Poesie Lyrik

Ibn ’Ata’ Allah – Bedrängnisse sind Teppiche voller Gnaden

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Ibn ’Ata’ Allah wurde 1252 in Alexandria in Ägypten geboren. Er stammte aus einer Gelehrtenfamilie und gehörte zunächst zu den Gegnern des mystischen Pfades. Als er etwa 20 bis 25 Jahre alt war, besuchte er einen Meister des Sufismus (Abu’l’-’Abbas al-Mursi). Das Gespräch mit ihm verwandelte Ibn ’Ata’ Allah. Er schloss sich al-Mursi an und wurde schließlich Nachfolger, als dieser 1288 starb.

Berühmt wurde Ibn ’Ata’ Allahs Büchlein Hikam („Weisheitsworte”). Es enthält die Quintessenz des größten gemäßigten Sufi-Werkes des arabischen Mittelalters, das Abu Hamid al-Ghazzali (gest. 1111) verfasst hatte. Unter den arabischen Hikam-Sammlungen ist Ibn ’Ata’ Allahs die am weitesten verbreitete; sie bildet bis heute eine Quelle der Inspiration für jeden, der nach einem Weg zu tiefer Glaubensgewissheit sucht.

Das Büchlein beginnt mit einer herben Kritik an denen, die ihren eigenen Werken noch Wichtigkeit beimessen und deshalb enttäuscht sind, wenn sie keinen Erfolg haben. Immer wieder betont Ibn ’Ata’ Allah: Gott ist der eigentlich Handelnde.

In der dunklen Nacht der Seele erfährt der Mensch, wenn er keinerlei Hilfe anderer mehr empfängt, dass er nur noch Gott hat, zu dem er sich wenden kann. Aus dieser Erfahrung heraus kann es geschehen, dass die Bedrückung ihm größere geistige Früchte schenkt als ein noch so großer Erfolg in der Welt. Die persischen Mystiker sagen: Aus der dunklen Nacht erscheint die „Sonne um Mitternacht”. Ibn ’Ata’ Allah knüpft viele Gedanken an den „Lichtvers” des Korans (Sura 24:35) an, in dem Gott als „das Licht des Himmels und der Erde” bezeichnet wird, das durch eine in einer Nische stehende Lampe scheint.

Gott bleibt, so Ibn ’Ata’ Allah, immer transzendent, selbst in dem Augenblick, in dem der Mensch fühlt, dass Er ihm näher ist „als die Halsschlagader”, wie der Koran sagt (Sura 50:16).

Es ist Gott, der die Initiativen ergreift. Er sprach das erste Wort, als Er die noch nicht geschaffenen Menschen in der Ur-Ewigkeit anredete: „Bin ich nicht euer Herr?” (Sura 7:171) Der beste Weg, Ihm näherzukommen und Liebe und Dankbarkeit auszudrücken, ist für Ibn ’Ata’ Allah, wie für seine Vorgänger und Nachfolger, das Gottgedenken. Er verfasste ein Büchlein über den Gebrauch der 99 schönsten Namen Gottes auf den verschiedenen Stufen der geistigen Entwicklung (Der Schlüssel zum Heil).

Ibn ’Ata’ Allah ermahnt seinen Leser, nicht zu glauben, dass in diesem Augenblick etwas anderes geschehen könnte, als was gerade geschieht. Der Gläubige wird sich am Morgen fragen, was Gott an diesem Tage mit ihm vorhat und er wird in allem, was ihm begegnet oder ihn trifft, einen Sinn finden. Selbst Bedrängnisse werden für ihn zu einem „Teppich voller Gaben”.

„Begrabe deine Existenz in der Unberühmtheit Boden,

denn nicht reift aus, was wächst, bevor es begraben ward.” (Vers 11)

„Der Kosmos ist ganz Finsternis.

Nur das Aufscheinen des Wahren Gottes in ihm erleuchtet ihn.

Wer nun den Kosmos ansieht und sieht nicht Ihn

in ihm oder bei ihm oder vor ihm oder nach ihm,

der ermangelt der Lichter,

und der Erkenntnisse Sonnen werden verdeckt vor ihm

durch die Wolken geschaffener Zeichen.” (Vers 14)

aus. Ibn ’Ata’ Allah, Bedrängnisse sind Teppiche voller Gnaden, übersetzt und eingeleitet von Annemarie Schimmel, Freiburg 1987

Gemälde Ansicht Alexandria im 18. Jh.
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