kopf und Handeln muss das Herz sein.”

In krasser Weise wird in Metropolis deutlich gemacht, wie leer und vermaterialisiert ein Leben ohne Herz, ohne das Herzempfinden ist, ein Leben, in dem nur der Kopf diktiert.

Zur Handlung:

In dem auf Wohlstand und totalen Materialismus abgestimmten Leben der „gehobenen Klasse” in der Superstadt Metropolis tritt plötzlich ein Mensch auf, der Herzenswärme und Mitempfinden vermittelt: Maria.

Das ist etwas völlig Neues im Leben von Freder, dem Sohn des mächtigen Finanz-Oligarchen Fredersen der luxuriösen Oberstadt. Er ist eingesponnen in Wohlstand und Wohlleben, wie so viele andere, die lediglich ihre Freizeit gestalten und sich in Vergnügungsparks aufhalten. Bei der ersten Begegnung zwischen ihm und Maria erlebt Freder eine seelische Erschütterung. Die schlicht gekleidete Maria, die sich den ärmlichen Arbeiterkindern aus der Unterstadt angenommen hat, greift sein Herz an, als sie, auf die Kinder deutend, sagt: „Das sind eure Brüder”.

Die in einer unter der Erde, in einer aus Beton gebauten Arbeiterstadt mit ihren Eltern lebenden Kinder verfallen in sprachloses Staunen beim Anblick blühender Bäume, eines Brunnen, beim Anblick der Tiere, die sie nie vorher gesehen haben. Auch das Sonnenlicht ist ihnen fremd, denn in der Arbeiterstadt gibt es nur permanent leuchtendes elektrisches Licht. Maria wird jedoch mitsamt der Kinder von Ordnungshütern der Oberstadt kurzer Hand des herrschaftlichen Ortes verwiesen.

Seit dieser Begegnung ist Freder ruhelos und er will plötzlich mehr wissen. Wie und wo leben die Arbeiter seines Vaters, und wie und wo lebt Maria, dieses Wesen, das wie aus einer anderen Welt ist? Er will die Gesichter der Menschen sehen, deren Kinder er sah.

Maria, in der die Sehnsucht im Herzen trotz einer unmenschlich harten Realität noch nicht erloschen ist, hat noch einen anderen Wirkungskreis. Nach der schweren Fronarbeit, die die Arbeiter des Magnaten täglich über zehn Stunden lang zu leisten haben, bis die große Sirene sie erlöst, treffen sie sich im Geheimen in den Katakomben unter dem Fabrikgelände. Dort spricht Maria vor einem mit Kerzen erleuchteten Altar tröstende Worte zu den deprimierten und innerlich ausgehöhlten Menschen. Ihre Worte rufen ein Aufatmen in ihnen hervor.

Hier trifft Freder wieder auf Maria, nachdem er sich freiwillig in den Arbeitsprozess eingegliedert hatte. Er löste einen Arbeiter bei seiner Schicht ab, um die Fron am eigenen Leibe zu erfahren. Es kommt zu einer Begegnung von Menschen, die verschiedenen Welten angehören.

Freder versucht nun, seinem Vater klar zu machen, dass die in der untersten Kelleretage von Metropolis schuftenden Menschen seine Brüder seien und schildert ihm die unmenschlichen Vorgänge in der Fabrik. Doch der alte Fredersen hat keinen Zugang zu den Gedanken seines Sohnes. Er verbindet sich vielmehr mit dem Erfinder Rotwang, um die Absichten Freders zu vereiteln.

Für Fredersen ist Maria, die von ihm und Rotwang ausspioniert wird, eine Art Aufrührerin, die es auszuschalten gilt. So wird sie schließlich gefangen genommen. Rotwang ersetzt sie durch einen Kunstmenschen. Dieser Kunstmensch oder Androide wiegelt allerdings die bisher friedlich lebende Arbeiterschaft auf raffinierte Weise auf.

Freder gelingt es schließlich, Maria zu befreien und den Androiden zu entlarven. Aber das Unheil nimmt seinen Lauf. Die von der falschen Maria aufgebrachte Arbeiterschaft sabotiert die Maschinen, die oft nur dadurch in Tätigkeit gehalten werden, dass sie die Arbeiter selbst gänzlich verschlingen. Durch diese Sabotage brechen Wassermassen in die unterirdischen Wohnbereiche ein, in denen sich gerade die Kinder der Arbeiter aufhalten. Maria gelingt es jedoch, sie zu retten. Wegen der entstandenen tödlichen Gefahr für die Kinder wird der Androide von der Arbeiterschaft auf einer Art Scheiterhaufen verbrannt. Rotwang will sich wieder Marias bemächtigen, wird daran aber von Freder gehindert, der ihn überwältigt.

Nach diesem Kampf wird es Freders Vater bewusst, wie viel ihm an seinem Sohn gelegen ist, und er sieht nun auch Maria mit anderen Augen. Auf den Rat Marias wird Freder zum Mittler zwischen den Menschen, denn sein Herz ist erwacht. Er wird Mittler von Herz zu Herz.

Damit endet der Film.

Das erwachende Herz – es könnte zukunftsentscheidend sein.

Abb.: Gemälde von Bettina Runge

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