Poesie Lyrik

Heilung : Kunde, Kunst und Luxus

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Kunde ist eine Botschaft, vielleicht eine Möglichkeit, die uns in Aussicht gestellt ist; vielleicht auch so etwas wie ein Plan. – Was geschieht nun mit ihm, diesem Plan, dieser Möglichkeit? – – – Der Plan will verwirklicht werden durch die Möglichkeit.

Heil-Kunde

welch ein Wort

welch eine Größe

die Kunde vom Heil

vom Heil der Seele.

Und die Kunst –

Verwirklichung dessen

wovon die Kunde berichtet.

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Im allgemeinen Verständnis ist Kunst etwas Schönes. Catharose de Petri schreibt, dass alles Schöne in der Welt nur dazu da ist, uns an die Schönheit der Seele zu erinnern, die eins wird mit dem Licht des Geistes. Schönheit ist etwas, das man nicht unbedingt braucht zum Leben – Luxus also. Und Leben – was ist das eigentlich? Wasser und Brot, ein wenig Butter darauf, etwas zum Anziehen, damit wir nicht frieren, ein paar Kohlen für den Winter, ein wenig Fortpflanzen – ist das Leben? – – –Es ist etwas Biologisches, Körperliches, ja schon; doch wir empfinden, dies kann nur Bruchteil sein, Leben ist noch etwas anderes, ist mehr. – Zum Leben des Menschen in allen Kulturen gehört, ob einfach oder subtil, das, was wir als Kunst bezeichnen, als Luxus.

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Luxus, das Wort kommt von lux, Licht. Künstler werden oft beneidet von der Menge, sie stechen heraus, leben, zumindest von außen betrachtet, freier und autonomer als die meisten anderen. – Kunst ist meist etwas, das die graue Routine des geschmähten Alltages aufpeppt. Ganz ohne Kunst erschiene uns das gewohnte Leben sehr viel weniger interessant. Wir mögen sie, diese Verzierungen, freuen uns über sie. Aber so ganz ernst nehmen wir die Künstler ja doch nicht; ja, ja, die Künstler, die haben´s gut, müssen nicht acht Stunden im Büro sitzen oder länger, die Künstler … Viele Künstler führen ein anderes Leben als die meisten Menschen. Warum werden sie beneidet? – Die Kunst, auch die Künstler, erinnern uns an etwas Anderes.

Dieses andere, das da IN uns ist – könnte dies etwa mit dem Leben zu tun haben?

Die Kunst, die zum Leben, diesem einen Leben führen will – das ist die Kunst der Veränderung, die Kunst der Transmutation. Die alten Autoren verstanden unter Kunst stets diese Kunst der Verwandlung, die Kunst der Alchemie – solve et coagula – trenne und füge aufs Neue wieder zusammen. Die wir heutigentags Künstler nennen, Musiker, Maler, Schriftsteller usw. hatten allesamt eine dienende Rolle im Opus magnum, dem Großen Werk.

Und die Heilkunst – sollte sie etwas anderes sein als das, was die Wiedergeburt, die Renaissance, die Regeneration der Seele ermöglicht? Alles, was uns hier zum Erwachen führt, gehört zu den hohen Formen der Heilkunst. Einer Kunst, in der es nicht mehr vorrangig um Körper, um die Physiologie geht, sondern die in erster Linie das Augenmerk auf die Seele lenkt.

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Nun taucht vor unserem inneren Auge ein feuriges Dreieck auf, das Dreieck von Religion, Kunst und Wissenschaft. Dieses Dreigestirn müssen wir neu entzünden als eine Heilkunde, die eins ist mit der Heilkunst – dem Werden der Seele aus dem Licht.

Die Kunst der Heilung – eine schöpferische, eine kreative Tätigkeit, die durch Lösung alles Alten zur Lichtwerdung des ganzen Menschen führen wird. – – – Wann wird? In Zukunft, in fünf oder sieben oder mehr Leben, im nächsten Sternenjahr, in einigen zigzehntausend Jahren also? – Nun, wenn wir wirklich möglichst fest an die Erlösung in der Zukunft glauben – dann wird es auch JETZT nicht sein …

Wie oft hören wir es, vielleicht führen wir es sogar selber im Mund, das vom nächsten Leben? Ist das nicht alles Illusion, vollkommene Schimäre?

Wird es uns deutlich, dass alles jetzt, heute, hier sein kann, ja hier sein muss – in der bewussten Gegenwart, dann geht die Zeit unter im Luxus, dem lichten Ozean der Unendlichkeit. Sie ist noch da, natürlich, wie ja auch unser Körper. Aber ihre bindende Kraft lässt mehr und mehr nach, in dem Maße, wie in uns die Wirklichkeit des Lichtes – das geheimnisvolle Gold – zu leben beginnt … solve et coagula … das Neue entsteht … strahlend, unvergänglich, makellos … zur genesenden Kraft für viele Seelen, die danach suchen. Ein unerschöpflicher Reichtum, Luxus – unvergänglich und ohne Grenzen.

Foto: Regina Rust

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