Mythologie

Maurice Magre auf den Spuren der Druiden und Katharer

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Als mich in den 90-iger Jahren der Weg nach Südfrankreich in das Land der Katharer führte, fiel mir bei einem Besuch in einem Buchlädchen in dem kleinen Ort Montségur ein Buch von Maurice Magre in die Hände. Es trug den Titel Die Kraft der frühen Himmel. Ich kaufte es und fand mit großer Begeisterung eine unerwartete Informationsquelle, die außerdem noch in deutscher Sprache angeboten wurde. Dankbar wurde ich so Besitzerin eines Buches, das mein Wissen über die Katharer und Druiden vertiefte.

Doch zunächst einiges über den Verfasser dieser besonderen Schrift.

Maurice Magre, der auch der Poet des Wunderbaren genannt wurde, wurde 1877 in Toulouse, Südfrankreich, geboren. Von ihm gibt es Romane, Gedichte und Essays. In seinem Leben ist er den Spuren der Druiden, Katharer und Gralshüter gefolgt. Er hat, wie es heißt, alles und nichts gefunden – doch ein inneres Feuer von magischer Gewissheit hat ihn bei seiner Suche erfasst und so konnte er das Geheimnis des Grals entschlüsseln, was für ihn bedeutete, das Leben gleichzeitig lieben und es schmerzlos verlassen zu können. Maurice Magre starb 1941 in einem Sanatorium in Nizza.

Über die Druiden und die Katharer berichtet er uns unter anderem:

An der Spitze der geistigen Hierarchie der Druiden gab es eine führende Gruppe von Gelehrten und Philosophen, welche die Geheimnisse der Wissenschaft und der Metaphysik weitergaben, aber ausschließlich mündlich.

Sie wussten von der tragischen Rolle, die das Gold in der Welt spielt, und dem Zusammenhang, in dem es mit den irdischen Übeln steht, weil das Gold so etwas wie eine übernatürliche Macht besitzt, das Begehren des Menschen zu verdichten. Der Umlauf des Goldes galt darum bei den Druiden als verboten.

Ihr Ideal war die menschliche Vollkommenheit und sie waren bemüht, auf diese Vollkommenheit hinzuarbeiten – auch bei den dunkelsten Seelen der Diebe und Verbrecher. Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele und ihre unaufhörliche Wanderung bildete die Grundlage der druidischen Philosophie. Der Tod, der als eine Durchgangsstation betrachtet wurde und eine Transformation bedeutete, verlor für sie seinen furchteinflößenden Charakter.

Die Druiden haben niemals an einen grausamen Gott geglaubt. Die höchste Gottheit war für sie formlos, unbegrenzt und unbegreiflich. Gott war der höchste Geist, aus dem die Welt hervorgegangen ist.

Ihrer Auffassung nach muss die wirkliche Arbeit im inneren Reich der Seele des Menschen stattfinden. Für sie wird ein Mensch dadurch groß, dass er einfach bleibt und reiner und einsichtsvoller wird.

Wie die Essener in Palästina, so sahen sich auch die Druiden keinem organisatorischen und in sich geschlossenen Klerus gegenüber.

Die Druiden hielten das Volk der Gallier zu einem gradlinigen und sittlich reinen Leben an – als Grundlage für das Glücklichsein. Sie formten ihre Seele im Einklang mit der heiteren Freude, die sich nach ihrer Auffassung auch im Ausdruck der Bäume findet.

Im Jahr 1220 existierte in Kildare noch ein geheimes Heiligtum der Druiden, in dem ein ewiges Feuer brannte. Der Erzbischof von Dublin ließ es auslöschen, als Relikt eines vergangenen Glaubens. Mit dem Tod dieser Flammen fiel zeitlich auch die Ausrottung der Katharer im Süden Frankreichs durch den Kreuzzug von Papst Innozenz dem Dritten zusammen.

Okzitanien, das heutige Languedoc, war das auserwählte Erbe der Druiden, ein Land, wo die Vermischung von Kelten und Aquitaniern eine Rasse aus selbstlosen Menschen hervorgebracht hatte. Der Geist der Druiden wehte noch über Frankreich vom Norden bis in den Süden und so bestand eine geistige Verbindung zwischen den Druiden und den Katharern.

Die Boten, die im 12. Jahrhundert aus dem Osten nach Südfrankreich gekommen waren, brachten die Nachricht von der Versöhnung des Menschen mit dem Göttlichen und zeigten den Weg der Erlösung und Befreiung auf.

So begründete der Bulgare Niketas um 1167 die Ordnung der albigensischen Katharer-Kirche und gab damit seine Geheimnisse an Menschen weiter, die sie in der Tiefe ihres Herzens bewahrten.

Die Katharer waren bemüht, die Lehre der Liebe zu leben und man nannte sie auch die bons hommes, die guten Menschen.

Was waren die Inhalte ihrer Weisheitslehre?

Ihre Weisheit bestand in dem Wissen, das die Seele des Menschen unsterblich ist und durch zahllose Leben hindurchgehen muss, wenn sie den Zustand des Göttlichen wiederfinden will.

Dazu gehörte äußerlich, dass man ein einfaches Leben führte, den Reichtum gering schätzte, Wünsche zurückweisen konnte und sich um das Geistige bemühte. Die Katharer schlossen sich in diesem Bemühen zu einer Gemeinschaft zusammen, um sich auf ihrem Befreiungsweg zu unterstützen, aber auch die Unwissenden zu unterweisen.

Die bons hommes wurden in ihrer Bewegung auch Perfecti genannt. Ein Perfectus stand für einen vollkommen Reinen. Und er erhielt zu gegebener Zeit das Consolamentum, eine Art Geisttaufe, auch Tröstung, genannt.

Man sagte auch, dass das Consolamentum das Geheimnis des Christus, die geistige Essenz des Grals sei.

Das schließliche Ende dieser geistigen Bewegung wurde dann im Jahr 1244 mit der Verbrennung von über 200 Anhängern auf einem Scheiterhaufen unterhalb der Burg Montségur herbeigeführt.

Lange und immer wieder suchte man vergeblich nach dem Schatz der Katharer, den man auch im heiligen Gral vermutete. Doch die Spekulationen über einen materiellen Schatz zerschlugen sich, was nicht weiter verwunderlich ist. Denn bei den Katharern ging es immer um einen geistigen Schatz, der die göttliche Liebe symbolisierte. Denn der Perfekte war der Übermittler dieser Liebe, die er aus den Tiefen seines Seins schöpfte.

Im 20. Jahrhundert war es Antonine Gadal (1877-1862), der in seiner geistigen Ausrichtung für das Behüten des Erbes der Katharer stand und es während seines Lebens in Südfrankreich lebendig hielt.

Im Jahr 1954 wurde der geistige Schatz der Katharer, durch das Monument Galaad im Herzen des Tals der Ariège symbolisiert, an die geistigen Leiter des Lectorium Rosicrucianum, der Schule des Goldenen Rosenkreuzes, übertragen.

Wer mit dem Schatz der Katharer verbunden ist, trägt das geistige Wissen im Herzen. Und diese Kraft, die in jedem leben und ihn weiterführen kann, wird von sich zeugen. Das Monument Gaalad ist auch ein Zeichen dafür, dass der goldene Faden des göttlich Geistigen niemals abreißen wird und immer weitergetragen wird durch Menschen, die dem geistigen Ruf in sich folgen. – So wie es auch Maurice Magre tat.

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