Persönlichkeiten

Georg Büchner, ein Rebell wider Willen?

Muston_Büchner_1835

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Der 200. Geburtstag des Dichters jährt sich am 17.Oktober 2013.
Hat sein Werk auch heute noch den Menschen etwas zu sagen?
 
Georg Büchner war nicht der jugendliche Rebell, der gewaltsam äußere Lebensumstände herbeiführen wollte. Aber er erkannte sehr früh in seinem kurzen Leben die Nöte der Menschen seiner Zeit und hatte den Wunsch, erklärend und aufrüttelnd zu wirken. Er litt mit allen Menschen, die äußerer Not unterworfen waren. In einem seiner Briefe schreibt er: „Der einzelne ist nur Schaum auf der Welle.” So gründete er im März 1834 – nach einem schon bestehenden Stuttgarter Vorbild – mit gleichgesinnten, enthusiastischen, jungen Menschen, „die Gesellschaft der Menschenrechte”. Er wollte mit ihnen die Zeit und ihre Umstände ergründen und neue Wege beschreiten. Damals verfasste er auch aufklärende Kampfschriften.
 
Dadurch kam er mit der Obrigkeit in Konflikt und konnte sich nur durch Flucht nach Frankreich einer drohenden Verhaftung entziehen. Doch er war dem Gemüt und tieferen Interesse nach nicht der radikale Rebell, daher verlief sein Lebensweg äußerlich in zunehmend stilleren Bahnen.
In dem Drama Dantons Tod, das er 1835 einem Verleger zum Druck übergab, setzte er sich schließlich interpretierend mit seinen eigenen sozial-politischen Bestrebungen auseinander, die er von Misserfolg gekrönt sah. 
 
Er entschloss sich, das Studium als Arzt, welches er 1831 in Straßburg begonnen hatte, fortzusetzen und erlangte darin eine Professur. Sein besonderes Interesse galt dem Nervensystem der Fische. Büchner starb 1837 an einer Thyphusinfektion einen sehr frühen Tod.
 
Hinter diesen äußeren Aspekten seines Lebens wird jedoch noch etwas anderes sichtbar: sein Wunsch, ein ausgewogenes Leben zu führen.So strebte er die Gründung einer Familie mit Wilhelmine Jaegle an, mit der er seit 1833 verlobt war.
 
In dem Theaterstück Leonce und Lena – 1836 verfasst – macht er unter anderem deutlich, dass ein junger Mensch oft die alt hergebrachten Konventionen ablehnt. Doch der Wunsch zur eigenen Lebensgestaltung ist letztlich größer, und so erwacht eine gewisse Kompromissbereitschaft gegenüber den nicht zu leugnenden, störenden Gegebenheiten des Lebens.
 
Eine besondere Stellung im Schaffen Georg Büchners nimmt neben dem Drama Woyzeck die Novelle Lenz ein. Zu den beschriebenen Landschaftsbildern, die sehr naturgetreu anmuten, tauchen eigene religiöse und psychologische Fragestellungen auf. Jener Jakob Lenz verfällt schließlich dem Wahnsinn, weil er am Leben zerbricht.
 
Büchner setzt sich auch hier mit der immer wiederkehrenden Frage nach dem Sinn des Lebens auseinander. Dabei analysiert er die verschiedensten Lebensaspekte wie ein Chemiker in einem Labor. Es ist seine eigene Art, sich der Realität zu stellen, begünstigt noch durch die Unmittelbarkeit seiner Sprache. 
 
In der Novelle heißt es zum Beispiel unter anderem:
 
„Lass´ in mir die heiligen Schmerzen,
tiefe Bronnen ganz aufbrechen;
Leiden sei mein Gewinn,
Leiden sei mein Gottesdienst.
Das All war für ihn in Wunden. Er fühlte tiefen unnennbaren Schmerz davon.”
 
Der Dichter begibt sich dabei in die tiefsten Lebensgründe, mit denen sich der Mensch zu allen Zeiten konfrontiert sieht.    
 
Georg Büchners Schaffenskraft und deren Ergebnisse in seinem kurzen Leben sind geradezu überwältigend und daher besonders berührend. Er war ein Mensch, der im klaren Bewusstsein der vielseitigen Begrenztheit dieses Lebens, konsequent und mit einem schmerzenden Herzen, seinen kurzen Lebensweg zu Ende ging, ohne je die Sinnfrage auszuklammern -ein Sucher, der einem Seinszustand in Harmonie von Geist, Seele und Körper nachstrebte.
 
Hoffen wir, dass er einen Eindruck davon erhalten konnte.
In einem seiner Briefe schreibt er: „Mein Leichtsinn – ein unbegrenztes Gottvertrauen.”
Dieses Gottvertrauen hat wohl sein ganzes Leben und Schaffen durchstrahlt.   
 
 
 
Zeichnung von Muston: Georg Büchner
 
 
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