Kultur

Hochzeitszug der Sulamith

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Vor einigen Wochen habe ich in einer Kolumne auf die Lehrtafel der Prinzessin Antonia hingewiesen. Wenn man nun nach Teinach fährt, um sich diese Lehrtafel anzuschauen, kann es geschehen, dass der Bilderschrein geschlossen ist. Man steht davor, enttäuscht. Aber nun fällt der Blick auf die Außenseite des Schreins.

Hier ist der Hochzeitszug der Sulamith abgebildet. Salomo sang das Hohe Lied für Sulamith, in dem es heißt: „Der Liebe Glut ist eine Flamme des Herrn.” In der Bildtafel des Hochzeitszugs wird diese Liebe ebenfalls geistig gedeutet. Antonia führt einen Zug historischer und symbolischer Figuren aus verschiedenen Zeiten, Kulturen und Völkern an.

Sie alle brachten auf ihre Weise ihr Lebensopfer. Sie vollzogen durch ihre geistige Ausrichtung die mystische Hochzeit von Geist und Seele und verbanden sich so mit dem  Auferstandenen. Man könnte sie auch als verklärte Seelen bezeichnen.

So folgen Antonia die Erzmütter des Alten Testamentes, die Prophetinnen,

Märtyrerinnen, Königinnen, Heldinnen, aber auch die Unbekannten, die einen Bezug auf Folgezeiten offen lassen. Die Haltung, Kleidung oder ein symbolischer Gegenstand sprechen von ihrer jeweiligen Geschichte.

Bezeichnender Weise schwebt der Brautzug über der Erde in Himmelswolken dem geistigen Bräutigam entgegen, der als Auferstandener die Krone des Lebens über Antonias Haupt hält und zu dessen Füßen die Dornenkrone liegt.

Der Brautzug bildet die Einladung zu der zu öffnenden Lehrtafel der Antonia.

Antonias Lebensbekenntnis, das in hebräischer Schrift auf dem oberen Querbalken des Schreins zu lesen ist, lautet:

„Habe deine Lust am Herrn. Er wird dir geben, was dein Herz begehrt.”

In unserer Zeit formulieren wir die Einladung vielleicht anders. Aber wie sie auch immer ausgesprochen wird, es geht um den Weg zum inneren Schrein.

Quelle:

Otto Betz, Licht vom unerschaffenen Licht, Sternberg Verlag

Abb.: Hochzeitszug der Sulamith-Theinacher Altar

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